FANTASTIVAL Pressestimmen

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Fantastival : Das glänzende Dutzend

15.08.2010 / NRZ / DINSLAKEN

Das glänzende Dutzend ist voll. Mit der 12. Sommernacht des Musicals endete am Samstag das diesjährige Dinslakener Fantastival.

1800 Zuschauer erlebten sechs starke Stimmen, 32 nicht unbedingt aus Musicals stammende Songs und die ein oder andere gelungene Überraschung. Traditionen sind auch dafür da, dass man sie bricht. Die drei wichtigsten Neuerungen des Abends: Es gab Comedy im Vorprogramm, statt Bertram Ernst moderierte Serkan Kaya sich spritzig, witzig und überaus unterhaltsam durchs Programm und „Gethsemane“ reißt das Publikum auch ohne Unwetter von den Sitzen.

Dabei sah zunächst alles aus wie gehabt. Sogar der am weitesten gereiste Fan der Sommernacht war wieder einmal da. Auch wenn Nateshi Takashima dieses Mal nicht direkt aus Tokio, sondern „nur“ aus London nach Dinslaken kam. „Ich bin halt scharf auf deutsche Musicals“, lacht der Japaner, „ich liebe sie, weil sie so anders sind als die englischsprachigen“. Besonders „Elisabeth“ habe es ihm angetan. Und „Mozart“. Er sollte im Laufe des Abends auf seine Kosten kommen.

Silberne Plateaustiefel und ein Schmatzer von Serkan

Doch zunächst einmal die obligatorische Absage. Dieses Mal habe es die Vorgruppe getroffen, erklärt Thomas Bauchrowitz und fragte ins Publikum: „Will jemand von Ihnen singen?“ Tatsächlich ruft erst eine, dann eine andere Dame „ja!“ Was für ein abgekartertes Spiel! Die kleine Schrille in Pink und die Lange in „sympathieabweisenden Textilien“ sind niemand anderes als Heike und Kerstin. „Thekentratsch-Songs“ als Eisbrecher in der Sommernacht. Das überregionale Publikum wundert sich, lacht dann und ist zunehmend begeistert.

Die Musicalstars des Abends: Uwe Kröger. Verführerischer „Tod“, sexy „Sweet Transvestite“ auf silbernen Plateaustiefeln, souverän beim ersten gemeinsamen Auftritt mit Ana Maria Gomes und hin und weg, als ihm Serkan Kaya in blonder Perücke und schwarzem Kleid als „Elisabeth“ einen Schmatzer auf den Mund gibt.

Ana Maria Gomes und Sabrina Weckerlin. Beide zurecht nicht das erste Mal bei der Sommernacht dabei, weil sie zu der Art von Sängerin gehören, die erst akustisch, optisch und mit ihrem Charisma eine Show mit buntem Liedermix zu einer glanzvollen Gala erheben.

Da ist Patrick Stanke, eher stimmlich als wirklich körperlich das musikalische Schwergewicht, als das er von Ernst und Kaya bespöttelt wird. Und wie der letztere, übrigens hinter den Kulissen ein guter Freund des Wuppertalers, einer, der vor Humor und Selbstironie strotzt. Seine „Lena“-Persiflage in krachledernder Hose wurde nur noch von Serkan Kayas Sprüchen übertroffen, mit denen der wandlungsfähige Sänger sich selbst durch den Kakao zog.

Und dann noch Lucy Scherer („Wicked“), zum ersten Mal in Dinslaken dabei. Nach „Sgt Pepper’s“ zu Beginn hätte man sie für den Typus „die kleine Komische“ halten können. Von wegen. Wie Uwe Kröger ausgebildet an der Hochschule der Künste in Berlin, überrascht sie mit einer ausgesprochen wandlungsfähigen Stimme, die das Chanson „Je suis malade“ ebenso wie „Phantom der Oper“ zu Highlights werden lässt.

Bleibt noch Dinslakens Liebling Ethan Freeman. Thomas Bauchrowitz und Serkan Kaya riefen ihn live zu Hause an. Die vom Publikum lautstark unterstützte Anfrage an ihn: „Bist du bei der 13. Sommernacht am 9. Juli 2011 dabei?“ Na klar! Der Vorverkauf hat schon begonnen, während die 12. Sommernacht noch von Highlight zu Highlight rauschte.

Bettina Schack



TMusicalnacht begeistert auf der ganzen Linie

16.08.2010 / RP / DINSLAKEN

Das Fantastival endete mit einem Paukenschlag. Die Sommernacht des Musicals im ausverkauften Burgtheater begeisterte auf der ganzen Linie. Uwe Kröger, Serkan Kaya, Ana Milva Gomes, Lucy Scherer, Sabrina Weckerlin und Patrick Stanke rissen das Publikum mit fetzigem Rock von den Bänken und sorgten mit gefühlvollen Balladen für Gänsehaut.

Bezaubernde Duette Mit dem Beatlesklassiker "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" rockten gleich zu Beginn des Abends alle Akteure gemeinsam die Freilichtbühne. Die Show möge gefallen, sangen sie. Der Wunsch ging Erfüllung. Bezaubernde Duette wie "Sind die Sterne gegen uns" aus "Aida", gesungen von Ana Milva Gomes und Patrick Stanke, oder großartige Soloauftritte, wie der von Sabrina Weckerlin, die barfuß und gefühlsecht "Blind vom Licht der vielen Kerzen" aus "Marie Antoinette" präsentierte, stimmten auf einen wunderbaren Abend ein. Musicalstar Serkan Kaya, bekannt aus "Elisabeth" und "Jesus Christ Superstar", sorgte dafür, dass der Humor nicht zu kurz kam. Mit lockeren Sprüchen gab er den Conférencier.

Ein Highlight des Abends war Publikumsliebling Uwe Kröger. Bewundernde Blicke und Jubelrufe bei bloßer Erwähnung seines Namens ließen erahnen, dass der Star aus "Elisabeth" auf dem "Applausometer" kräftig punkten würde. Serkan Kaya hatte dem Publikum zuvor erklärt, dass sich die Künstlergagen nach der Lautstärke des Beifalls richten würden. Zwei Stücke aus "Sissi" sang Kröger, einmal im Duett mit Sabrina Weckerlin, einmal mit Patrick Stanke, zudem ließ er sich auf ein kurzes Intermezzo von "Ich gehör nur mir" mit Serkan Kaya ein, der – verkleidet als Elisabeth – erst sang und Kröger dann beherzt einen Schmatzer aufdrückte. Für beste Live-Unterhaltung sorgten auch kleine Überraschungen. Hier ein spontanes Telefonat mit Sänger Ethan Freeman, den Kaya für die 13. Sommernacht des Musicals einlud. Dort eine Seifenblasenpumpe für Zuschauerin Julia, die damit zur Frau für die "Special Effects" wurde und sich später als Belohnung über Freikarten freute. Die Künstler sangen auch berühmte Coversongs. Serkan Kaya brachte "Right here waiting for you" mit bewegender Intensität und Leidenschaft; "Wicked"-Star Lucy Scherer glänzte mit dem Chanson "Je suis malade". Zum heimlichen Star des Abends avancierte Patrick Stanke mit seiner Interpretation von "Gethsemane" aus "Jesus Christ Superstar". Der Youngstar, aus "Aida" schien um sein Leben zu singen. Minutenlang hielt er die schwierigsten Töne und bewies zugleich schauspielerisches Talent. Für diese Glanzleistung gab es kräftigem Applaus. Nach dreieinhalb Stunden dann das Finale. Zur Queen-Hymne "We are the Champions" flogen begeistert die Hände hoch; zugleich mischte sich in das rhythmische Wogen auch ein wenig Wehmut. Es gab Trost: Die nächste Musicalnacht kommt bestimmt.

ROMINA KETTNER
Fantastival : Kai und Thorsten Wingenfelder beim Fantastival

12.08.2010 / NRZ / DINSLAKEN

Dinslaken. Kai und Thorsten Wingenfelder, die beiden Köpfe der 2008 aufgelösten Band „Fury in the Slaughterhouse" präsentierten beim Fantastival in Dinslaken Hits aus den 90ern in neuem Gewand. Das neue Motto: „Besser zu Zweit“.

Der vierte Auftritt mit dem vierten Keyboarder, ein Repertoire aus Hits der 90-er, weniger bekannten Solo-Nummern und sogar aus einem Grundschulkindermusical, ein Set mit teils drei E-Gitarren und einem Akustikblock, der eine zukünftige musikalische Phase andeutete: „Lass uns die Unperfekten sein in einer perfekten Welt“ singt Thorsten Wingenfelder.

Was also spricht dagegen, sein Publikum, das mit einem über die Jahre gewachsen ist, an Entwicklungen, Um- und Aufbruchssituationen teilhaben zu lassen? Im lauschigen Burginnenhof statt des ursprünglich vorgesehenen weiträumigen Burgtheaters gaben Kai und Thorsten Wingenfelder ihr zweites Konzert nach 2006 im Rahmen des Fantastivals.

Der Wechsel bescherte dem Duo den Erfolg eines proppenvollen Hauses. Und die Fans kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Denn Wingenfelder und Wingenfelder sind und bleiben die Köpfe der 2008 aufgelösten „Fury in the Slaughterhouse“. Egal, ob sie die alten Hits neu interpretierten oder neues Material sangen. Ihren Stil, diese atmosphärische Mischung aus erzählten Geschichten, melancholischem Flair, eingängigen Melodien und ausdrucksstarken Gesang, haben die beiden Brüder bewahrt, in Richtung Ballade intensiviert.

Das neue Motto: „Besser zu Zweit“. Wingenfelder und Wingenfelder im Burginnenhof bedeutete kein Konzert zum so genannten Abfeiern. Eher zum Zurücklehnen, zuhören, die Gedanken schweifen zu lassen, sich einzulassen auf die Entschleunigung der Musik. „Radio Orchid – listen and cry“: akustisch und in Zeitlupentempo. Das verleiht einer tausend Mal im Radio gehörten Ballade überraschende Momente voller Spannung und Raum. Raum für Sänger Kai Wingenfelder, sich in die Melodie, den Text hineinzusteigern.

Als Fury in the Slaughterhouse begannen, gehörten sie ja zur ersten Generation des deutschen Rock. Schade nur, das es am Mittwochabend im Burginnenhof keine Bestuhlung gab, es wäre dem überwiegend ruhigen Programm entgegengekommen. Trotz stilechter Rock'n'Roll-Einlage. Dampf machen überließen Wingenfelder und Wingenfelder den jungen, dynamischen, ungemein rockigen „Lauter Leben“ aus Köln, die ihrer Aufgabe als Einheizer im Vorprogramm mehr als gerecht wurden.

Zwei Jahre sind seit dem letzten Konzert von „Fury in the Slaughterhouse“ vergangen. Zeit für die außermusikalischen Aktivitäten der Brüder. Der eine fotografiert, der andere filmt. Beide reisen viel. Ob nach Dänemark, um neue Songs zu schreiben, ob zum Segeln aufs offene Meer. Und gerade dieser Blick für die Bilder, dieses Suchen nach Eindrücken ist es, was sich in den Liedern niederschlägt. Die Songs sind großformatige, teils weichgezeichnete Schwarzweißfotos in Musik. „360 ° Heimat“, „Place a candle into your window“. „Ghosttown“. Zum Mitsingen gibt’s „Time to wonder“ und zwischendrin Humor.

„Ich hab nichts gegen Mario Barth“, meint Thorsten Wingenfelder, „zumindest kein wirksames Mittel“. Stattdessen bieten beide an, beim anschließenden Feiern im Ratskeller des Rathauses Beschlussvorlagen für die nächste Ratssitzung in die Tische zu ritzen. Es folgt „Haunted head and heart“. Für Ende des Jahres planen Wingenfelder und Wingenfelder eine reine Akustik-Tour mit Chor und Orchester. Das Konzert im Burginnenhof bot einen kammermusikalischen Vorgeschmack, ohne den Fury-Fans die gewohnten E-Gitarren komplett vorzuenthalten.

Bettina Schack
Eine fantastische Jazz-Nacht

09.08.2010 / RP / DINSLAKEN

Jazz-Nächte sind lang. Wenn sich zwei Weltstars aus Paris mit einem jungen Trompetengenie aus Hückeswagen und einer spielfreudigen Nachwuchs-Truppe aus Dinslaken die Bühne teilen, dauern sie viereinhalb Stunden. Ein gelungener Fantastival-Auftakt im Burginnenhof.

Zunächst einmal locker werden, den Kopf frei blasen, relaxen. Die Waldorf Jazz Connection stimmte mit einer Mischung aus Jazz- und Soul-Standards auf einen Konzertabend ein, der so abwechslungsreich wie spannend war, voll großer Gefühle und melancholischer Momente, beschwingt, heiter und mitreißend. Während die Sonne die letzten wärmenden Strahlen in den Burginnenhof schickte, huldigten Ralf Bazzanellas Jazz-Youngster mit "Summertime" der Leichtigkeit des Seins, ließen gekonnt den "Pink Panther" schleichen und erzählten, was geschieht, wenn ein Mann eine Frau liebt. Mit Maika Küster verfügt die Jazz Connection seit geraumer Zeit über eine Sängerin. Das Mädchen hat Talent und ist dabei, einen eigenen Stil zu entwickeln. Der Percy-Sledge-Klassiker "When A Man loves A Woman" erwies sich für die Schülerin jedoch als deutlich zu groß. Krumm nahm ihr das niemand. Um so weniger, als Maika gleich darauf mit "Rehab" zeigte, dass Amy Whinehouse nicht die einzige ist, die diesen Song so kompromisslos rotzig singen kann, wie er gesungen werden muss. Kräftiger Applaus und Zugabe.

Plaudern und signieren

Julian und Roman Wasserfuhr signieren gern CDs, plaudern dabei mit dem Publikum und verraten artig ihr Alter. Das haben sie schon vor zwei Jahren nach ihrem Konzert in der Kathrin.-Türks-Halle getan, als ihr Debüt "Remember Chet" erschienen war. Diesmal ließen sie die Filzstifte über das Cover ihrer neusten Silberlings "Upgraded in Gothenburg" (ACT Music, München) flitzen. Viele, viele Male. Das Publikum kaufte reichlich.

So wie es mittlerweile Tradition ist, die Jazznacht mit lokalen Nachwuchsmusikern zu starten, so selbstverständlich ist es, dem Konzert im mittleren Teil eine etwas ruhigere, lyrische Komponente zu verleihen. Mit dem Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons und dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier erlebte das Publikum ein Duo, das offen und voller Experimentierfreude die abenteuerlichsten Klangräume zu erkunden pflegt. Dort ist der Flamenco gleich neben der Musette und dem Tango zu finden, Lateinamerikanisches behauptet sich neben Orientalischem. Mit traumwandlerischer Sicherheit übersprangen die Musiker die Brücke zwischen Jazz, Klassik und Worldmusik. Renaud Garcia-Fons zupfte und strich den Bass, er beklopfte ihn wie eine große Trommel, machte ihn zu einer in höchsten Tönen klagenden Viola oder schlug die dicken Saiten so impulsiv, als bearbeite er eine überdimensionale Flamencogitarre. Jean-Louis Matinier übernahm auf dem Knopfakkordeon abwechselnd Führung und Begleitung. Volltönend und kraftvoll bäumte er sich auf, rollte wuchtige Klangteppiche aus, um gleich darauf wieder ganz leise zu werden oder neben Fons singendem Bass in rhythmisches Stakkato zurückzufallen.

Es folgte ein 90-minütiges Finale mit zwei Brüdern aus Hückeswagen, die als Shooting-Stars der jungen deutschen Jazzszene gefeiert werden: Julian und Roman Wasserfuhr. 2007 gastierten sie als Duo in der Kathrin-Türks-Halle, jetzt kamen sie mit ihrem Quartett. Julian Wasserfuhr ist , obwohl gerade mal 22 Jahre alt, ein Ausnahmetrompeter. Mit seinem weichen, luftigen, manchmal fragilen Ton modelliert er Soli von größter Klarheit. Sein Spiel ist mal ausdrucksstark und druckvoll, mal unbeschwert swingend und federnd, immer präzise und ungekünstelt, in gefühlvollen Balladen ebenso wie in den temporeichen, ungestümen Jazzgeschichten, die das Quartett zu erzählen hat. Roman Wasserfuhr (25) gibt dem "kleinen Bruder" Halt. Er ist der energiereiche Gegenpol, der am Klavier für die Impulse sorgt, der begleitet und vorantreibt, ohne aufdringlich zu sein. Die Vertrautheit der Brüder, ihr intuitives Verstehen übertrug sich während des Konzerts auch auf das Spiel von Benjamin Garcia (30) am Kontrabass und Silvio Morger (25) am Schlagzeug. Beide wirkten äußerst entspannt, beide gossen einfallsreich das Fundament, auf dem Julians Trompete glänzen konnte. Das Spiel der Wasserfuhrs ist schwedischer geworden. Das liegt vor allem daran, dass Posaunist Nils Landgren ihre CD "Updatet in Gothenburg" produziert hat. Der Silberling ist schon jetzt ein Jazzmeilenstein. Das Fantastival-Publikum durfte ihn live genießen und machte dabei die verblüffende Erfahrung, dass junge Jazzmusiker keinerlei Scheu davor haben, auf der Basis von akustischen Instrumenten mit elektronischen Klangeffekten zu arbeiten. Der "Song for E.", eine Hommage von Lars Danielsson an den vor zwei Jahren tödlich verunglückten Pianisten Esbjörn Svensson, gehört zum Schönsten, Einfühlsamsten und zugleich Melancholischsten, das je für einen Jazz-Trompeter geschrieben wurde. Langer, kräftiger Applaus und nach zwei Zugaben ein Versprechen: In zwei Jahren kommen die Wasserfuhrs wieder – mit neuen Songs und neuer CD.

RALF SCHREINER
Kultur : Legendäre Hits von Pink Floyd

15.08.2010 / NRZ / DINSLAKEN

Dinslaken. Die Band „Us & Them“ begeisterte am Freitagabend das Publikum bei ihrem rund dreistündigen Auftritt im Burgtheater.

Unvergessen war der atmosphärische Auftritt von „Us & Them“ beim Fantastival 2007. Auch am Freitagabend füllte die Pink Floyd Tribute Band aus Düren und Umgebung das Burgtheater zu gut drei Viertel und begeisterte das Publikum mit einer rund dreistündigen Reise durch die Konzeptalben der 70er, „Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“, „The Wall“, aber auch mit rockigen Songs und Balladen aus den 80ern, den späten Alben sowie aus den Solokarrieren von Roger Waters und David Gilmour.

Und die acht Musiker um den technisch-künstlerischen Leiter und begnadeten Gitarristen Michael Kern (er gründete die Band 1997) bleiben nah an ihren großen Vorbildern, bieten die große Bandbreite der Musik von Pink Floyd fast originalgetreu dar. Schon die ersten legendären Syntheziser- und Gitarrenklänge von „Shine On You Crazy Diamond“ und die in ein surreales, farbiges Licht gehüllte Fantastival-Bühne sorgen für psychedelisch-melancholische Atmosphäre, optisch noch unterstützt durch die Feuer-Künstler der „Spiritual Flames“ – manchen bekannt von der „Extraschicht“ auf der Zeche Lohberg.

Frontsänger in Schulmeisteruniform

Hits wie „Breathe“, „Time“, „Money“, „Us & Them“ und „The Great Gig In The Sky“ schließen sich an, ehe sich die Band beim grandiosen „On The Turning Away“ (Kern spielt Gilmours Gitarren-Soli originalgetreu) erste „standing ovations“ holt. „Wir kommen gern nach Dinslaken zu diesem schönen, gut organisierten Festival, ihr seid ein sachkundiges, fantastisches Publikum“, loben Michael Kern und Frontsänger Thomas Holthausen, der sich kurz umzieht und in Schulmeisteruniform die Bühne betritt.

Was folgt? Natürlich das nächste Pink Floyd-Opus, „The Wall“. Zu „Another Brick In The Wall (part II)“ bewegt sich die große, drohende, aufblasbare Puppe neben der Bühne, die Besucher singen und klatschen mit. Diana Berten (auch Gitarre) und Andrea Steen unterstützen Kern, Holthausen und Co. immer souverän mit ihrem mehrstimmigen Gesang.

Feuer-Show zum Abschluss

„Hey You“ mündet in das kraftvolle „Comfortably Numb“ mit Michael Kern in Bestform: „Ihr hört euch an wie das Wembley-Stadion!“ Etwas langatmig gerät „Dogs“ aus dem „Animals“-Album und auch die beiden folgenden Roger Waters-Stücke sind für echte Floyd-Fans gewöhnungsbedürftiger. Dann folgt der Kracher „High Hopes“ und das Publikum erhebt sich erneut zum verdienten Applaus. „Wir kommen gern auch ein drittes Mal wieder“, danken „Us & Them“ artig und biegen mit einem Zugaben-Feuerwerk in die Zielkurve ihres Konzerts.

„Have A Cigar“ und die Hymne „Wish You Were Here“ sind aber nicht der Abschluss – zu „One Of These Days“ (das älteste Stück an diesem Abend) und „Run Like Hell“ begeistern noch einmal parallel die „Spiritual Flames“ mit ihrer Feuer-Show.

Ein fantastischer Fantastival-Abend mit „Us & Them“ im Burgtheater.

Peter Neier
Kabarett : Kai Magnus Sting und die Liebe zum Ruhrpottslang

08.08.2010 / NRZ / DINSLAKEN

„...Dat is Ruhrgebiet!“ Mehrmals erschallt der Satz beim Fantastival in Dinslaken durch den Burginnenhof. Der, der ihn ausspricht, ist ein echter Ruhgebietler: Kabarettist Kai Magnus Sting.

Kai Magnus Sting ist einer, der sich nicht schämt, ein echter Ruhgebietler zu sein. Er weiß die regionalen Schwächen aber mit der nötigen ironischen Distanz zu reflektieren: Beim Fantastival in Dinslaken präsentiert er sich in voller Sprach-Aktion, im rhetorischen wie im inhaltlichen Sinne des Wortes. In einem Schwall an Sprachfetzen bietet Sting einen Einblick in das Repertoire des Ruhrpottslangs, weist bitterböse auf grammatikalisch katastrophale Konstruktionen hin.

„Hö ma!“ - wer hat diesen Imperativ nicht schon gehört, vor allem im Zug in Richtung Essen-Steele. Doch harmlos ist dieser Satz im Vergleich zur Sprachkreativität zweier Streitender. Sting zitiert im O-Ton aus der S-Bahn: „Weißte wat de bist: Lügen tust du, dat bist de!“ Beißend ist die Ironie, die aus Stings Tonfall spricht. Doch Sting weiß zu relativieren, sich trotz seines Spottes die Sympathie des Publikums zu bewahren: „Wenn ich das hör, fühl ich mich zu Hause!“

Die Genitiv-Dativ-Akkusativ-Verschränkung
Um den Neu-Ruhrgebietlern unter den Zuschauern einen Eindruck dieses Empfindens zu verschaffen, fordert Sting zu einer Sprachübung auf: „Um Gespür dafür zu bekommen, sagen wir auf Drei jetzt alle zusammen einen Satz.“

Im Angebot hat er eine „Genitiv-Dativ-Akkusativ-Verschränkung innerhalb von zwei Wörtern“. Die Situation: Einkauf beim Metzger, ein Rentner bestellt: „Tun Se mich mal den Gehacktem!“ - mit Betonung auf dem Dativ-E von „Gehacktem“. Weiterer Kommentar ist nicht nötig.

Doch trotz skurriler Grammatikfantastereien steht Sting zu seiner Heimat: „Das ist für mich Musik.“ Dagegen hält er das, was die Deutschen als Musik ausgeben, für ein „Trauerspiel“: „Fiedel-Fritte“ André Rieu oder Superstarbewerber, die keinen halben Ton treffen. Sting kennt keine Gnade, Charakter und Charisma fehlten heute bei vielen Personen der Öffentlichkeit.

Studentenleben: heute ein Zustand zwischen „Abi und Hartz IV“

Früher war alles besser, einiges bleibt jedoch wie es ist. Zum Beispiel die Uni Bochum, Stings Studienort. „Schrecklich, oder?“, fragt er ins Publikum. Ein Grummeln, ein Zwischenruf. Nun zeigt sich das Können Stings, die hohe Kunst des Kabaretts, das Improvisationstalent. Mit dem Zwischenruf versuchte ein Bochumer Jurastudent, zweites Semester, seine Uni zu verteidigen. Sting nimmt den Ball auf, der Kabarettist hat ein Bauernopfer: „In acht Semestern fahren Sie Taxi“, prophezeit er, „Aber was wollen sie denn eigentlich werden?“ „Rechtsanwalt oder in die Politik“ - „Ahh, Not gegen Elend, na dann toi, toi, toi“, wünscht Sting hämisch. Elegant schlägt er den Bogen zurück zu seinem Programm.

Erzählt vom Studentenleben, heute als Zustand zwischen „Abi und Hartz IV“ charakterisierbar. Hier klatscht der Jurastudent ebenfalls zustimmend. Sting ist nah dran an der Befindlichkeit der Menschen. Inhaltlich und sprachlich, als er seinen nächsten Satz beginnt: „Hö ma...“

Hannahh Schepers

Fantastival 2010 : Ungleiches Paar im Burgtheater

13.08.2010 / NRZ / DINSLAKEN

Dass im Fantastvial einmal rund 1600 begeisterte Menschen das „Fiakerlied“ bejubeln würden, hat wohl niemand gedacht. Am wenigsten sicherlich der Sänger selbst. Denn eigentlich singt Hannes Wader das Stück Wiener Volksgut nur daheim in der Küche.

Und genau dort hörte es eines Morgens Konstantin Wecker. Flugs hatte er das Nordlicht, das doch eher mit der Renaissance plattdeutscher Volkslieder assoziiert wird, dazu überredet, auf der Bühne im breitesten österreichischem Dialekt zu singen.

Hannes Wader mit Wiener Schmäh, das war eigentlich nur eine Fußnote im dreisstündigen Konzert zweier der ganz Großen des deutschsprachigen Liedes. Und doch bezeichnend für diesen Donnerstagabend: die beiden gestandenen Männer auf der Bühne hatten Spaß. An den eigenen Liedern und denen des Anderen, am Zusammenspiel mit exzellenten Mitmusikern, die sich angesichts der Bühnenpräsens des ungleichen und doch ähnlichen Paares Wecker/Wader dezent im Hintergrund hielten.

Wecker und Wader, oder besser Wader und Wecker - ist der nun erstgenannte doch der um fünf Jahre Ältere der beiden, was in der Musik eine ganze Generation ausmachen kann - ein Paar, das sich erst in diesem Jahrtausend auf der Bühne fand, obwohl der Jüngere den Älteren, wie er sagt, immer Bewunderte. Hannes Wader, die Stimme der 68er, der rastlose Wanderer, der hochaufgeschossener, etwas spröde Norddeutscher mit bitterem Humor, der Ahner und Mahner. Ganze Generationen lauschten seinen Texten – und lernten die Gitarre zu zupfen wie er. Auf der anderen Seite Konstantin Wecker. Bayrisch, sinnlich, ein barocker Genussmensch am schwarzen Flügel.

80 Prozent meiner Stücke sind Liebeslieder – und das, wo ich ein politischer Sänger bin“, wundert er sich verschmitzt grinsend und bezieht den Spruch, den Gerhard Richter über seine Bilder sagt, auf seine Musik: „Meine Lieder sind klüger als ich“. Klug und - auch darin sind sich Wecker und Wader ebenbürtig - in der lyrischen Qualität zum Besten zählend, was im letzten Jahrhundert in Deutschland zu Musik gedichtet wurde.

Deutlich wird dies, wenn Wader ohne Bruch eine Matthias-Claudius-Zeile in eines seiner wenigen Liebeslieder einfließen lässt, wenn Weckers Klavierspiel romantische Strukturen verwendet. Beide sind zutiefst verhaftet in der Tradition des deutschsprachigen, volksliedhaften Kunstliedes, haben es mit ihren politischen Inhalten gefüllt.

Trotz alledem“. Wenn es in diesem – trotz kurzfristigen Regens zu Beginn und einer Panne bei doppelter Kontingentierung der Plätze in beiden Ticketsystemen im Vorverkauf – runden Abend einen Bruch gab, so den zwischen den engagierten, hellwachen und doch so utopieverhafteten Texten aus 40 Jahren und der Welt jenseits der schattigen Bäume des Burgtheaters. Was wurde aus den 68ern, wo sind die Demonstranten der 80er Jahre, was passiert in Afghanistan? Wecker und Wader singen die alten Lieder, „trotz alledem“.

Konstantin Wecker wird mit seiner bissigen Posse auf Freiherr von Gutenberg noch richtig aktuell, Wader greift auf Älteres zurück, eine Kassandra, die traurig ihre Rufe bestätigt sieht. Wo sie stehen wollten, wussten Wader und Wecker ohnehin immer: „Ich werde wohl wieder auf der Seite der Spinner und Traumtänzer stehen“. Na besser als der Soldat in Waders Lied, der den Fuß nicht von mehr von der Tretmine heben kann.

Revoluzzer-Songs. „Mamita mia“ aus dem spanischen Bürgerkrieg und zum Mitsingen „Bella ciao“. Dazwischen Konstantin Weckers sinnliche, bilderreiche, opulente Liebeslieder, überbordende Musikalität. Das Trommelsolo des afghanischen Perkussionisten Hakim Ludins, der wilde, verrückte Tanz auf den Tasten von Wecker und Nils Tuxen durch die Musikgeschichte. Um 22.45 Uhr zupft Wader „Heute hier, morgen dort“, gegen 23 Uhr verklingen die letzten, besinnlichen Worte des Duos.

Rock’n’Roll, ich gab dir die beste Zeit meines Lebens“ sang Wader und meinte die Lebenseinstellung, die Musikeridentität dieses ungleichen, seelenverwandten Paares, dem zu schweigen von allem am wenigsten liegt: „Wo alles dunkel ist, macht Licht“.

Bettina Schack
LOKALHELDEN IN FAHRT
Thekentratsch und Co. brachten "Kathrin-Türks-ihre-Halle" zum Lachen

15.01.2010 / NRZ / DINSLAKEN

Dinslaken - Ruhrpottcomedy in "Kathrin-Türks-ihre-Halle". Da bleibt bei der Premiere kein Platz frei, einen zweiten Termin hat die Freilicht AG als Veranstalter von Anfanf an eingeplant. Denn den Menschen hier werden nicht nur "Herz und Schnauze" nachgesagt, sie lieben es besonders, wenn diese auf der Bühne gezeigt werden. Wie es die Damen von Thekentrasch mit Lust und Laune und "liiiieebevoller" Gemeinheit tun. Lokalheldinnen schon bevor ihre Stadt als Local Hero No. 1 ausgerufen wurde. Vorgestern - und gestern - erhielten sie Unterstützung von Eva Kurowski, die nicht nur jazzig "singen tut", sondern dazu auch recht freche Texte dichtet, sowie fünf smarten jungen Herren in Anzügen.

Musikalische Geisterfahrer

Butterfahrt 5 verkaufen weder Wolldecken noch Heizkissen, sondern Hits der letzten Jahrzehnte, wie man sie garantiert noch nicht gehört hat. Philipp Stempel (Gesang), Volker Naves (Schlagzeug), Robert Mayer (Akkordeon), Marcus Rehwinkel (Gitarre) und Markus Heijenga (Bass) parodieren Gypsy Kings mit machomäßig offenen Hemden, die Peruaner in der Fußgängerzone, Gitarrenkurse an der VHS. So weit, so witzig. Die musikalische Raffinesse liegt in der Auswahl und Verfremdung der Musik. Denn die "stolzen Spanier" jammern "Wind of change", die Männer mit den Wollmützen blasen "I was made for loving you" auf der Panflöte. Butterfahrt 5 sind musikalische Geisterfahrer. Schräg, wenn sie sich im Rhythmus zu "Beat it" mit knallbunten Plastikrohren schlagen, verrückt, wenn sie "The winner takes it all" für Glockenspiele und "Durch den Monsun" für drei Ukulelen und Kinderschlagzeug arrangieren. Butterfahrt 5 sind Musikclowns mit der Optik einer gerade erwachsen gewordenen Boyband, pfiffige Musiker, die Charts und Stile durcheinanderwirbeln. Lokale Helden aus Dinslaken und dem Ruhrgebiet. Die hochgewachsene Chanteuse mit den langen Haaren im roten Kleid singt Jazz. Eva Kurowski schreibt Texte für Tim Istfort und Götz Alsmann, gibt in Mülheim Gesangsunterricht, komponiert ihre Lieder selbst. Sie ist die "Supermutter", "reich ohne Geld", wünscht sich einen Mann wie "Amalgam im Zahn" und einen "Caravan", um einfach davonzufahren. Dabei ist sie tief in der Region verwurzelt,. Besingt statt des "Girl from Ipanema" die "Frau aus Castrop-Rauxel" und stellt im afrikanischen Gewand modernen Schönheitswahn bloß, indem sie auf die "Mutter Natur mit den unrasierten Beinen" mit den Fingern zeigt. Das kann ja der "Bärbel" nicht mehr passieren. Die Blondine hat sich general überholen lassen. Jetzt will sie den feschen "Luigi" becircen. Wenn da nur nicht "Wilma", die doofe Kuh vom Bauernhof, wäre. Heike Becker und Kerstin Saddeler-Sierp machen die Sauna zum Kampfschauplatz für den Zickenkrieg. Vollgestopft mit Silikonprothesen und voller Doppelzüngigkeit vom Band.

"Da sind wir stolz dafür"

Der drastischste Thekentratsch, den es je gab: Bärbel/Heike trägt den Hintern vorn und Ecki hat seine erste Sprechrolle. Was ihr euch aber auch alle immer so denkt. "Bärbel" und "Wilma" raspeln Süßholz und denken nur das Schlechteste von ihrer ach so allerbesten Freundin und Kersin denkt völlig falsch, wenn ihre Mutter am Telefon ihr Herz über "Hermann" ausschüttet. Bei dem sei nämlich nach vierzig Jahren die Luft raus. Eindeutig zweideutig ist Mutterns Umgang mit dem Hefeteig und gerade die Frauen hört man im Publikum am lautesten lachen. Thekentratsch auf den Spuren der "Missfits". Zum Finale machen Heike Becker und Kerstin Saddeler-.Sierp "Oberhausen" Konkurrenz. Mit Butterfahrt 5 und dem Eva Kurowski Quartett singen sie ihre neue Ruhrgebietshymne. Und das Publikum stimmt ein in "Kathrin-Türks-ihre-Halle": "Dat sind wir und da sind wir stolz dafür."

Bettina Schack



THEKENTRATSCH - HELDEN IN DER GEMISCHTEN SAUNA
Die "Fleisch gewordene Biotonne" und das "Blödchen aus Bocholt" waren zwei Gags eines Kabarett-Abenfs zur Ruhr.2010 in der Dinslakener Kathrin-Türks-Halle
Helden in der gemischten Sauna

15.01.2010 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken - Thekentratsch, Butterfahrt 5 und Eva Kurowski schickten sich am Mittwochabend in der Kathrin-Türks-Halle an, dem bunt gemischten Publikum möglichst viele Lachsalven zu entlocken. Den einen gelang es besser, den anderen schlechter. Wenn es einen Ort gibt, an dem man einer lästigen Bekanntschaft aus der Vergangenheit unter keinen Umständen begegnen will, dann ja wohl die gemischte Sauna. Auch Wilma und Bärbel bilden da keine Ausnahme, Pech nur, dass es ihnen trotzdem passiert. Aber Wilma und Bärbel wären keine echten Frauen, wenn sie mit dieser Situation nicht so souverän umgehen würden, wie sie es tun: Sich zunächst freudekreischend in die Arme fallen, insgeheim aber von der jeweils anderen als "Fleisch gewordene Biotonne" und "Blödchen aus Bocholt" reden. Tja, so sind sie nun einmal, die Frauen. Und während sich Kerstin Saddler-Sierp und Heike Becker in ihren Rollen noch bitter-böse um den Ausguss-Profi Luigi streiten und sich dabei gegenseitig an die Kehle springen, hat das Publikum viel zu lachen. Ist schließlich alles nur Spaß.

Wann wird's witzig?

Um den zu erleben, hatten sich viele Dinslakener am Mittwochabend in die Kathrin-Türks-Halle aufgemacht. Denn neben den lokalen Helden Thekentratsch hatten sich auch die Jungs von Butterfahrt 5 und Eva Kurowski auf die Fahne geschrieben, die Besucher der ersten Local Hero-Woche von einem Lachkrampf in den nächsten zu werfen. Doch bis auf das gemeinsame Vorhaben, unterschieden sich die drei Akteute vielleicht in mancher Hinsicht zu sehr voneinander. Denn wer bei Thekentratsch noch herzlich lachen konnte, fragte sich und seinen Sitznachbarn bei Eva Kurowski leise, wann's denn endlich witzig werden würde. Und umgekehrt. Denn die 1965 geborene Jazzmusikerin aus der Nachbarschaft ("Oberhausen ist Dinslaken ja recht ähnlich. Obwohl, Oberhausen ist eigentlich so richtig scheiße!"), hat in ihrem Humorverständnis kaum etwas mit den Ruhrpott-Ladies von Thekentratsch und nur wenig mit den singenen Comedians von Butterfahrt 5 gemein. Während Kurowski in der Vergangenheit mit Helge Schneider und Christoph Schlingensief zusammen arbeitete, bedienten die anderen beiden Combos einen verspielteren, leichter zugänglicheren Humor, eine Tatsache, die die Stimmung der Veranstlatung besonders im hinteren Teil der ausverkauften Halle stellenweise in ein spürbares Ungleichgewicht versetzte. Jeder für sich jedoch glänzte an diesem Abend mir seinen Auftritten. Bei Butterfahrt 5 platzen Oberhemdknöpfe, rotierten Pudelmützen und groovten die Ukulelen zu aufgerüschten Klassikern wir "Video killed the Radio Star", "Wind of change" oder Tokio Hotels "Durch den Monsun". Die Thekentratsch-Damen führten herrliche Aneinander-Vorbei-Reden-Gespräche als Mutter und Tochter, fanden bei ihrer etwas anderen Liebeserklärung an die Männerwelt breite Mitmach-Unterstützung im Publikum und sangen am Ende gemeinsam mit ihren Butterfahrt 5-Kollegen und Eva Kurowski ihren Ruhrgebietssong für das aktuelle Kulturhauptstadtjahr. Und an dieser Stelle flammte er dann doch auf, der Moment, in dem alle Künstler gemeinsam und gleichermaßen das Publikum zu begeistern wussten. Denn, darauf konnten sich alle einigen: "So ist datt im Pott / datt gibbet nur hier, datt sind wir / und da sing wa wa stolz dafür." Applaus!

Lena Steeg
Alle Erwartungen übertroffen

20.08.2010 / RP / DINSLAKEN

Etwas kleiner, etwas bescheidener und dennoch erfolgreich: 5800 Besucher kamen zum Fantastival im Burgtheater und im Burginnenhof. Die Freilicht AG ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

"Das Ergebnis hat alle unsere Erwartungen übertroffen", sagt Anne Stieve, Geschäftsführerin der Freilicht AG. Aufgrund des guten Wetters sei diesmal das Geschäft an der Abendkasse hervorragend gelaufen. Die Musical-Nacht im Burgtheater war ausverkauft (1800 Besucher). An der Reise in psychedelische Klangwelten mit der Pink-Floyd-Cover-Band "Us & Them" nahmen 1250 Besucher teil. Der Auftritt der beiden Liederpoeten Hannes Wader und Konstantin Wecker – für Anne Stieve ein Glanzlicht des Fantastivals – erlebten 1600 Zuschauer mit.


Die Jazznacht im Burginnenhof zog 300 Besucher an, der Auftritt von Wingenfelder & Wingenfelder 400; der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting trat vor 200 Besuchern auf. Als geglücktes Experiment bezeichnet die Freilicht AG das literarische Tafeln mit den Buddenbrooks. Serviert wurde Erlesenes von Thomas Mann. Dass die Matinee-Gäste wetterbedingt im Ratssaal tafeln mussten, erwies sich am Nachhinein als der Sache dienlich. Rezitator Henning Westphal freute sich, die Mannsche Prosa ohne Vogelgezwitscher und Glockengeläut vortragen zu dürfen.
Info

Kleine Reihe

Im Ledigenheim Lohberg wird die Freilicht AG in den kommenden Monaten drei weitere Veranstaltungen präsentieren: Narine Khajakian kommt mit "Amor del Mundo – Latin Pop" am 17. September nach Lohberg. Am 8. Oktober tritt die Music-Comedy-Gruppe "Butterfahrt 5" mit neuem Programm auf. Die A-cappella-Band "Waschkraft" gastiert am 26. November.

Ausverkauft

Kein Fantastival ohne Pleiten, Pech und Pannen. Für Irritationen sorgte eine teilweise doppelte Kontingentierung der Plätze für das Wader-Wecker-Konzert. Grund war der Kartenvorverkauf über zwei nicht miteinander kombinierbare Ticketsysteme. Technische Probleme gab es vor dem Konzert von Us & Them. Das hatte zur Folge, dass der Einlass um etwa 40 Minuten verschoben werden musste. "Die Leute, die sich zeitig angestellt hatten, waren entsprechend sauer", erklärt Anne Stieve. Das Konzert selbst begann mit 15-minütiger Verspätung und verlief pannenfrei.

Überarbeiten will die Freilicht AG das Konzept für den Burginnenhof. Wegen der Katastrophe bei der Loveparade waren die Auflagen für die Spielstätte diesmal besonders streng. 300 bestuhlte Plätze standen zur Verfügung. Danach musste die Jazz Initiative das "Ausverkauft"-Schild an den Eingang hängen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kamen 370 Besucher zur Jazznacht, viele erlebten das Konzert stehend.

Dennoch war es kein bisschen eng auf dem Platz, es herrschte eine sehr entspannte Atmosphäre. Der Termin für das Fantastival 2011 steht: 3. bis 10. Juli. Fest gebucht sind ein weiterer Auftritt mit "Der Familie Popolski" und die 13. Musical-Sommernacht. Ganz oben auf der Wunschliste steht ein Konzert mit Herman van Veen. Gespräche mit dem niederländischen Sänger, Violinisten, Schriftsteller, Liedertexter und Komponisten hat die Freilicht AG bereits geführt. "Im nächsten Jahr könnte es klappen", sagt Anne Stieve.

Wolfgang Niedecken solo

Als zweiten Wunschkandidaten nennt die Freilicht-Geschäftsführerin Wolfgang Niedecken. Der BAP-Sänger hatte im vergangenen Jahr mit seiner Band einen großartigen Auftritt im Burgtheater hingelegt und versprochen, wiederzukommen. "Vielleicht tut er's", hofft Anne Stieve, "möglicherweise in kleiner Besetzung oder Solo. Ein Unplugged-Konzert wäre vielleicht ganz schön."

RALF SCHREINER



Fantastival 2010 : "Überraschungen mit Gänsehautgefühl"

21.08.2010 / NRZ / DINSLAKEN

Dinslaken. „Anstrengend war’s, aber schön!“ Eine Woche nach Ende des Fantastivals zieht Geschäftsführerin Anne Stieve eine positive Bilanz. Mit 5600 Zuschauern - die Besucher des auf den Juli vorgezogenen Kindertheaters nicht eingerechnet – seien die Erwartungen der Freilicht AG übertroffen worden.

„Wir haben in diesem Jahr wegen des Termins in den Ferien besonders vorsichtig kalkuliert“. Seinen Betrag zum erfreulichen Ergebnis steuerte auch das schöne Wetter bei: „Bei Us & Them haben wir 150 Karten an der Abendkasse verkauft. Das habe ich bislang noch nicht erlebt“, so Anne Stieve. Und auch Hannes Wader und Konstantin Wecker zogen am Abend noch über 100 Kurzentschlossene an.

Das Konzert der beiden Liedermacher sei auch zweifelsohne das Highlight der Woche gewesen, meint die Fantastivalmacherin: „Das war musikalisch brillant. Da hat man gemerkt, dass das Vollprofis waren mit einer ganz eingespielten Tourneegruppe“.

Das Fantastival, auch eine Festivalwoche mit persönlichen Überraschungen: „Alles hat sich im Vorfeld um Uwe Kröger gedreht und dann hat Patrick Stahnke ihn glatt an die Wand gesungen,“ schwärmt Anne Stieve von der Sommernacht des Musicals. „Das war für mich die Überraschung des Abends: Ich hatte ein richtiges Gänsehautgefühl".

Dazu verrät die Fantastival-Planerin noch ihre persönlichen Favoriten: Us & Them. „Mit Pink Floyd bin ich aufgewachsen, das ist meine persönliche musikalische Sozialisation. Ich habe mich sehr darauf gefreut und es wurde ein tolles Konzert. Und was man nicht vergessen darf: Us & Them sind Amateure!“

Kein Amateur ist Henning Westphal. Er las bei der ersten kulinarischen Literaturveranstaltung in der Geschichte des Fantastivals aus den Buddenbrooks. „Man merkt den Unterschied, ob jemand nur etwas vorliest oder wirklich gelernter Sprecher ist“, so Anne Stieve. 65 Gäste hatte die literarische Tafel im Rathaussaal, der einzige wetterbedingte Ausweichtermin.

Und wie geht’s weiter? Die Pläne fürs Fantastival vom 3. bis 10. Juli 2011 nehmen schon Gestalt an. Die Freilicht AG plant ihre Veranstaltungen in Burgtheater und Burginnenhof um die Show der Familie Popolski und der Sommernacht des Musicals 13 herum. Eine erneute Kooperation mit der Jazz Initiative ist angestrebt, und auch einen Wunschkandidaten gibt es schon: Herman van Veen.

Zunächst jedoch stehen mit Narine Khajakian & Band, Butterfahrt 5 und Waschkraft für die Freilicht AG drei Herbstveranstaltungen im Ledigenheim Lohberg an.

Bettina Schack



Regiestuhl steht im Bauwagen

26.07.2010 / RP / DINSLAKEN

Zelte schleppen, Plakate kleben, Banner spannen, schrauben, bohren, Kabel verlegen, Straßen sperren, Wache schieben – ein Kulturspektakel wie das Fantastival will gut vorbereitet sein. Die Freilicht AG hat alles im Griff.

Info Programmheft

Alle Veranstaltungen auf einen Blick bietet das Fantastival-Programmheft, das die Freilicht AG jetzt in einer Auflage von 5000 auf den Markt gebracht hat. Neben zahlreichen Informationen über die auftretenden Künstler enthält das Heft auch Geschichtliches.

Stadtarchivarin Gisela Marzin schlägt eine Brücke von der Vergangenheit des Burgtheaters in die Gegenwart: "Vom Gefängnisturm zum Fantastival."

Das Fantastival-Programm liegt kostenfrei aus – unter anderem im Bürgerbüro.

Die Außenwerbung steht, der Kartenverkauf läuft recht gut, und alle Einsatzkräfte sind auf dem Posten. Das Fantastival kann kommen. Anne Stieve wirkt entspannt. Die Geschäftsführerin der Freilicht AG ist zuversichtlich, dass das Kulturspektakel im Burgtheater der Höhepunkt der Dinslakener Freilichtsaison wird. Ihr Optimismus ist begründet. Anders als im Vorjahr präsentiert die Freilicht AG diesmal zwar nicht die ganz großen Kracher wie etwa BAP, Volker Pispers oder das Ahn-Trio. Auch wird mit nur vier Veranstaltungen im Burgtheater und dreien im Burginnenhof ein deutlich kleineres Programm geboten. Aber das, so Stieve, hat es in sich.

"Es wird voll"

Die beiden Liederpoeten Hannes Wader und Konstantin Wecker gemeinsam auf einer Bühne erleben zu können, sei schon etwas Besonderes. Das sieht das Publikum offensichtlich ganz ähnlich. "Es wird voll", sagt Anne Stieve. Ebenso wie die Nacht des Musicals, seit vielen ein Selbstläufer, der Besucher aus ganz Deutschland nach Dinslaken lockt. Die Pink Floyd Tribute Band "Us & Them" verspricht musikalischen Hochgenuss. Hart am Original zelebriert die Formation das Beste aus den Konzeptalben der legendären britischen Band. Dazu gibt es eine multimediale Bühnenpräsentation mit besonderen Lichteffekten. Das berühmte "Plastikschwein" der "Animals"-Tour wird zwar nicht übers Burgtheater fliegen. "Aber auf ein paar Überraschungen können sich die Besucher freuen", verrät Stieve. Dafür wollen unter anderem die Pyroartisten "Spiritual Flames" sorgen. Ein wenig schleppend läuft derzeit noch der Vorverkauf für das Konzert von Wingenfelder & Wingenfelder, Stimme und Sound von "Fury in the Slaughterhouse" sowie der Kabarettabend mit Kai Magnus Sting im Burgtheater. Auf gutem Wege sind die kulinarische Lesung "Tafeln mit den Buddenbrooks" und die Jazznacht.

Ohne Freiwillige geht nichts bei der Freilicht AG und beim Fantastival schon gar nichts. Erich W. Heinser, zuständig für die Werbung, nent Zahlen: Die ehrenamtlichen Helfer müssen in insgesamt 60 Dreiecksständer aufbauen, 200 Laternenplakate laminieren, lochen und verteilen, acht Werbebanner über Brücken und Straßen spannen; außerdem Stände aufbauen, Kabel und Steckdosen verlegen, dekorieren, Künstler und Gäste betreuen und Plätze anweisen.

Ganz ohne Profis läuft die Chose nicht: Um die Bühnen- und Tontechnik kümmert sich Showtime Schäfer aus Homberg. Auch den nächtlichen Wachdienst übernehmen Experten, Gleiches gilt für den Toiletten-Service. Die Sperrung der Straßen ist Sache des DIN-Service. Bei Anne Stieve laufen alle Fäden zusammen. Die Geschäftsführerin der Freilicht AG bezieht während des Fantastivals sogar erstmals ein eigenes Produktionsbüro. "Es ist ein Bauwagen, frisch gestrichen", sagt sie. Er wird im Bereich des hinteren Bühneneingangs stehen. Ganz nah bei den Künstlern. "Das ist wichtig", erklärt Stieve. Die Künstler sollen das Gefühl haben, dass man sich um sie kümmert, dass sie einen direkten Ansprechpartner haben, wenn es mal irgendwo hakt, einen der immer in ihrer Nähe ist und – ganz wichtig – ihnen auch möglichst jeden Wunsch von den Lippen abliest.

Manchmal ist das einfach. Konrad Beikircher, bekannt dafür, dass er einen guten Wein zu schätzen weiß, organisierte Anne Stieve vor seinem Auftritt kurz entschlossen ein Fläschchen deutschen Riesling aus der Adler-Apotheke. Das hob die Stimmung. "Beikircher war bester Laune." Schwieriger war es da schon, die Wünsche von "Fury in The Slaughterhouse" zu erfüllen. Die Musiker bestanden darauf, sich während des Konzerts mit einem Mineralwasser zu erfrischen, das schon längst nicht mehr auf dem Markt war.

"Es gibt Catering-Wünsche, die können dann manchmal auch nerven", gibt Anne Stieve zu. Und wie sieht es mit den Ess- und Trinkgewohnheiten der Künstler aus, die 6. bis 14. August nach Dinslaken kommen? Die Freilicht-Geschäftsführerin lächelt: "Hannes Wader mag deftige Wurst und keinen Käse, Konstantin Wecker isst Gemüse. Das dürfte keine Probleme geben."

RALF SCHREINER
Kommentare   
Alles lief fantastisch
28.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) Gute Künstler, beste Stimmung, super Wetter: Das Fantastival war ein voller Erfolg. 11 900 Besucher haben die neun Kulturhighlights im Burgtheater und im Burginnenhof genossen. Die Freilicht AG ist glücklich.

Anne Stieve wirkt entspannt. So gern wie in diesem Jahr hat die Geschäftsführerin der Freilicht AG noch nie die Besucherzahlen des Fantastivals in den Taschenrechner getippt. Am Ende erscheint eine "11 900" auf dem Display. Das bedeutet. Die AG schließt auch dieses Jahr im Plus. "Es lief einfach alles sehr gut", sagt Stieve. Sogar das Wetter spielte mit. Dadurch brummte auch das Geschäft an der Abendkasse. An zwei Abenden klebte sogar das Ausverkauft-Schild am Kassenhäuschen: Bei der Jazz-Nacht im Burginnenhof und dem Kabarettabend mit Volker Pispers guckten Spätentschlossene in die Röhre.

Highlight des Fantastivals? Anne Stieve muss nicht lange überlegen: BAP. "Die Gruppe gibt es solange, wie es mich gibt", sagt die gebürtige Kölnerin. "Das war schon etwas ganz Besonderes. Bis man solch ein Konzert nach Dinslaken holt, muss man lange baggern. Das ist so, als würde eine Mannschaft aus der Champions League auf einer Bezirkssportanlage spielen." Dass die "Anlage" Burgtheater eine ganz besondere ist, hat Wolfgang Niedecken schnell erkannt. "Habt ihr schön gebaut hier", sagte der Frontmann der Kölsch-Rocker. Das meinte er ernst. Drei Stunden lang ließ er's krachen. Nach dem Konzert versprach er wiederzukommen. "BAP fanden es toll hier. Und alle anderen Künstler auch", sagt Stieve. "Das ist für uns das schönste Kompliment."
Info

Im nächsten Jahr will die Freilicht AG ihre Kulturhighlights vom 6. bis 15. August präsentieren. Das ist mitten in den Sommerferien, aber nach der Fußballweltmeisterschaft, die vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika ausgetragen wird. Gibt es schon ein Konzept oder Ideen für 2010? Es wird am 14. August eine weitere Sommernacht des Musicals geben. 300 Tickets sind bereits verkauft. Ob die Stadtwerke eine weitere Klassik-Nacht oder mal etwas ganz anderes präsentieren, ist nach Angaben der Geschäftsführerin der Freilicht AG offen. Die Sparten Rock, Comedy, Kabarett, Jazz, und Theater sollen möglichst wieder bedient werden. Wer auf der Bühne stehen wird, hänge allerdings von zu vielen Faktoren – vor allem Terminen ab –, als dass Anne Stieve dazu schon jetzt etwas sagen könnte. Gibt es Wunschkandidaten? Stieve nennt Hagen Rether, den Kabarettisten am Flügel, die Sängerin Ina Müller, Reinhard Mey, Klaus Hoffmann. Möglicherweise bekommt die Pink-Floyd-Tribute-Band "Us And Them" einen zweiten Auftritt. Vielleicht ist auch das Dinslakener Altstadt-Duo "Thekentratsch" in einem Jahr reif für die große Bühne. Zurzeit ist alles offen und vieles möglich.

Dazu zählt sogar, dass die Toiletten im Burgtheater bis zum nächsten Jahr erneuert werden. Das Fantastival sollte es der Stadt Dinslaken wert sein, sagt Anne Stieve. Rund 12 000 Besuchern seien schon ein Pfund, mit dem man wuchern könnte. Viele Gäste kämen von außerhalb, kauften hier ein, würden hier essen und übernachten. Darauf sollte auch das Stadtmarketing ein Auge haben.

Ralf Schreiner



Drei Glockenschläge
25.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

Es hat sich zum Running Gag im Fantastival entwickelt, das sich die Turmuhr von St. Vincentius ins Konzert einmischt. Diesmal wartete sie bis zum letzten Abend, der „Sommernacht der Klassik". Kurz bevor das Ahn Trio in die Pause ging, tupfte sie drei behutsame Glockenschläge im Einklang mit der Cellostimme in einen Walzer von Kenji Bunch.

Jazz-Nacht voller magischer Momente
17.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) Ein klarer Himmel, ein ausverkaufter Burginnenhof, hochkarätige Künstler und magische Momente. Bei der Jazz-Nacht stimmte diesmal alles: ein gelungener Fantastival-Auftakt.

Zum Warm-up bei untergehende Sonne gab es luftig-leichten A-cappella-Jazz mit dem Trio ROJal aus Dinslaken. Beatles und Supertramp im Swing-Mantel, eine Runde mit dem "Chattanooga Choo Choo" und Jazzstandards. Freundlicher Applaus.

Mitten ins Herz

Der mit Spannung erwartete Auftritt von Manfred Leuchter und Ian Melrose war die Überraschung und zugleich der Höhepunkt des Abends. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Akkordeonvirtuose mit arabischem Herzschlag und ein herausragender Folkgitarrist mit keltischen Wurzeln eine derart aufregende musikalische Verbindung eingehen, dass das Publikum regelrecht abhebt.

Die beiden spielen grundverschiedene Instrumente, sprechen aber die gleiche Sprache. Der eine beginnt eine Melodie, der andere nimmt sie auf, entführt sie für einen Moment in die freie Improvisation und lässt sie dann wie selbstverständlich von seinem Gegenüber wieder einfangen. Leuchter und Melrose verstehen einander blind. Sie brechen Formen auf und fügen sie neu zusammen. Ihre überschäumende Musikalität und Spielfreude ist ansteckend. Hier treiben sie schottische Hochlandhühner übers Grün, dort ein Kamel durch die marokkanische Wüste. Voller Melancholie huldigen sie einem alten Baum in Anatolien und lassen das Publikum die bittere Süße eines ungarischen Tanzes im Schnee kosten. Leuchter verbeugt sich mit den Goldbergvariationen vor Bach. Melrose lässt mit der Whistle einen keltischen Reel nach Afrika entschwinden. Das Publikum spürt die expressive Leidenschaft, die in diesen Kompositionen steckt, das Anrührende und Sehnsuchtsvolle, den orientalischen Schmelz und die keltische Kühle. So klingt Musik mit seelischem Tiefgang. Und die trifft mitten ins Herz.

Daniel Messina hatte es nach diesem fulminanten Auftritt anfangs nicht ganz leicht, mit seiner hitzigen Musik zu landen. Wie gut, dass der argentinische Schlagzeuger, seit einer Woche Vater von Zwillingen, Publikumsliebling der hiesigen Jazzfreunde ist. Mittlerweile zum dritten Mal Gast der Jazz Initiative, schaltete er lächelnd auf sein temporeiches Kontrastprogramm aus Buenos Aires um und trommelte anderthalb Stunden lang die südamerikanische Sonne in die zunehmend kühler werdende Dinslakener Sommernacht.

Begleitet wurde er dabei von Ull Möck am Piano und Thomas Rother am Bass. Messina ist ein Romantiker. Und er liebt ineinander verschachtelte Polyrhythmen, die er mit spielerischer Leichtigkeit, ungeheurem Tempo und unglaublicher Präzision unter allerlei wohl temperierte Harmonien schlägt. Kräftiger Applaus. Für Funkenflug reichte es diesmal dennoch nur ansatzweise. Vielleicht war es gegen Mitternacht einfach zu kühl für sonnengereiften LatinoJazz. Möglicherweise war auch die Bühne für den quirligen Schlagwerker nicht groß genug, um sich hemmungslos darauf auszutoben. Daniel Messina weiß, wie man das Problem löst. "Beim nächsten Mal geht's ins Burgtheater."

[BU: Der argentinische Schlagzeuger Daniel Messina verwöhnte das Publikum mit sonnengereiftem Latino-Jazz aus Argentinien. RP-Foto: Martin Büttner]

Ralf Schreiner



Kleiner Rahmen, volles Haus
17.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

Dinslaken. Mit dem „Chattanooga-Choo-Choo" startete am Freitagabend das Fantastival in zwei bunte Wochen Musik und Kabarett. Zunächst im Burginnenhof, im kleineren Rahmen, aber dort vor vollem Haus. „Ausverkauft" freute sich die Jazz Initiative. Aber wen wundert's? Mit Daniel Messina am Schlagzeug und dem Akkordeonisten Manfred Leuchter hatte Thomas Termath gleich zwei Publikumslieblinge eingeladen. Da lacht das Dinslakener Jazzerherz und die Sonne mit dazu. Musikalische Reisen in Messinas alte Heimat Argentinien, in Leuchters „zweiter Heimat" Orient an einem lauen Sommerabend. So schön kann Open Air sein.

Es war eine Jazz Night in drei Akten. Der erste: „Zu dritt beim Tea for two". Das Trio RoJAL mit der in Dinslaken lebenden Sängerin Rena Janßen interpretiert Jazzstandards und mehr acappella. Ganz „klassisch" mit weichen, fließenden Harmonien und mit feinen Dynamikabstufungen. Man fühlt sich an die Andrew Sisters, an Max Raabe erinnert, und tatsächlich wird letzterer auch zitiert. Dabei setzt das Trio Rojal alles aufs Programm, was ihm gefällt. Und schon findet sich zwischen „Fly me to the moon" und dem „Boy from New York City" ein Stück von Supertramp wieder.

Im zweiten Akt entführten Manfred Leuchter, Grenzgänger zwischen Jazz und arabischer Musik und Ian Melrose, der im keltischen Folk verwurzelte Meister auf der Akustischen Gitarre, das Publikum in die Ferne. Der gemeinsame Auftritt dieser beiden Ausnahmemusiker mit untrüglichem Gespür für Ausdruck, Empfindung und Atmosphäre ist ein Gipfeltreffen zwischen Ost und West, geprägt von Freundschaft, gegenseitiger Wertschätzung und humorvoller Leichtigkeit. Melrose bittet Leuchter um ein irisches Reel, der komponiert in allem, was nicht originaler Viervierteltakt ist und widmet das ganze seinem Kamel „Alfonse" bei Marakesh. Der Folker schmunzelt und hält den „Marsch der Hühner über den Misthaufen" dagegen. Musikalische Anekdoten. Über weite Strecken des Konzertes tragen Leuchter und Melrose, beide mit ihren Instrumenten auf den Knien sitzend, sich und das Publikum in weite Fernen „keltientalischer" Musik. Wie viel von dem besonderen Reiz in Leuchters individuellen Ausdruck auf dem Akkordeon begründet ist, wird mit seiner Interpretation des Bach-Choralvorspiels „Jesu meine Freude" deutlich. Empfindsam, verinnerlicht macht er das geistliche Stück zum emotionalen Highlight des Jazzabends. Eine Stecknadel hätte man im Burginnenhof fallen hören können.

Ganz anders, mit einem Feuerwerk lateinamerikanischer Rhythmen und aufgebrochener Jazzharmonien durchglühte das Daniel Messina Trio den dritten und letzten Akt des Abends. Der Argentinier strahlte. Nicht nur, weil er bei wachsender Publikumszahl die Spielstätte Dinslaken mehr und mehr als zweite Heimat empfände.

Das macht

Appetit
Es war auch privates Glück im Doppelpack dabei. Erst vor einer Woche ist der sympathische Schlagzeuger Vater von Zwillingsmädchen geworden. Mit ihrer bis in die kleinsten verschachtelten Motivfolgen virtuosen Mixtur aus Jazz und Latin spielten Daniel Messina, Ull Möck am Flügel und Thomas Rotter am Bass bis in die Nacht hinein. Ein rundum gelungener Fantastivalauftakt, der zugleich Appetit auf die neue Jazzreihe machte. Manfred Leuchters „Jesu meine Freude" war das Highlight des Abends

Bettina Schack

Polska-Pop und Wodka für alle
17.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) Die Popolskis sind von sich sehr überzeugt – schließlich sind sie die Erfinder der Popmusik. Im Burgtheater überzeugten sie auch das Publikum. 2000 Zuschauer feierten eine ausgelassene Party mit Wodka und Gürkchen.

Sie ist in einer verrückten Familie "der rote Dorota", eine richtige Lady in Red. Ihre Hobbies sind Männer, Männer und nochmals Männer, mit denen sie am liebsten Kontonummern austauscht. Doch Dorota kann noch viel mehr als höchstens einmal drei Tage am Stück Single zu sein oder 14-mal in Folge "Miss Zabrze" zu werden. Sie kann singen. Das macht sie so gut, dass das Publikum bei ihrem Duett mit Tomek dem Tiger Gänsehaut bekommt. "Crying at the discotheque" kann so schön klingen.

Völlig durchgeknallt mögen sie sein, diese Popolskis, doch neben Wodka trinken – am liebsten einen ganz edlen Tropfen, der im Nacken brennen muss – bringt die Combo ein fast dreistündiges Programm auf die Bühne, das die feierwütigen Zuschauer "völlig ausflippsen" lässt, wie Schlagzeuger Pavel freudig feststellt. Es wird miteinander geschunkelt, fleißig gewunken und wild getanzt. Die Popolskis sorgen auch unter freiem Himmel für ordentlich Stimmung und liefern eine große Show ab.

Am Rande des Plattenbaus

Es ist heute längst kein Geheimnis mehr, dass vor über 100 Jahren Opa Piotr Popolski auf dem Pfarrfest im polnischen Pyskowice 22 Gläser Wodka auf das Wohl der Jungfrau Maria kippte und anschließend mit dem Rad in die Nachbarstadt Zabrze fuhr. Auf dem Weg dorthin kam ihm die Melodie zu "Ei dobrze, dobrze dralla" in den Sinn und die Mutter aller Popsongs war geboren. Über 128 000 Welthits stammen seitdem aus der Feder des Großvaters und seinen Nachkömmlingen, die aber am Rande des Plattenbaus in einer heruntergekommenen Hütte auf einen Gebrauchtwagenhändler hineinfielen. Die Hits wurden in alle Welt verscherbelt und das ist für Pavel, Dorota, Mirek, Bogdan, Isidor, Danusz, Tomek, Andrzej und Janusz sowie den trinkfreudigsten eineiigen Zwillingen der Welt, Henjek und Stenjek, Grund genug, allen Erdenbewohnern ihre Geschichte zu erzählen. Doch bevor es losgeht, gibt es "Wodka für alle" wie es Frontmann und Familienoberhaupt Pavel am Schlagzeug verkündet. "Denn wenn heiße ist, soll man viele trinken."

Das Publikum ist von der ersten Minute an mit der "Sexbomb von Zabrze" in Stimmung, mit der dreihalsigen Gitarre und einem etwas härteren Saitenzupfen wird sogar Dieter Bohlens "We have a dream" zum Genuss. Leere Wodkagläser fliegen über die Schulter und die Ska-Version von Anastacias "Set me free" bringen auch den letzten Besucher in Feierlaune. Es ist ein verhaktes Turbo-Schunkeln im Burgtheater angesagt, wenn die Popolskis den Takt vorgeben und mit "Insomnia" von Faithless den Nagel auf den Kopf treffen: "I can't get no sleep" – an Schlaf ist nach drei Stunden Polska-Pop vom Feinsten bestimmt nicht zu denken.

Hendrik Gaasterland



Total bekloppst!
17.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

Dinslaken. Dramatische Szenen im Burgtheater. Gitarrist Mirek stürmt in den freien Kreis zwischen Bühne und erster Publikumsreihe und entfesselt mit seiner Stratokastri, die eher einer verkleideten dreiköpfigen Hydra denn einer E-Gitarre gleicht, einen Höllenlärm. „Total bekloppst". Da hilft kein Schreien der Familie, da versucht Nesthäkchen Janusz vergeblich, seinen „Radaubruder" zurückzuziehen. Mirek rockt, bis man den Stecker zieht. Und eigentlich ist dieses Chaos der ganz normale Wahnsinn der „verrucktesten" Familie im Popgeschäft seit Michael Jackson in der Tiefkühltruhe liegt. Nachdem in den letzten Jahren mehrfach in der Kathrin-Türks-Halle „die Post durch der Decke ging", mischten The Pops, die einzig wahre Familie Popolski aus der Plattenbausiedlung von Piskowicze, zum ersten Mal das Fantastival auf. Und ich luge nicht, es gibt keine Moglichkeit, sich von die vollige Verrucktheit von da Familie zu entziehen.

Der größte Musikklau

der Geschichte, Teil X
Kaum beginnt der Älteste der Brüder mit dem Countdown zum gemeinschaftlichen Wodka-Trinken, fliegen die Gläser wie Konfetti im Burgtheater. Und wie Opa Popolski die Musikgeschichte revolutionierte, erneuert Pawel Popolski mit seinem ganz eigenen „polnischen" Akzent die deutsche Sprache: „Da Burgtheater erlebte eine weitere vollige Neuheit", möchte, oder „mochte" man den Konzertbericht im Stil Pawel Popolskis fortsetzen, hinter dem natürlich - und das ist jetzt nicht gelogen - einer der brillantesten Köpfe der deutschen Comedy steckt. Warum also nicht? Los geht's: Da Burgtheater erlebte eine vollige Neuheit. Zum ersten Mal hat da Buhne eine Videoleinwand fur eine Dokumentarfilm. Weil das Skandal um den großten Musikklau von die ganze Geschichte, die rucksichtslose Ausbeutung von der Genie von der Opa Popolski durch Dieter Bohlen bekannt werden muss, bis der nächste gesetzliche Wodkapause ansteht. - Nazdrowie!

Da Burgtheater ist auch hackedicht. Keine freie Platz mehr. Auf da Leinwand landet Opa Popolski auf dem Mond - eine halbe Stunde vor Armstrong und auf da Buhne spielen da vollig bekloppste Mirek, der schuchterne Janusz, der stets im Schatten von da Bruder steht, die Sexbombe Tomek Popolski, genannt der „Tiger von Zabrze", und die verfuhrerische rote Dorota, die Männer zu allem bringt, selbst dazu, „I'm a lady" fur sie zu singe. Und dann sind da noch Dobrze Jorns, die putzigen Zwillinge Henjek und Stenjek. Schön, den Mann mit der Posaune wieder im Fantastival zu erleben. Er war lange Jahre Stammgast, doch das ist eine ganz andere Geschichte.

Zuruck zu die Bekloppski. Moment. Gesetzliche Wudkapause. - Nazdrowie! - Welch wunderschone Lieder hatte diesa Familie geschrieben! Die Jazzballade „Final Countdown", lasziv vorgetragen von da rote Dorota. Alle Hits von da polnische Friedensbewegung. Danusz singt auf dem Tag 40 Jahre, nachdem die Amerikaner Opas Wodstocki-Festival kopierten, „Ein bisschen Frieden" vor da Gurke of Peace. Ruhrend! Zu Tränen ruhrend! Da Publikum steht schief beim Schunkeln, tanzt ausgelassen vor da Buhne, als der Zugabeblock bei den sommerlichen Temperaturen Mallorcastimmung weckt.

Da hat sich Janusz längst mit Wodka übergossen, um die ultimative Crossover-Version von „Cheri Cheri Lady" bis zum Exzess zu treiben. Keine Überraschung mehr wie in früheren Shows, sondern ein ersehnter und beim ersten Stichwort bejubelter Höhepunkt eines fulminanten Musikcomedyabends. Fantasticze Fantastival, hoch die Gläser auf da verruckten Popolskis! Schüchtern bis der Wodka kommt: Nesthäkchen Janusz mit der ultimativen Crossover-Version von „Cheri Cheri Lady". Fotos: Heinz Kunkel Rot, sexy und singen kann sie auch: Dorota. Sieht aus wie Mallorca, Schlagerparty? Ist aber Dinslaken, Fantastival – die Popolskis spielen, das Publikum schunkelt.

Bettina Schack

Mit Charme und Cowboyhut
19.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) Spaßig ging es beim Konzert der Country-Truppe "Truck Stop" im Rahmen des Fantastivals zu. Das Sextett nahm das Publikum mit auf eine Reise in den Wilden Westen, der allerdings gelegentlich auch in Sachsen lag.

Tosend peitscht ein Sturm über die Bühne. Donnergrollen. Stroboskop-Blitze flackern auf. Leise erklingt die Titelmelodie aus dem Western "Spiel mir das Lied vom Tod". Dann besteigen "Truck Stop" die Bühne und nehmen das Publikum mit ihrer Country-Musik erstmal mit auf eine Reise in den Wilden Westen.

Musikalische Abwechslung

Auf dem Bildschirm hinter den Musikern leuchtet der Sonnenuntergang über der Prärie, und auf den Zuschauerplätzen finden sich jede Menge Konzertbesucher, die in Cowboyhüte und Lederwesten gekleidet sind. Und von der ersten Minute an ist das Publikum begeistert vom Country-Sextett auf der Bühne. "Willkommen zu unserem ersten Geheimkonzert in Dinslaken", begrüßt Steelgitarrist Knut Bewersdorff die Fans und wundert sich erst einmal über das nur halb gefüllte Rund des Burgtheaters. Nur knapp über 500 Zuschauer sind zum Konzert gekommen, was der guten Stimmung allerdings keinen Abbruch tut. Kaum hat Lucius Reichling die Geige ausgepackt, tanzen auch schon vereinzelt Zuschauer vor der Bühne. "Wenn wir das nächste Mal kommen, legen wir hier Parkett aus", scherzen die Musiker.
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Quer durch Sachsen

Natürlich werden auch die Songs der "Cowboys der Nation" kräftig abgefeiert. Das Publikum klatscht den Rhythmus mit und singt lautstark den jeweiligen Refrain alleine. So geht es "Auf sechs Achsen quer durch Sachsen", nach Hamburg ins "Großstadtrevier" oder nach "Arizona, Arizona". Musikalisch bewegen sich die Cowboys aus Hamburg dabei zwischen Country, Schlager, Blue Grass und ein wenig Rock, bieten ihrem Publikum also reichlich Abwechslung von langsamen Balladen bis hin zu schnellen Liedern, zu denen man auch gut tanzen kann.

Die Stimmung im Burgtheater erreicht den Höhepunkt, als Schlagzeuger Teddy Ibing sich ans Mikrophon wagt. Mit "Gelbe Säcke, Blauer Engel, Grüner Punkt" lieferte er schon einen kleinen Stimmungshit ab. "Zugabe", verlangt das Publikum. Da lässt sich der Schlagzeuger nicht lumpen und legt noch "Wandering Star" als Zugabe nach – sogar noch ein wenig tiefer als das Original. "Das hat nicht mehr viel mit Singen zu tun. Das ist reine Körperbeherrschung", kommentierte er diese kleine musikalische Einlage selbst.

Johnny-Cash-Cover

Dass die Zuschauer nach diesem spaßigen Konzert noch eine Zugabe von "Truck Stop" haben wollten, war klar. Das Country-Sextett ließ sich nicht lange bitten und brachte mit einem Cover des Johnny-Cash-Songs "Ring of Fire" das Burgtheater noch einmal richtig zum Kochen. Viel Applaus.

Florian Langhoff



Truckerromantik mit Dialekt
19.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

Seit 36 Jahren sind Truck Stop für deutschsprachigen Country bekannt. Am Montagabend überzeugten sie auch in Dinslaken. Foto: Kunkel

Dinslaken. Aus den Lautsprecherboxen an der Bühne schallt Johnny Cashs „I walk the line", Menschen mit Cowboyhüten und Fransenhemden bahnen sich ihren Weg zu den Zuschauerrängen. Etwas ist anders an diesem Fantastivalmontagabend. Ein Hauch von Barbecue-Atmosphäre liegt in der Luft. Wenn auch das Countryfeeling längst nicht so geballt daherkommt wie im Yukon Saloon. Doch das ist noch einmal eine andere Szene.

Vorgestern gehörte das Burgtheater Truck Stop. Und die machen Countrymusik made in Norddeutschland mit Breitenwirkung. Eine bunte Mischung aus Bluegrass, Hillybilly, Stimmungsliedern, viel Herz und Gefühl. Mit Fiddle, Steelguitar, guter Laune und hanseatischen Akzent.

Zu ihren meistgespielten Liedern gehört das gemütlich schunkelnde Titellied der Fernsehserie „Großstadtrevier". In den späten 70ern waren es Truck Stop, die deutschsprachigen Country aus den nachgebauten Saloons holten und in Fernsehen und Radio salonfähig machten.

36 Jahre auf Tour

Gestern also Truck Stop im Fantastival und zum ersten Mal nach langer Zeit wieder jenseits von Maschen hier in der Region. Gut 500 Fans zog es ins Burgtheater, die Musiker nahmen den Anblick des abgesperrten hinteren Blocks mit Humor. Definitiv eine Stärke der Band. Im zweieinhalbstündigen Programm wärmten sie mit einem wohldosierten Mix aus tanzbaren Fiddletunes, Medleys alter gefühlvollen Balladen und Witzen in den Zwischenmoderationen die Zuschauer auf. Diese klatschten von Anfang an die Lieder rhythmisch mit, sangen die bekanntesten Refrains alleine und wagten im zweiten Teil vermehrt ein Tänzchen vor der Bühne. Zum Schluss standen alle in den Rängen, die Fans mit den Cowboyhüten ebenso wie die, die offensichtlich die Karriere der Waterkant-Cowboys seit ihrem Durchbruch 1979 begleiten. Nach 36 Jahren on tour sind Truck Stop alte Hasen, die ihr Publikum egal vor welcher Kulisse mitzureißen verstehen.

„Leb dein Leben" heißt der aktuelle Tonträger von Cisco Berndt (Gesang und Gitarre), Lucius Reichling (Gesang, Geige und Gitarre), Knut Bewersdorff (Steel Guitar), Dirk Schlag (Lead Guitar), Uwe Lost (Bass) und Teddy Ibing (Schlagzeug). Truckerromantik und Freiheitsträume zwischen wilden Mustangs, Wölfen und Harley Davidson-Motorrädern, mit unverkennbaren Dialekt betonte norddeutsche Identität.

Durch Sachsen ohne Anhalt

Vielleicht ist es gerade dieses Lokalkolorit unterm Cowboyhut, was die angegrauten Jungs von Truck Stop in ihrem eigenen Stil authentisch erscheinen lässt. Sie wirken sympathisch, egal ob Schlagzeuger Teddy mit Brummelbass „Wandering Star" dröhnt oder Cisco und Lucius über das Leben on tour singen „wir haben uns immer auf die Fans gefreut". Und wenn Cisco zu „Ghostriders"-mäßiger Musik über ungeliebte Strickpullover „Textil des Grauens" singt oder „Auf sechs Achsen durch Sachsen ohne Anhalt" nur noch Bahnhof versteht, fühlt sich der Rheinländer im Mix aus Stimmung, flotter Musik und Humor ganz wie Zuhause.

Noch die größten Hits von „Take it easy, altes Haus" bis zum „Wilden wilden Westen", dann ziehen die Waterkant-Cowboys ihren Hut vor ihren Wurzeln. Zu June Carters „Ring of Fire" wacht Johnny Cash von der Videoleinwand über das Burgtheater.Bes



BAP – Verdamp gut drauf
21.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) Ein Drittel neue Songs, der Rest aus der Steinzeit. BAP weiß, was es einem 50-plus-Publikum schuldig ist. Vor 2100 Zuschauern ließen es die Kölsch-Rocker im Burgtheater drei Stunden lang richtig krachen.

Irgendwie gibt Wolfgang Niedecken noch immer den Südstadt-Dylan. Das großkarierte Hemd trägt er über der Jeans, den Panamahut hat er lässig in den Nacken geschoben. Darunter fließt der Schweiß, und das von Anfang an. "Nemm mich met" – das Eröffnungsstück ist zugleich Aufforderung zum Tanz.

Die Botschaft ist klar: Hier dreht eine Band die Uhren um 30 Jahre zurück, um affzurocke – erdig, laut und ausdrucksstark. Dass das Publikum sich anfangs etwas hüftlahm zeigt, kontert Niedecken in seiner lässig schnoddrigen Art, die ihm ein Düsseldorfer sicherlich als Arroganz auslegen würde: "Ich bin nicht böse, wenn ihr sitzt.

In Eurem Alter darf man das." Und dann sagt der Rockdino aus der Domstadt, dass er nichts dagegen hätte, wenn die Leute ab und zu auch mal stehen würden. Also: "Arsch huh", tanzen, klatschen, mitsingen. Das tun die meisten ohnehin lauthals.

BAP-Fans sind textsicher. Der Chef gibt sich überzeugt. Den "Wellenreiter" – als völlig entspannten Reggae in den Sommerhimmel über dem Burgtheater gepustet – darf das Publikum ganz allein schallern. Ein paar Liter Schweiß später wird sich Niedecken für diese und andere Meisterleistungen in Hochdeutsch bedanken. "Schön, dass ihr seit über 30 Jahren so tut, als ob ihr mich verstehen könntet."

70 Minuten Zugabe

In 33 Jahren entstehen eine Menge Songs. Gefühlte 30 arbeitet die Kölner Kultband auf der Fantastival-Bühne ab. Es gibt Lieder aus der Kreidezeit ("Ruut, wiess, blau querjestriefte Frau"), Klassiker wie "Kristallnaach", "Aff un zo", "Alexandra" und – selbstverständlich – Grüße an Altmeister Bob Dylan.

Ralf Schreiner



Konzert
19.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

150 Punkte für die Fans von Corinna Meinold

Drei Stunden Partystimmung beim BAP-Konzert im Burgtheater: Da war auch Wolfgang Niedecken begeistert.

Dinslaken. Ein Wort für Begeisterung und Stimmung mit drei Buchstaben: BAP. Die Kölner Rockband erfreut sich auch am Niederrhein zahlreicher Fans, die am Mittwoch-abend die Ränge des Burgtheaters füllten und mit Jubel und rhythmischem Klatschen die Musiker begrüßten. Die verstehen es von Anfang an, ihr Publikum mitzureißen. „Nemm mich met” singen BAP und dieFans lassen sich mitnehmen, sind ganz dabei, reißen die Hände in die Höhe. Ein gelungener Auftakt für ein dreistündiges Konzert. BAP rockt das Fantastival.

„Schöne Stätte”

Gut gelaunt begrüßt Wolfgang Niedecken die Zuschauer mit der Feststellung, dass Reisen bildet: Dinslaken kannte er bisher nur als Autobahnausfahrt. Am Ende des Abends bezeichnete er das Burgtheater als schöne Stätte. Reisen und Träumen sind das Motto des Abends, dessen Programm zu einem Drittel aus Neuem und zu zwei Dritteln aus Klassikern und der „Steinzeit” – wie Niedecken es nannte – bestand. Als Gast bei der Sommernachtstour der Band war Anne de Wolff dabei, deren Geigenklänge sich immer harmonisch in den BAP-Sound einfügten.

Das gilt auch für die mitsingenden Fans, aus deren Lippenbewegungen Wolfgang Niedecken Verständnis abliest. Nicht nur das bringen sie mit, oft stehen sie schon bei der bloßen Ankündigung eines Liedes – wenn sie nicht ohnehin schon in den Rängen oder vor der Bühne stehen. Und für minutenlangen Fangesang gibt es von Niedecken „150 von 100 möglichen Punkten.”

BAP zeigte seine facettenreiche Bandbreite, neue Stücke des aktuellen Albums „Radio Pandora” mischten sich mit „unfassbar alten”, zu denen Niedecken ein paar Anekdoten zum Besten gab. Zum Beispiel als die „Ruut, wiess, blau querjestriefte Frau” damals in der Kneipe direkt vor seiner Nase saß.

Doch die Band kann auch ruhigere Töne anschlagen. Bei „Novembermorgen” taucht die Bühne in grünes Licht ein – im dunkler werdenden Burgtheater ein stimmungsvoller Effekt. Eindringlich ebenso die ernsteren Klänge von „Noh Gulu”, eines der neuen Stücke, das Erfahrungen Niedeckens in Afrika beinhaltet. Auch diese Seite von BAP findet beim Publikum viel Beifall.

Fulminante Soli

Die Stimmung wird immer besser, ist wie das Wetter: einfach super. Die Band lässt es auf der Bühne krachen – auch mit fulminanten Soli. Minutenlanger Applaus und Standing Ovations nach zwei Stunden. BAP legt noch ein paar Zugaben drauf. Bei einer jubeln die Fans schon beim ersten Ton. Wolfgang Niedecken fragt sie, ob sie die Melodie kennen würden – na klar: „Verdamp lang her”. Aber die Zuschauer wollen die Musiker noch nicht gehen lassen. Band und Publikum feiern, die Welle macht ihre Runden durch das Burgtheater. Noch einmal gibt's Zugaben, wie „Do kanns zaubre”, bei dem die Feuerzeuge aufleuchten. Der Abschied wird mit „Schluss, Aus, Ok” zelebriert. Schlussakkord für einen gelungenen Abend



Das überflüssige Geschlecht
21.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) Mit triumphierendem Blick und süffisantem Lächeln saß der weibliche Teil der Zuschauer im Dinslakener Burgtheater, wild entschlossen, sich zu amüsieren. Regen, Unwetter, unfreiwillige Kastanienernte.

Alles wäre egal, wenn man ein Comedyprogramm mit einem so viel versprechenden Titel zu erwarten hat. "Männer muss man schlagen", hatte der Essener Komiker Ingo Appelt im Vorhinein verlauten lassen, und wenn das nicht neugierig auf eine muntere Argumentationskette über das "überflüssige Geschlecht" macht, was denn dann?

Elfengleiche Wesen

Etwa 750 Zuschauer begrüßten den selbst ernannten "Konkursverwalter der Männlichkeit" zu seinem Auftritt. "Bis zum Unwetter ist es nicht mehr lang hin, deshalb machen wir's kurz", witzelte er zur Begrüßung und stellte geschwind die verbindliche Grundlagenthese seines zweieinhalbstündigen Programms klar: Frauen sind elfengleiche Wesen, die besseren Menschen, die Königinnen dieser Welt. Männer dagegen sind "scheiße". Das liegt an vielerlei.

Zum Beispiel daran, dass der Mann in den vergangenen Jahrhunderten doch recht überflüssig geworden ist. "Wo kannste als Mann heutzutage noch Held sein?", fragte Appelt sich und das Publikum. Und erwiderte prompt selbst: nirgends. Wo es früher einmal hieß: "Wenn der Papa nach Hause kommt, kannste was erleben", schreitet heute die Super-Nanny ein. Statt dank Akkubohrer die helfende Hand des Haushalts zu sein, spaziert dieser Tage Tine Wittler vorbei und renoviert in zwei Stunden fünf Einfamilienhäuser. Und selbst beim Fußballgucken haben die Frauen ihre Evolutionspartner längst abgehängt. Die Damen sind die neue Zielgruppe, und so ist es kaum verwunderlich, dass der einst so männliche Ballsport immer "drolliger" wird. Schweini, Poldi, Jogi, Kurányi – die Niedlichkeitsform ist allgegenwärtig. Tschüss, Männer, sucht euch ein neues Hobby. Doch wer dachte, Ingo Appelt habe seinen Auftrittscharakter komplett überholt und würde nicht auch gerne in alle anderen thematischen Himmelsrichtungen schießen, irrte gewaltig.

Rentner beschimpfte er als "fideles Friedhofsgemüse" und "Grabflüchtlinge", die allesamt "heestern" und dabei auch noch studieren. Frauen geißelte er dagegen für ihre schier unerfüllbaren Ansprüche. Stark muss ein Mann für sie sein, aber irgendwie auch gebrochen. Sicherheit verlangen sie von einer Beziehung; aber irgendwie auch Freiheit. Nur Comedians, die könnten gar nicht kaputt genug sein, resümierte Appelt und zog in schönster Parodie-Manier über seine Kollegen her.

Und natürlich bekamen auch Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Til Schweiger, Grönemeyer, Westernhagen und Udo Lindenberg ihr Fett weg. Am Ende dann das Resümee: Frauen möchten "gottgleich angeliebt werden", um mächtig zu sein. Männer dagegen streben nach Macht, um geliebt zu werden. Ein fataler Antizyklus.

Liebeslied

Appelts Lösung: Ein bisschen mitmenstruieren und ein Liebeslied singen: "Bisschen Sex, meine Ruhe und 'n Bier / mehr will ich gar nicht von dir", so dessen Refrain. Und da bekam man doch schon wieder Lust, den Programmtitel beim Wort zu nehmen.

Lena Steeg

Frauen verstehen, bis es kracht
22.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

Dinslaken. Der Mann kommt auf die Bühne, singt, bricht ab, beschimpft das Publikum und lässt sich dann von diesem feiern. Ingo Appelt, Provokateur und Polarisierer der deutschen Comedyszene, hatte vorgestern in Kooperation von Freilicht AG und Kulturamt seinen großen Auftritt im Fantastival. Heftig drohte es zu werden, es sollte hageln, stürmen und donnern. Zehn Minuten vor Programmbeginn wies Anne Stieve auf eine bestehende Unwetterwarnung hin. Aber so ist das mit Donnerwettern und Enfants terribles: Es gehört zur Show, die Leute gerade soviel zu erschrecken, dass sie Nervenkitzel verspüren und wenig genug, dass sie bleiben. In dieser Hinsicht überraschten Appelt und das Wetter als perfekt abgestimmtes Team.

Wenn Ingo Appelt im weißen Anzug der Unschuld „er kann sich nicht benehmen, für ihn muss man sich schämen" singt, kokettiert er mit seinem Image, meint aber tatsächlich nicht sich im besonderen, sondern den Mann im allgemeinen. Appelt, der Familienvater, der Frauenversteher. Dies ist seine - ironische - Rolle im aktuellen Programm „Männer muss man schlagen".

„Deutliche Worte"

Und da die Frauen von heute nicht nur schön, selbstbewusst und überlegen sind, sondern auch alle einst männlichen Domänen von der Polittalkshow über das Fußballstadion bis hin zum Stehen im WC für sich vereinnahmt haben, macht es Sinn, dies ihnen als Mann in der deftigen Sprache einzugestehen, für die die Amerikaner das schöne Ettikett „explicit lyrics" erfanden. Diese Warnung auf ausgewählten CD-Covern lässt sich mit „deutliche Worte" übersetzen und meint ein Vokabular, das im Deutschen bevorzugt mit „f", und „Sch" beginnt . Ein „Gütesiegel" wohlkalkulierter Provokation, gebe es solches in Deutschland auch, auf Appelts CDs und Tourplakaten eingebrannt.

Denn macht man sich doch nichts vor: Wirklich schockieren kann Appelts Wortwahl so wenig wie die bewusst an die Geschmacksgrenze getriebenen Witze über Merkel und Lauda, Schröder und Möllemann, Rentner, Homosexuelle, Männer, Frauen... Es ist halt das Konzept Appelt. Und der ist, achtet man auf die Zwischentöne, eigentlich ein ganz Netter. Sonst wären ja auch gar nicht die ganzen Frauen im Publikum. Und deren lachenden Männer ebenso.

Zum Finale Donnerwetter

Appelt weiß, was Frauen wollen: Männer, die stark, aber kaputt sind. Kleine, intelligente Männer, die sich Frau aufrecht ins Buchregal stellen kann. Männer mit Sprachfehlern wie Grönemeyer und Männer, die weinen wie Xavier Naidoo. Männer, deren Humor darin besteht, dass sie sich und ihr ganzes Geschlecht gnadenlos in Selbstironie zerstören. Womit wir wieder bei Ingo Appelt wären. „Pupsibärchen", wie ihn seine Frau nenne, schont sich selbst nicht, wie er die genannten Sänger frech und unverschämt gut parodiert.

Appelt am Piano: das große Finale. Jetzt muss es krachen, alles in Chaos enden: Bühne frei für das Gewitter. Es donnert, Appelt strippt, steht in goldener Unterhose da, das Publikum tobt, es schüttet vom Himmel. „Dann verp... euch auch", schleudert der Comedian den begeisterten Fans entgegen. Und lächelt: „War doch ein schöner Abend, oder?" Weint der Mann, weiß er was Frauen wünschen: Appelt gibt ihnen den Xavier Naidoo.

Bettina Schack

Eine ganz wilde Mischung
24.8.2009 / RP / DINSLAKEN

Volker Pispers, der Kabarettist, der sich traut, Dinge zu sagen, die andere nicht einmal denken würden, hat’s wieder krachen lassen. Am Freitagabend. Beim Fantastival im Burgtheater.

Dinslaken Sind Sie Arzt, Banker, Journalist, Jurist oder gar Manager? Gehören Sie einer Partei an? Sind Sie Katholik? Gehen Sie nicht zu Volker Pispers! Sie werden beschimpft, dass es eine wahre Freude ist. Gut, für die Angehörigen der genannten Berufsgruppen im ausverkauften Halbrund der Dinslakener Freilichtbühne kommt diese Warnung jetzt zu spät. Aber höchstwahrscheinlich hätten sie sie ja sowieso ignoriert. Volker Pispers hat es schließlich inzwischen zum ungekrönten König des deutschen Polit-Kabaretts gebracht. Zurecht. Pispers ist hintergründig, bissig, direkt, böse. Vor allem aber ist er witzig, was er im Burgtheater rund drei Stunden lang mir seinem Programm „Bis neulich...2009“ unter Beweis stellte.

Eine ganz wilde Mischung aus alten und brandneuen Texten hatte er angekündigt. Wobei das Alte sich oft genug auch als das Neue erwies. Sie Pointe von den verhungernden Ärzten erzählt Pispers seit 18 Jahren, um jetzt folgern zu können: „Seit 18 Jahren verhungern die Ärzte in ihren Praxen. Ich sagen Ihnen, das ist aber auch ein zähes Pack.“ Das Florett ist Pispers Waffe nicht, er bevorzugt den schweren Säbel und lässt Hieb auf Hieb herunterkrachen. Auf Kanzlerin Angela Merkel, die versucht, der Krise ein Gesicht zu geben, auf Franz Müntefering, der sich nicht einmal mehr vor seinem eigenen Ersprochenen ekelt und zu dem Pispers der Filmtitel „Die Rückkehr der Mumie“ einfällt. Auf Frank-Walter Steinmeier, der letzten Platzpatrone der SPD und Kurt Beck, bei dem sich Pispers dafür schämt, dass er früher über Scharping gelacht hat. Der Kabarettist aus Düsseldorf, der eigenem Bekunden nach ja eigentlich nur alles begreifen möchte, rechnet ab mit dem unbegreifbaren alltäglichen Wahnsinn. Mit den Sprachhülsen der Politsprechs – „Wir sagen nicht mehr Idioten, wir sagen bildungsferne Schichten“ -, um gleich selbst neue Übersetzungsvorschläge zu liefern: „Anständig gleich liechtensteinfern.“ Pispers leidet an dem, was falsch läuft, in diesem Lande, „dessen Bevölkerung jammert, obwohl sie noch Geld hat, Bücher von Eva Herrmann und Dieter Bohlen zu kaufen“. Er leidet daran, dass er nun Mitbesitzer der Commerzbank ist, weil sein Staat hier mit Milliarden eingestiegen ist und glaubt sich für 18 Milliarden ein Schnäppchen eingehandelt zu haben, auch wenn das an der Börse nicht einmal mehr vier Milliarden wert ist. Er leidet an denen, die uns Angst vor dem Terrorismus machen wollen und sich deswegen immer mehr Gesetze ausdenken, die die Bürgerrechte einschränken, obwohl die eigentlichen Schläfer doch in den Kabinen der Lkw auf den Autobahnen zu finden sind. Mit politischer Korrektheit hat Pispers nichts am Hut. „Jetzt wollen auch noch die Rumänen anfangen zu arbeiten. Eigentlich sollen die doch Handys klauen, jetzt klauen sie Handyfabriken.“ Aber lachen ist nun einmal die schönste Form der Befreiung. So gesehen ist Pispers mit seinem unnachahmlich sarkastischen und ironischen Witz ein wahrer Befreiungskünstler. Und so lachen dann alle im Burgtheater am Schluss und mittendrin, die Banker, Ärzte und Juristen, alle anderen auch, sogar die Raucher. Dabei ist Rauchen laut Pispers doch nur die geselligste Form des Selbstmordattentats: Man bringt sich und die Menschen in seiner Umgebung um.

Jörg Werner



Pispers??
Perfektes Trio, eine tolle Stimme

25.08.2009 / NRZ / Lokalausgabe

Dinslaken. Der Frühling hielt Einzug in die Sommernacht der Klassik. Mit Astor Piazzollas Tango „Primavera Portena" eröffneten Sonntag Angella, Lucia und Maria Ahn die Gala der Stadtwerke Dinslaken im Fantastival mit modernen Kompositionen in klassischer Klaviertriobesetzung. Ein perfektes Zusammenspiel – gerade Angella an der Violine und Maria am Cello halten beständig Blickkontakt – , und ein Klangbild, das die expressiven Möglichkeiten der Instrumente aufblitzen lässt, aber nie den klassischen Ton zu deren Gunsten ganz aufgibt, zeichnet die drei in Korea geborenen und in New York lebenden Schwestern aus, denen bekannte und anerkannte Komponisten Werke widmen oder speziell für sie schreiben.

So wie Pat Metheny. Der hörte die Bearbeitung seiner Zusammenarbeit mit David Bowie „This is not America" auf dem aktuellen Album der Schwestern und schrieb daraufhin für sie „Yu Rung". Der Name bedeutet „Geist", die Musik ist inspiriert von den Eindrücken, die Metheny auf seinen Konzertreisen durch Korea gewann. Sonntag spielte das Ahn Trio beide Stücke.

Ruhig, dunkel, minimalistisch, so klingt „This is not America" bei den drei Musikerinnen. Die Gesangslinie, die man von Bowie im Ohr hat, steigt nur selten aus dem Geflecht von Streicherklängen und Klavierfolgen auf.

„Yu Ryung" gibt die Schwingungen der Großstadt Seoul wieder, wie sie Metheny als Fremder empfindet. Die Lichtkegel der Autoscheinwerfer scheinen vorbei zu huschen, die Anwesenheit von Menschen ist gewiss, und doch steht im Zentrum des Empfindens eine unbestimmte Einsamkeit. Die Atmosphäre des Stückes verdichtet sich, doch gewinnt es erst gegen Ende eine Lebhaftigkeit, die den melancholischen Charakter zu verändern mag.

Methenys „Yu Ryung" war eine Deutschlandpremiere, im zweiten Teil des Konzertes folgen die Weltpremieren. Der Musikmanager Stefan Piendl regte eine Zusammenarbeit des Ahn Trios mit der deutsch-amerikanischen Sängerin Joana Zimmer an. Sonntag standen die vier erstmals gemeinsam auf der Bühne. „Wir singen am besten, wenn wir allein sind", heißt es in „Solitary Singer", dem ersten der vier Lieder des Abends. Dabei war diese „Sommernacht der Klassik" die bestbesuchte der vergangenen Jahre, und Zimmers Stimme ging gerade bei diesem mit Folkelementen spielenden Song unter die Haut.

Kenji Bunchs gefühlvolle Ballade „True" wird wohl den Weg aufs nächste Album der blinden Sängerin finden, und natürlich durfte ihr größter Hit „I believe" im Konzert nicht fehlen. Zum Intro des Klaviertrios schwebte ein Fesselballon über die Bäume des Burgtheaters hinweg, eine dieser wunderschönen Choreographien, die der Zufall bei Freilichtveranstaltungen kreiert. Mit David Balakrishnans rockigem, groovendem „Skylife" endete die Sommernacht der Klassik, die auf klassische Musik im eigentlichen Sinne vollständig verzichtete. Doch wer vermag als Zeitgenosse zu bewerten, welche Musik überlebt? Astor Piazzollas Stücke werden sicherlich dazu gehören. Und auch ein weiteres Stück stach durch seine musikalische Substanz hervor: Jim Morrisons „Riders on the Storm", von den Ahns im Jazz-Arrangement vor Michal Rataj interpretiert, dürfte als ein „Klassiker" der Rockgeschichte Bestand haben. Herzlicher Applaus, stehende Ovationen.

Bettina Schack

Beatles-Begrüßung für die Musical-Stars
24.8.2009 / RP / DINSLAKEN

DINSLAKEN Nickende Köpfe, wippende Knie bestimmen bereits zu Anfang das Bild der elften Sommernacht des Musicals. Bertram Ernst, musikalischer Leiter, fordert die volle Unterstützung des Publikums, um mit dem Beatleshit „Hello Goodbye“ die sechs Künstler auf die Bühne zu holen. „Der rechte Block, der ist meine Beatbox. Die linke Seite singt auf mein Zeichen „Hello“ und alle Zuschauer in der Mitte klatschen im Takt“, erklärt er. So stimmt er das Publikum auf einen wunderbaren Abend im Burgtheater ein. Nach wenigen Takten folgen die sechs Hauptacteure Leila Valio, David Moore, Sabrina Weckerlin, Ethan Freeman, Anna Milva Gomez und Anton Zetterholm, allesamt Stars aus der weltweiten Musicallandschaft, ihrer Begrüßung durch den Beatleshit und stimmen ein in das fröhliche „Hello“. An den frenetischen Beifallstürmen ist sofort zu erkennen, dass hier keine Debütanten auf der Bühne stehen. Sabrina Weckerlin ist bekannt aus „Elisabeth“ uns ihrer weiblichen Hauptrolle im Musical „Die drei Musketiere“. Anna Milva Gomez hat man bereits als „Aida“ gesehen und sie spielt momentan als Kala in dem Hamburger Musical „Tarzan“ an der Seite ihres Kollegen Anton Zetterholm. Schnell sind die Zuschauer in den Bann gezogen von David Moore, der im pinken Glitzerhemd mit dem 80er Hit „Celebration“ glänzt.

Atemberaubende Duette

Dass die Darsteller allerdings nicht nur die schnellen Töne beherrschen, zeigt die junge Leila Valio, als sie neben Musical-Urgestein Ethan Freeman das atemberaubende Duett „Totale Finsternis“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“ singt. Gänsehautstimmung macht sich breit, und ehrfürchtiger Applaus erfüllt das nahezu ausverkaufte Burgtheater.
Doch Ethan Freeman, der bereits in der Titelrolle aus „Jekyll & Hyde“ große Erfolge feierte, kann auch ganz anders. „Man sagte mir, ich solle diese Jahr mal kein Musical machen, und deswegen habe ich mir ein Rocklied aus den 60ern ausgesucht.“ Die ersten Akkorde von „Rollin‘ on the River“ ertönen, und der gebürtige New Yorker erzählt weiter, dass er nicht gewusst habe, wie der dem „Lied einen Sinn“ geben könnte, und dann sei ihm die rettende Idee gekommen: „Das Volk hier im Revier ist freundlich“ und er beginnt zu singen: „Rollin‘ im Revier“. Schnell ist klar, dass die Zuhörer längst keine Aufforderung mehr zum Klatschen und Mitsingen brauchen. Als der Abend sich dem Ende neigt, schwingen bereits einige Musikbegeisterte mit leuchtende Diskokugeln im Takt des letzten Musicalhits „Aquarius“ aus dem Hippie-Musical „Hair“. Nach zwei weiteren Zugaben gehen die sechs Darsteller endgültig von der Bühne, aber natürlich nur für die diesjährige elfte Sommernacht des Muscials. Nächstes Jahr wollen sie gern wieder dabei sein, und Ethan Freeman kündigte schon an, dass er nächstes Mal überprüfen würde, ob das Publikum dann besser den Text zu „Über sieben Brücke musst du gehen“ kenne.

Romina Kettner

Fast so wie beim Original
04.10.2009 / NRZ / Dinslaken

Dinslaken. Eigentlich ist das diesjährige Fantastival schon vorbei. Eigentlich. Aber eine Veranstaltung gab es noch am Samstagabend in der Kathrin-Türks-Halle: die Cover Rock Night, die von der Freilicht AG in Kooperation mit Schroeder's Management und dem Amt für Bildung, Kultur und Stadtgeschichte

Die Bands „Suntana”, „The QUEENKings” und „diRE STRATs” begeisterten das Publikum und präsentierten, jede auf ihre Weise, eine andere Art von Rockmusik.

Den Auftakt machte das Septett „Suntana”, das musikalisch in der gleichen Besetzung spielt wie das Original, dessen Musik es sich verschrieben hat: Carlos Santana. Ein Hauch von südamerikanischer Urlaubsnacht weht durch die Kathrin-Türks-Halle, als die Musiker mit Liedern wie „Love of my Life" oder „Maria, Maria" den Latin-Rock in den Saal holen. Perlendes Gitarrenspiel wechselt mit percussiven Rhythmen, die das Publikum mitnehmen. Viel Applaus gibt es demnach auch zum Abschied, vereinzelte Zugabenrufe werden laut.

Die Stimmung ist gut, als mit „The QUEENKings” eine der gefragtesten Queen-Tributebands – Gitarrist Frank Rohles und Bassist Rolf Sander spielten bereits mit den Original Queen-Musikern Brian May und Roger Taylor zusammen – die Bühne betritt. Und als die Musiker loslegen, wird klar, warum das so ist.

Sänger Mirko Bäumer versteht es, das Publikum zu animieren. Die Zuschauer klatschen und singen bei „I want to break free" mit. Beim zweiten Anlauf auch in der von Bäumer gewünschten Lautstärke. Bei „Somebody to love" ergänzt das Publikum in den höchsten Tönen das „to love". Die Musik kommt gut an, einige Zuschauer tanzen. Schon als die ersten Töne von „Under Pressure", das Bäumer gemeinsam mit Sängerin Susann de Bollier ausdrucksstark singt, erklingen, wird gejubelt.

Dass die Band auch leise Töne anschlagen kann, zeigt sie mit einem gefühlvollen „Love of my Life".

Natürlich fehlen Klassiker wie „Who wants to live forever" – Im Gedenken an Freddy Mercury gesungen – und „Bohemian Rhapsodie" oder „Radio Gaga" nicht. Die Zugabenrufe werden erhört, mit „We will rock you" und „We are the Champions" verabschieden sich „The QUEENKings” von ihrem Publikum.

Klassiker im Gepäck

Als dann um kurz vor 23 Uhr „diRE STRATs” spielfertig sind, freut sich Anne Stieve von der Freilicht AG, dass die Band so flexibel sei und die Cover Rock Night komplettierte. Denn vier von fünf Musikern hatten schon eine andere Verpflichtung gehabt. Aber Europas meistgebuchte Dire Straits-Tributeband war aus Bremerhaven nach Dinslaken gereist und die immer noch zahlreichen Zuschauer dankten es mit Applaus. Mit einem schönen „Romeo and Juliet" brachte die Band das Publikum in Stimmung, um in das Finale einer gelungenen Cover Rock Night zu starten.



Feinste Rockmusik lässt die Stadthalle tanzen
5.10.2009 / RP / Lokale Kultur

Dinslaken - Einen gehörigen Nachschlag Fantastival gab es am Samstagabend in der Kathrin-Türks-Halle. Eigentlich hatte die „Cover Rock Night“ schon im August im Burgtheater stattfinden sollen. Jetzt gab es den Nachholtermin und so heizten die drei Bands nun eben die Stadthalle ein.

Mit „Suntana“, den „Queen Kings“ und den „dIRE sTRATS“ standen dabei echte Meister ihres Fachs auf der Bühne. Die Namen der Bands ließen erahnen, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte. Schon bei den ersten Riffs von Suntanas Gitarristen Ralf Heinlein war klar, hier sind echte Klang-Künstler am Werk, die mit Leidenschaft und Ehrgeiz ihren Vorbildern nacheifern. Südamerikanische Rhythmen, dazu die melodiösen Gitarrensoli und ein warmer, mitreißender Gesang, das waren die Zutaten. Wippende Füße, schwingende Hüften und begeistertes Mitklatschen das Ergebnis bei den zahlreichen Zuhörern. Mit einer Bandbreite von „The Smooth“ über „Black Magic Woman“ bis zum rockigen „Stand up running“ zeigte die Band um Sänger Pasco Schulz die gesamte Bandbreite des großen Carlos Santana. Für die Gitarrensoli von Heinlein bleibt da nur ein Wort: exzellent.

Schon in bester Laune begrüßte das Dinslakener Publikum dann „The Queen Kings“. Die fünf Musiker sorgten Lied um Lied für Begeisterungsstürme. Nicht nur, dass sie mit „I want to break free“ oder „Killer Queen“ echte Queen-Klassiker ablieferten, Sänger Mirko Bäumer erinnert mit seiner Stimme auch frappierend an das Original von Freddie Mercury. Mal schraubte sich seine Stimme in schrill-schreiende Höhen, dann versank sie wieder in sonoren Tiefen. Wunderbar auch die Ergänzung durch Sängerin Susann de Bollier bei Stücken wie „Under pressure“. Als dann zum Abschluss erst eine starke Version von „Bohemian Rhapsody“, dann „Radio Gaga“, „We will rock you“ und „We are the champions“ erklangen, tobte das Publikum in der Stadthalle. Mit frenetischem Applaus dankten die Zuhörer der Band.

Schon war die Bühne für die „dIRE sTRATS“ bereitet. Die Musiker widmeten sich in ihrem Auftritt der gefeierten Band „Dire Straits“ um Mark Knopfler. Mit der ruhigen Stimme von Peter Spencer und dem typisch metallisch klingendem Gitarrensound von Wolfgang Uhlich kamen sie dem Original erstaunlich nahe. Mit „Sultans of Swing“ und „Calling Elvis“ zeigten die Musiker einen Querschnitt durch die Schaffensphasen der Band. Dabei durfte es aber auch mal ruhig und gefühlvoll werden, wie beim wunderbaren „Romeo and Juliet“. Dem Publikum gefiel es bestens, und so gab es immer wieder anhaltenden Applaus.

Nach mehr als vier Stunden Musik ging die „Cover Rock Night“ dann mit viel Jubel und zufriedenen Zuhörern zu Ende.

Matthias Knauer

Kommentare   
Ein „Da Da Da“ für Busch
13.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Oft kopiert, nie erreicht: Wilhelm Busch ist einmalig. Warum das so ist, zeigt die Burghofbühne in einem literarisch-musikalischen Bilderbogen. Vorhang auf für „Busch und Tusch“ hieß es beim Fantastival im Burginnenhof.
Er war ein böser Mann mit Rauschebart, ein Zyniker und Menschenfeind, Kettenraucher, Niedersachse. Ein grausamer Humorist, der mit frechem Strich und galliger Dichtkunst Bild- und Sprachwitz so gekonnt vereinte, dass ihm den Titel „Urvater des Comics“ bis heute niemand streitig macht. 1865 gelang Wilhelm Busch – eigentlich wollte er Maler werden – der Durchbruch, und das ausgerechnet mit einer rabenschwarzen Bildergeschichte, an deren Ende Kinder geschrotet aus einer Mühle rieseln und von Gänsen gefressen werden. So ein Mann gehört auf den Sockel, sagt die Burghofbühne und lacht sich eins. Rund 100 Fantastival-Zuschauer lachten mit.

Mit leichter Hand
Lars Helmer hat die Collage-Hommage mit betont leichter Hand inszeniert. Fünf Schauspieler, zwei Musiker und eine Handvoll Requisiten genügen ihm für diese kurzweilige Mixtur aus Kindergeburtstag und literarischer Stehparty. Ein kleiner philosophischer Exkurs, Ansichten über „Hingeschriebenes, das sich wie blöd verkauft“, Verse, die jeder schon mal gehört hat und plötzlich wieder amüsant findet, weil sie so herrlich genau den Kern einer Sache treffen. „Musik wird oft nicht schön empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden.“ Wie wahr.
Dass wenig später der minimalistischste Hit aller Zeiten Auferstehung feiert, ist kein Zufall. „Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“, singt Stefan Ey mit Kummermiene, und Leif Scheele, Iris Kunz und Andreas Mayer fallen mit einem fröhlich-doofen „Da Da Da“ ein. Trio. Passt zu Busch. Ebenso wie „Mein Gorilla hat ne Villa im Zoo“, mit dem Hans Albers seinerzeit den coolen Blonden machte. Oder „Manah Manah“ – bei dem Andreas Mayer ein haarsträubend schräges Solo hinlegt. Auch einem weiteren Brillanten deutscher Schlagerkunst verhilft das Ensemble zu neuem Glanze: Evelyn Künnekes „Allerdings sprach die Sphinx“ klingt bei Iris Kunz so frisch wie vor 50 Jahren. Und Leif Scheeles im Witwe-Bolte-Dress performtes „Wadde hadde dudde da“ ist echt Raab.

Max und Moritz
Wenn’s um Busch geht, kann – das leuchtet ein – Musik nur schmückendes Beiwerk sein. Die Akteure servieren launige Gedichte, spöttische Reime und böse Verse, spielen eine Kurzfassung der „Entführung aus dem Serail“ nach und geben dem Publikum mit dem „Dideldum“ Zeichenunterricht. Im Zentrum des lauschigen Fantastival-Abends (es blieb schon wieder trocken!) steht selbstverständlich „Max und Moritz“. Während die Schauspieler die Streiche vortragen, werden auf der Leinwand hinter Ohrensessel und Stehpult die Schlüsselszenen dieses gewalttätigen Opus eingeblendet. Das Publikum schmunzelt über Buschs Vers-eleganz und flotte Zeichenfeder. Manch einer staunt auch über die Drastik, die des Dichters Klasse ausmacht und erinnert zugleich Geschichten, die noch viel blutiger ausgehen als diese. Die vom alten Bartelmann zum Beispiel. Da bestraft ein im Grunde gutmütiger Senior den bösen Franz, indem er ihm süffisant lächelnd den Schädel durchbohrt: „Klapp! schlägt er mit seinem Topf, das Pusterohr tief in den Kopf“.
Lars Helmer verwendet für seine Busch-Hommage deutlich harmlosere Bausteine aus der satirischen Reimschmiede des rauschbärtigen Spötters. Gut so. Andernfalls wäre die Inszenierung nicht jugendfrei. Und das hieße, es gäbe noch mehr junge Menschen, die nicht die leiseste Ahnung haben, wer der Vater aller Comics ist. Freundlicher Applaus und als Zugabe ein zweites „Da Da Da“.

Ralf Schreiner

Eine Problemzone weniger
14.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Mit ihrem neuem Programm schicken sich Thekentratsch an, die von den Missfits hinterlassene Lücke zu füllen.
DINSLAKEN. Missfits waren gestern. Im Fantastival-Jubiläumsjahr präsentierten Heike Becker und Kerstin Saddeler-Sierp ihr abendfüllendes Programm mit neuen Sketchen, schrillen Kostümen und unwiderstehlichen Umbaupausen vor ausverkauftem Haus. Der Weg scheint nach diesem Auftritt, Kerstin Saddler-Sierp bezeichnete ihn als "Feuerprobe", vorgezeichnet: Seit Jahren Geheimtipp der Altstadt, vorgestern im Burginnenhof, im nächsten Jahr auf der großen Bühne im Burgtheater. Und wer weiß, was in der Zwischenzeit noch alles außerhalb von Dinslaken passiert.
Dabei zeigten sich Heike und Kerstin so, wie man sie seit Jahren kennt und liebt. Heike, die temperamentvolle Ulknudel, Kerstin, die selbstbeherrschte Souveräne. Ihre Lieblingsthemen: Die Problemzonen der jeweils anderen und natürlich: Männer.

Die perfekte Welle
Die zwei von der Theke tratschen gerade ihrem weiblichen Publikum aus der Seele. Und sie bieten Lösungen. Welcher Mann geht nicht schwach in die Knie, wenn Kerstin und Heike ihn mit Gummihandschuhen tanzend dazu animieren. Von da ist es nur ein Wimpernschlag zu Putzeimer und Scheuerlappen: "Wisch mir die Fußleisten", die Hausfrau von heute ist die Domina im Heim.
Heike und Kerstin geben alles. Sie trudeln wie aufgezogene Trachtenpüppchen im Dirndl über die Bühne. Sie proben mit dem Publikum die "perfekte Welle" als Beginn der Wechseljahre. Sie begaben sich "schnorkelnd" auf Pilgerfahrt entlang des Rotbachs.
Ja. Es ist wahr. Vor einigen Wochen konnte man Heike Becker und Kerstin Saddeler-Sierp in der Fußgängerzone und entlang des Rotbachweges beobachten. Ausgestattet mit Tauchanzügen, Schnorcheln und riesigen Saugnäpfen als Nordic Walking Sticks. Das Ganze ist dokumentiert. Schreiend komische Fotos, der Thekentratsch als Diashow.

Heidi hat kein Foto
Umwerfend, die Jagd nach dem Foto für "Germany's next Stopp Trottel". Nur wer sich sturzbetrunken hinters Steuer setzt, wird geblitzt, Kerstin kann sich kaum auf den Beinen halten. "Aber du hast vergessen, in denWagen zu steigen." Heike "Heidi Klum" Becker schüttelt den blonden Perückenkopf. "Für dich - habe - ich - heute - leider - kein Foto". Das Publikum tobt. Und dann war da noch der heimliche Star des Abends. Ausgerechnet: ein Mann. In weißem Ballettanzug über dem Bauchansatz, mit rosa Plüscheln an den Armen und blonder Perücke über der Halbglatze tänzelte er federleicht über die Bühne und ließ in seiner Anmut vergessen, dass er eigentlich die Bühne umdekorierte.
Heute zapft er wieder das Bier hinter der Theke von Kerstin Saddeler-Sierps Weinlokal. Vorgestern baten ihn Zuschauerinnen nach der Vorstellung um Autogramme. Vor Jahren hinterließen die Missfits eine Lücke im Fantastival.Thekentratsch ist es gelungenen, dieser Problemzone mit eigener Identität zu begegnen.

Bettina Schack

Butterfahrt 5 ließ es krachen
12.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Der erste Abend des diesjährigen Fantastivals im Burginnenhof, die Freilicht AG lud zur Butterfahrt und alle, alle kamen. Lag es daran, dass drei der vier smarten Herren in den seriös-schwarzen Anzügen auf der Bühne ein Heimspiel hatten? Dass es das Wetter am lauen Sonntagabend so gut meinte, dass der bloße Gedanke an bei derlei Werbefahrten obligatorische Heizdecken Schweißausbrüche auslöste? Oder war es die Neugier auf das, was die Comedymusiker von Butterfahrt 5 einem wohl als Hits der Rock und Popmusik der letzten 30 Jahre verkaufen würde? Philipp Stempel, Volker Naves, Robert Mayer, Marcus Rehwinkel und Markus Heijenga machen auf der Bühne fast alles, um Frohsinn unters Volk zu bringen. Sie sind Teenieband und kiffende Rastamen, Blaskapelle, Rocker, Rapper und Stadionstars. Es gibt nur eine Konstante: die Absurdität der Parodie.

Stempel heult, Publikum lacht
Am Anfang stand die Animation. Butterfahrt 5 brauchten eine zeitlang, bis sie das Publikum in Fahrt brachten, manche Musikerscherze wirkten bemüht. Doch zeigten Butterfahrt 5 zunehmend, wo ihre Stärke liegt: Bekanntes gegen den Strich bürsten, Musikstile auf die Schüppe zu nehmen, in dem sie genau den Hit spielen, der eben nicht in die gezeigte Schublade passt. Und dies alles mit vollem Körpereinsatz. Komisch, schräg und sexy.
Ein Lexikoneintrag erklärt Herkunft und Bauweise der Ukulele. Er endet mit der Anmerkung, die winzige Gitarrenart gelte manchmal als Kinderinstrument. Bedeutet: Butterfahrt 5 rutschen auf den Knieen und spielen Tokio Hotel. „Durch den Monsun" für Gesang und Ukulelen. Klingt herrlich schräg - und offenbart ganz nebenbei, dass einen starken Song eigentlich nichts entstellen kann.
Für „Nothing compares 2 u" dagegen braucht man starke Nerven. Begleitet von seinen Bandkollegen mit künstlichen Glatzen erstickt Sänger Philipp Stempel den Song in einer Heulorgie. Das Publikum biegt sich vor Lachen.
Die Kracher haben sich Butterfahrt 5 für den zweiten Teil des Abends aufgespart. Es wird explosiv. Die Hemden stehen immer weiter offen, die Bewegungen der verkappten Boygroup werden parodistsch aufreizender, die Atmosphäre lädt sich auf und explodiert: TNT.
AC/DC in brachialer Zeitlupe, Philipp Stempel setzt sich einer Blondine im Publikum auf den Schoß... Es kracht. Der weiße Gartenstuhl bricht unter dieser geballten Ladung Schwermetall zusammen, Stempel schwenkt das Stuhlbein als Trophäe des Rock 'n' Roll. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Madonna Bavaria singt ihr „Material Girl", Der Goldene Reiter dreht durch. Das Publikum lässt sich zum Stadionrock provozieren: Ein Lärm im Burginnenhof, als kreischten 70 000 Fans.
Zum Schluss gibt's doch noch Gehäkeltes: die Fünf als peruanische Fußgängerzonenband mit der spanischen Version von „I was made for loving you". Keine Frage, liebe Butterfahrer, diese Show kaufen wir euch ab! (bes)



Butterfahrt macht Kleinholz
12.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Butterfahrten sind gefährlich. Dass der Käptn von der Brücke aufs Sonnendeck springt und die Touristen so heftig von den Liegen schubst, dass Stuhlbeine brechen, gibt’s nur bei „Butterfahrt 5“. Beim Fantastival tobte sich Music-Comedy-Gruppe im Burginnenhof aus.
Ein bescheuerter Name verpflichtet. Die fünf Herren von „Butterfahrt 5“ wissen das. Deshalb fliegen in ihrer Show die Perücken und die Wollmützen, wippen die Seppl-Hütchen, bringen behaarte Männerbrüste unschuldige Scheinwerfer zum Erröten und schubsen zuckende Heavy-Metal-Freaks zahlende Gäste von den Plastikstühlen, während ein brennender Riesenjoint durch die Zuschauerreihen wandert. Einen Zug mag niemand nehmen. Auch wenn „nix drin“ ist in Philipp Stempels „Magic Reggae Stick“. Statt „Hooschisch“ qualmt hier hier gute Laune. Hinter der Sonnenbrille des vollgekifften Dreadlock-Rastafaris verbirgt sich ein braver Familienvater aus Dinslaken. Der wird in den nächsten beiden Stunden seine Heimatstadt tüchtig aufmischen. Seine Jungs helfen dabei. Dass der Butterfahrer im Publikum viele bekannte Gesichter entdeckt, macht die Sache spannend. Lehrer, Ärzte, Bankberater, Verwandte und Nachbarn sitzen dort. Viele, da ist der B 5-Sänger sicher, werden, wenn sie ihm künftig begegnen, diskret die Straßenseite wechseln.

Wir waren eine Boygroup
Das hat Gründe. Es ist nicht allein die Perücke, die der Sänger überstreift, um ein verliebtes „Something Stupid“ in den Burginnenhof zu flöten. Auch nicht das Geständnis „Wir waren eine Boygroup“ und der darauf einsetzende Kreisch-alarm, das depperte „Bavarian Girl“, das das Quintett aus Madonnas „Material Girl“ destilliert oder der ABBA-Hit „The Winner takes it all“, aus dem die Butterfahrer auf Kinderxylophonen Kleinholz machen.
Die gesamte Show setzt Glückshormone frei. Sie ist chaotisch, manchmal anarchistisch und ziemlich verrückt. Vor allem aber ist sie auf überzeugende und zugleich charmante Weise komisch. Das Publikum ist zunächst irritiert, dann amüsiert, belustigt und am Schluss vollkommen begeistert. Und um keine Verwechslung aufkommen zu lassen: Das hier ist nicht das Comedy Arts Festival Moers. Es ist das Fantastival in Dinslaken, der Burginnenhof und damit eine der schönsten kleinen Spielstätten zwischen Lippe und Rotbach, in der sich 300 Zuschauer unter wallender Fallschirmeseide einen richtig schönen Abend machen.
Die Butterfahrer rauschen mit geblähten Segeln Richtung Wahnsinn. Dass sie bei jedem Song Schlagseite bekommen, ist Programm. Hier wird nichts gecovert, hier wird geschreddert, gnadenlos verballhornt und skrupellos seziert. Das beginnt mit Marcus Rehwinkel alias Bärbel Günther-Schmidtke, die nach erfolgreichem Abschluss des VHS-Seminars „Rockgitarre für Alleinerziehende“ den Video-Star massakriert. Das geht weiter mit Klaus Lages „1000mal berührt“, das die Band aus Essen als kackfreche Hip-Hop-Nummer in die Nacht rappt. Cyndi Laupers „Girls just want to have fun“ kommt als Menuett mit artig gezupftem Bach-Intro daher. Den „Wind of change“ blasen die Boys dem Publikum mit blank gezogener Latin-Lover-Brust um die Ohren. Und um dem perfekt inszenierten Dilettantismus noch eins obendrauf zu setzen, marschieren die Fünf als klassische Spielmannszug-Kapelle auf und verkaspern Van Halens „Jump“.
So viel Schräges tut weh. Doch das Publikum ist vom vielen Lachen längst zu geschwächt, um den Attacken der „B 5“ noch etwas entgegenzusetzen. Es macht einfach mit, singt, grölt, schunkelt und kreischt. Hände zum Himmel, großes La-La-La und noch größeres Hey-Hey.
Zum Finale gibt’s Stadion-Rock. Als Philipp Stempel „Ihr seid 70 000!“ in den Burginnenhof brüllt und den entsprechenden Schallpegel einfordert, gibt’s keinen, der an seiner Aussage zweifelt. Der Fanblock gibt sein Bestes, das Rathaus zittert. Riesenapplaus für einen herrlich schrägen Abend. Wiederkommen!


Ralf Schreiner

Diese vier Musiker sind Magier
16.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Ein leiser Windhauch weht, trägt eine federleichte Melodie in den Abendhimmel. Das Saxophon flüstert, kein Ton der Flamencogitarre darf verloren gehen. Bass und Akkordeon nicken still. Der Zauber des Mediterranen, er flammt nicht nur in der hitzigen Lebensfreude, im Feuer der Rhythmen auf. Er liebt ebenso den Einbruch der Dunkelheit, die Stille am Ende eines zu warmen Tages, wenn die Luft noch flirrt und die Menschen aufatmen können.
Die Nacht wird kühl. Aber kalt, gar nasskalt konnte es vorgestern im Burginnenhof nicht werden. Für das Sonderkonzert der Jazz Initiative im Rahmen des Fantastivals setzten Quadro Nuevo fast ausschließlich auf Mediterranes. Und dies beinhaltete, so Saxophonist Mula Francel, auch das passende Wetter. Und hätten sich tatsächlich dunkle Wolken genähert, Quadro Nuevo hätten sie mit einem Regentanz vertreiben. Wir glauben es Francel aufs Wort.

Ein Tango auf Italienisch
Denn diese vier Musiker sind Magier. Sie beherrschen die Stille, den Rhythmus, die Harmonie. Sie fliegen auf einem orientalischen Zauberteppich über das Mittelmeer, nehmen das Publikum im ausverkauften Burginnenhof mit auf eine Reise von Spanien über Italien ans Schwarze Meer und wieder zurück. Ein Tango. Ja. Aber ein italienischer. Schon mischen sich französische Musetteklänge in Andreas Hintersehers Akkordeonspiel. Rasch über die Pyrenäen, Robert Wolf lässt seine Finger auf der Gitarre Flamenco tanzen. Didi Lowka treibt das Tempo auf der arabischen Darabuka an.
Die Vier von Quadro Nuevo sind musikalische Kosmopoliten. Eine ihrer vielen Heimaten, Antiochia. Die antike, römische Metropole, in der Paulus predigte, wo bis heute die Religionen und Ethnien Seite an Seite leben. Quadro Nuevo zeigen ihre Vielfalt in einem einzigen Stück. Bunt, auf- und anregend wie ein Basar.
Noch ein Tango. Nicht einer dieser gefährlichen argentinischen voll verzehrender Leidenschaft. Nein, ein italienischer. Heiter, ausgelassen, übermütig. Wenn dich dein Mädel nicht will, lieb deine Gitarre, die bleibt dir treu. Quadro Nuevo lassen sich von ihrer eigenen Spielfreude anstecken. Sie treiben Schabernack mit der Musik. Die Klarinette dudelt ausgelassen, schwingt sich ganz nach oben, wippt auf dem Drahtseil Francels langen Atems. Die Funken des „Tico tico"-Feuerwerks sind verflogen, nun glimmen sie in einer in blaues Licht getauchten Klangcollage vor sich hin. Ein Flämmchen genügt, das Feuer neu zu entfachen.

Fliegen auf dem Zauberteppich
Dazu plaudert Mula Francel, scherzt mit dem Publikum. Ein trockener, schräger Humor. Der auch musikalisch funktioniert. Aufstellung zum Säbeltanz. Das Duell vierer Musiker an einem einzigen Xylophon. Irre, wie sie das alte Kabinettstückchen in Stücke hacken. Um gleich danach an den Bühnenrand zu treten und im Pianissimo dem Dinslakener Jazzpublikum den Klang der Stille zu lehren. „Wir spielen morgen in Graz, kommt doch einfach mit", lädt Francel die Zuschauer ein. Gerne würde man auf Quadro Nuevos Zauberteppich weiter mitfliegen. Quadro Nuevo spielten im Burginnenhof und verzauberten das Fantastival-Publikum.

Betina Schack



Bitter-süße Sommernacht
16.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Tango schmeckt nach Sommer und duftet nach bitter-süßem Milchkaffee, zumindest wenn „Quadro Nuevo“ ihn spielen. Bei der Fantastival-Jazznacht im Burginnenhof lud das Quartett zu einer sinnlichen Reise durch Europa ein.
In Polen hat die Sonne den Blues. Sie ist müde, und so schwermütig, dass der anschließende Spaziergang durch die engen Gassen Neapels im beinahe verklungenen Italien der 20er Jahre geradezu verträumt daher kommt, federleicht, warm, zärtlich.
Mulo Francel wird den Zuhörern später erklären, dass das Lied den Titel „Un sorriso d’amore“ trägt. Auch wer des Italienischen nicht mächtig ist, hat längst verstanden: Das kann nur „Das Lächeln der Liebe“ bedeuten. Denn genau so hat es geklungen, was die vier Instrumentalisten da soeben in die – zugegeben etwas kühle – Dinslakener Sommernacht haben schweben lassen.
Dass das Publikum magische Moment erlebt, liegt an den „magnetischen Melodien“, die Quadro Nuevo auf seinen Reisen quer durch Europa gesammelt haben. Daraus entstanden Lieder, an denen der Staub der Straße klebt, die mit Elementen des Flamenco, der Valse Musette, des Balkan-Swing und einer unvergleichlichen mediterranen Leichtigkeit durchwirkt sind. So entsteht Tonpoesie auf höchster emotionaler Ebene. Quadro Nuevo trägt sie mit einer solchen Hingabe vor, dass das Publikum immer wieder begeistert applaudiert.

Reise nach Antakya
Robert Wolf an Gitarre und Bouzouki, D. D. Lowka an Kontrabass und Trommel, Andreas Hinterseher am Akkordeon und Mulo Francel an Klarinette, Bass-Klarinette und Saxophon sind zu vielseitig, als dass sie in eine der üblichen Genre-Schubladen hineinpassen würden. Sie machen ihr ganz eigenes Ding. Gerade noch haben sie auf Zehenspitzen und leise gehauchten Tönen das Land durchquert, in demdie Zitronen blühn, schon stehen sie im fernen Antakya im Südosten der Türkei just auf dem Felsen, in den Apostel Petrus vor langer Zeit die erste christliche Kirche schlug. Ein schöner Ort, um Sehnsuchtsmusik genussvoll in die vor Hitze flirrende Luft steigen zu lassen.
Die vier Virtuosen lieben ihre Musik, und das Publikum liebt es, sie musizieren zu hören. Ganz gleich, ob sie liebevoll Filmklassiker entstauben oder alten Schlagern wie Dalidas „Paroles, Paroles“ neues Leben einhauchen, ob sie Leichtes, Verträumtes, Sehnsuchtsvolles oder Melancholisches in die Ohren der gut 300 Zuhörer träufeln – jeder Ton zeugt von Einfühlungsvermögen, ist Können gepaart mit Spielfreude.

„Säbeltanz“ auf dem Xylophon
Am Ende eines großartigen Konzerts gönnen sich die phantastischen Vier noch einen musikalischen Spaß. Sie spielen – ach was: verwirbeln – Khatchaturians berühmten „Säbeltanz“ auf dem Xylophon, und das achthändig.
Tosendem Applaus folgt die fragilste Zugabe der Welt. „Bitte atmen Sie ganz leise“, verabschiedet Quadro Nuevo das Publikum. Die Zuhörer verstummen. Ein letztes lyrisches Säuseln schwebt ins Dunkel, und die 14 Grad kalte Nacht fühlt sich plötzlich ganz warm an. Buona Notte.

Ralf Schreiner

Coverrock vom Feinsten
11.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. „Und jetzt noch ein Stück, das kaum einer kennt, aber wir spielen es trotzdem", hauchte Frank Henkes um kurz vor 23.30 Uhr ins Mikro. Es folgte das Gitarrenintro von Markus Exner: „Satisfaction"! Auch die letzten der rund 850 Fans im Burgtheater sprangen jetzt auf, viele tanzten vor der Bühne. Aber nicht nur „Mick Jagger und Keith Richards aus Neuss" mit ihrer Stones-Tribute-Band begeisterten bei der Coverrocknacht am Freitagabend zum Auftakt der Jubiläumswoche „Zehn Jahre Fantastival", auch die „Dire Strats" und „Back Doors Man" hatten viele Fans und sorgten für beste Stimmung.
„Jim Morrison lebt", stießen sich einige Besucher an, als Wolfgang Eckert zu Klängen von Carl Orff's „Carmina Burana" pünktlich um 19.30 Uhr die Bühne betrat. In der Tat erinnerten seine Stimme und Ausstrahlung sehr an den legendären und 1971 verstorbenen Doors-Sänger, und an den Keyboard-Klängen hätte der alte Ray Manzarek seine Freude gehabt. „Break On Through" und der „Alabama-Song" zum Auftakt, lange Stücke, viel Improvisation – die Doors eben.

Psychedelische Klänge
Erste Stimmung im überwiegend Ü-40-Publikum kommt auf beim „Roadhouse Blues", Eckert zündet sich zu den psychedelischen Klängen genüsslich eine Zigarette an, trinkt aus der Köpi-Flasche, zeigt wippend seinen Allerwertesten in schwarzer Lederhose. Es folgt mit „Light My Fire" der wohl größte Doors-Hit und „Jim" springt von der Bühne, läuft singend durch die Besucherreihen und an den Catering-Ständen vorbei. Staunendes Umdrehen, viel Applaus. „L.A. Woman" kommt sehr rockig daher, ein kurzer Regenschauer, Eckert krümmt sich wie beim Entzug und nach genau einer Stunde ist Schluss: „When The Music's Over"!
Kurze Umbaupause, die „Dire Strats" aus Bremerhaven kommen. „Down The Waterline" und „Lady Writer" machen gleich deutlich: Jetzt kommen auch das etwas jüngere Publikum und vor allem die Weiblichkeit auf ihre Kosten. Tolle Stimmung, Wolfgang Uhlich entlockt seiner Gitarre den typischen Knopfler-Sound („Super"-Rufe!), Peter Spencer schafft ganz gut die Tonlage des einstigen Dire-Straits-Frontmanns. „Wer ist denn verliebt von euch?", fragt er. Viele Hände recken sich – natürlich folgt „Romeo And Juliet". Beim „Walk Of Life" wird getanzt und es folgt bereits das als Zugabe erwartete „Sultans Of Swing". Denn auch die „Dire Strats" müssen sich an den vorgeschriebenen Zeitrahmen halten. Nach „Tunnel Of Love", „Money For Nothing" und der schönen Ballade „Brothers In Arms" treten die Nordlichter ab. „Zugabe, Zugabe", schallt es von den Rängen. Gegen das Protokoll kommt Uhlich mit Keyboarder Lars Leminski zurück und spielt noch das Instrumtalstück aus dem Film „Local hero" – große klasse!

Beste Party-Stimmung
Der Umbau auf der Fantastiva-Bühne für die Stones Tribute Band dauert länger, aber um 22.30 Uhr ist es soweit. Frank Henkes stürmt gestenreich aus dem Nebel hervor und intoniert „Start Me Up". Die „schmutzigen" Gitarrenriffs von Markus Exner ergeben fast den Rest – der Sound der Rolling Stones im Burgtheater! Auch der Rest der Tribute Band um „Mick Jagger" und „Keith Richards", verstärkt mit zwei tollen Bläsern, trägt zu bester Party-Stimmung bei, Henkes ist ständig in Bewegung – auf, vor der Bühne, mitten im Publikum. Das kommt an.
„Brown Sugar", „Paint It Black", das lange „Midnight Rambler" mit Mundharmonika, das bluesige „Rock Me Baby", „Miss You" und natürlich „Honky Tonk Woman" (auch viele Männer tanzen): Kaum ein Stones-Hit wird in gut einer Stunde ausgelassen. Nach „Let's Spend The Night Together", „Sympathy For The Devil" und besagtem „Satisfaction" ist es 23.30 Uhr, der Ton wird leiser gedreht. Schade für die Zugaben „You Can't Always Get" und „Jumping Jack Flash". Ein toller Rockabend!
Wolfgang Uhlich, Peter Spencer, Thomas Fiebig (v.l.) und Co. kamen als „Dire Strats" beim Publikum sehr gut an. Der Gitarrensound war eine gute Kopie des großen Mark Knopfler. Je später der Abend, umso mehr wurde getanzt. Die Reinkarnation von Jim Morrison: Wolfgang Eckert und Band ließen die Doors-Fans im Publikum jubeln.

Peter Neier



Wenn Wolfgang den Jim macht
11.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Jim Morrison ist tot. Die Dire Straits gibt‘s nicht mehr. Die Stones sind zu teuer. Macht nichts. Auch Coverbands sorgen für Partystimmung. Zum Auftakt des Fantastivals schickte die Freilicht AG gleich drei an den Start.
Wenn Wolfgang den Jim macht, wird Dinslaken zu Chicago. Ein bisschen zumindest. Wallendes Haar, enge Lederhose, weißes Hemd, das Mikro mit beiden Händen umfasst, die Augen halb geschlossen, schreit der Sänger der Back Doors Man den Satz, mit dem Jim Morrison vor 40 Jahren 15 000 überdrehte Fans anfeuerte, die Bühne zu stürmen: „Wir wollen die Welt, und wir wollen sie jetzt.“ Das legendäre Doors-Konzert im Mai 1968 endete im Chaos. Im beschaulichen Burgtheater geht es gesitteter zu. Da ist die berühmte Zeile aus „When the Music‘s Over“ pure Nostalgie. Die meisten Konzertbesucher sind jenseits der 50 oder ganz dicht davor. Deshalb sind sie hier. Cover-Rock ist Rock von damals – alte Musik. Da werden Erinnerungen wach. Da stellt sich die Uhr mit einem einzigen Song um 40 Jahre zurück.

Keine Zeit für eine Zugabe
Die Back Doors Man zeigen nicht nur außerordentliche Spielfreude. Sie legen auch Wert auf Authentizität. Das psychedelische Jaulen der Orgel, der fette Bass, das knochentrockene Schlagzeug – alles wie damals, alles wie bei den Doors. Frontmann Wolfgang Ecker wirbelt als reinkarnierter Jim Morrison durch den wabernden Bühnennebel, fällt plötzlich um, wälzt sich in gespielter Agonie auf dem Boden, schnellt wieder hoch, tanzt mit ausgebreiteten Armen den Schamanen. Er springt ins Publikum, küsst die Frauen wie Jim, wispert wie Jim, kreischt wie Jim und schleudert ein „L.A. Woman“ und „Break on through“ mit einer solchen Wucht von der Bühne, dass auch der coolste Nostalgiker es ehrlich bedauert, so spät geboren zu sein, dass er eine der größten Rockbands der Welt niemals hat live erleben können. Nach 60 Minuten ist alles vorbei. Nicht mal eine Zugabe gibt‘s. Zu eng ist der Zeitplan.
Die „Dire Strats“ stehen bereits in den Startlöchern, um zu zeigen, dass es nur ein einziger Buchstabe ist, der sie von ihren berühmten Vorbildern unterscheidet. Das Gefrotzel auf den Zuschauerrängen – „die sehen ja aus wie die Flippers“ – verstummt schnell. Auch in braven Hemden kann man gute Musik spielen. Die Jungs aus Bremerhaven beweisen es. Für die nächste Stunde ist Staunen angesagt, Tanzen, Mitsingen, Partystimmung. Dass ein Gitarrist von der Waterkant Mark Knopflers Fingerkuppenübungen auf der Stratocaster derart genau zu kopieren versteht, zählt zu den großen Überraschungen des Abends. Die von Wolfgang Uhlich exakt arrangierten Gitarrenparts verführen immer wieder dazu, für einen Moment die Augen zu schließen, um sich der schönen Illusion hinzugeben, Mark selbst ist es, der da mit filigranem Fingerpicking die „Sultans auf Swing“ durch die Nacht treibt und sein „Money for Nothing“ in den Himmel über Dinslaken schickt.
Kräftiger Applaus, eine Zugabe und Bühne frei für Frank. Der gab früher in der Blues Brothers Revival Band den Elwood. Jetzt macht er den Mick. Und wie.
Die Rolling Stones Tribute Band wuchtet eine Show auf die Bühne, die die Stones während ihrer „Forty Licks“-Tour in kleineren Clubs gespielt haben. Das hat den Vorteil, dass nur wenig neuer Stoff zu hören ist und um so mehr von den alten Krachern aus den 60ern. „Honky Tonk Woman“, „You can‘t always get what You want“, „Midnight Rambler“, „Sympathy for the devil“ und andere Klassiker des Dreamteams Jagger/Richards stehen auf der Setliste, die druckvoll abgearbeitet wird. Pete Fädrich und Markus Exner liefern sich – ganz in der Tradition der alten Haudegen Ron Wood und Keith Richards – glanzvolle Gitarrenduelle.

Tolle Show, super Stimmung
Josef Kirschgen macht am Schlagzeug mehr Dampf als der graue Charlie zu seinen besten Zeiten. Sänger Frank Henkes sprintet als Mick Jagger durch den Rock ’n’ Roll-Zirkus. Jede Pose sitzt. Da schwingt der Zeigefinger, da schwillt die Lippe, da gibt es leidenschaftlichen Rock aus der Röhre. Es wird gesprungen und gezappelt und gerannt, bis der Schweiß in den Kies tropft. Tolle Show, super Stimmung. Schade nur und auch ein wenig unverständlich, dass bei der Zugabe die Regler runter gezogen werden. Die Anwohner sind eh noch wach. Und „Jumpin‘ Jack Flash“ mit gebremstem Schaum klingt einfach fade.

INFO
Festes Format
Im vergangenen Jahr überraschte die Coverband „Us And Them“ das Fantastival-Publikum mit einer Pink-Floyd-Show. Diesmal gab es eine Verbeugung vor den Doors, den Dire Straits und den Rolling Stones. Das Format Cover-Rock ist interessant genug, um es im nächsten Jahr erneut ins Programm zu nehmen, sagt Thomas Bauchrowitz von der Freilicht AG. Auf der Wunschliste: eine Queen-Tribute-Formation.

Ralf Schreiner



Cover-Rock vom Feinsten - 10. Fantastival eröffnet
13.08.2008 / Stadt-Panorama / DINSLAKEN

Am Freitag war es soweit, das 10. Fantastival in Dinslaken wurde mit einer energiegeladenen Portion Cover-Rock vom Feinsten eröffnet. Das Burgtheater war bereits zum Auftakt der "Doors" mit zahlreichen Besuchern gut gefüllt, aber die Stimmung wollte noch nicht so richtig zünden. An der Band kann es nicht gelegen haben, denn diese performte die "Doors" wie zu ihren besten Zeiten! Wohl eher das zu diesem Zeitpunkt unbeständige Wetter könnte der Grund für die Zurückhaltung gewesen sein. Als dann mit Beginn der Dämmerung die "Dire Strats" die Bühne betraten, traute sich auch das Publikum so langsam aus seiner Haut, und die Stimmung stieg bis zum Ende des Auftritts rapide an. Zum Abschluss gaben die "Rolling Stones" eine mitreißende Show, nicht zuletzt durch den sehr beweglichen Frontman. Jetzt kochte auch die Stimmung im Halbrund des Burgtheaters, und die Party ging ihrem Höhepunkt entgegen, Noch bis Sonntag hält das Fantastival ein tolles Programm bereit. Infos im Internet unter www.fantastival.de. Programmhefte gibt es in vielen Geschäften in Dinslaken und auch im Bürgerbüro.

Mit sprachlichem Skalpell
11.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Einen schönen Abend habe er gehabt und das Beste sei gewesen: „Ich habe Sie ganz umsonst genossen!" Mit diesen Worten verabschiedete sich Ludger Stratmann am Samstag von seinen Zuschauern. Tatsachen zu verdrehen ist seine Stärke, den Aussagen eine unkonventionelle Ausrichtung zu geben, sein Faible. Das zeigte er nicht nur durch die Schlussworte, in denen er sich selber und nicht das Publikum als Nutznießer seines Programmes „Machensichmafrei, bitte!" ausgab.
Den typischen Arztspruch setzte er in seinem speziellen Sinne in die Tat um. Wie eine Zwiebel schälte er Haut für Haut, Schicht für Schicht wohlbekannter Gewohnheiten durch sarkastische Bemerkungen ab, bis er den wahren Kern der Verhaltensweisen freigelegt hatte: Das Bedürfnis nach Tratsch und Klatsch über Andere. „Machensichmafrei" beinhaltete die Aufforderung, sich nicht vom äußeren Schein blenden zu lassen. Stratmann betrachtet die Dinge dazu aus anderen als den üblichen Perspektiven.

Nah dran am Publikum
Authentisch wirkt das Ganze, weil er die Zuschauer da abholt, wo sie stehen und leben. So beschreibt er mit Hilfe seines „Alter Ego Jupp" Alltägliches. Jupp ist der typische Ruhrgebietsmensch. Mit dem Dativ und Genitiv hat er Probleme: „Benutzen wir nach Zufallsprinzip". Mit der Verwendung des Konjunktivs hadert er: „Wurde, wäre oder doch worden ist?", fragt er. Vielleicht liegt diese sprachliche Unsicherheit an Jupps gesundheitlichem Zustand.
Umsonst sitzt er schließlich nicht im Wartezimmer des hiesigen Arztes: „Ich steh heut morgen auf, ich denk, ich denk, wat it, war gar nicht Herr über meine Gewalt." Der Kreislauf wollte nicht so wie er sollte, deshalb geht es jetzt zum Belastungs-EKG: „Das musst du mal machen. Was zahlst du für die Muckibude? Hier kostet es zehn Euro pro Quartal, ich komm morgen wieder", so sein lapidarer Kommentar nach der Behandlung.
Während Jupps sportliche Zukunft finanziell abgesichert ist, macht Stratmann die Rentenversorgung größere Probleme. Auf die nachfolgende Generation, die „schwafelnden Großvisionäre, Börsenfreaks und Schweißfüße in Lackschuhen" sei kein Verlass mehr. Deshalb sei Alzheimer für viele eine Schutzfunktion gegen diese jungen Menschen und keine Krankheit.
Stratmann benötigt Alzheimer nicht als Vorwand, er hat eine andere Waffe: Die Sprache. Unbemerkt macht er seine Umwelt lächerlich und trickst sie aus, das Publikum eingeschlossen. Das gibt er offen zu: Er fange langsam an, „stottere ein bisschen", steigere sich langsam: „Ich will Sie hier auf die Bühne holen, als wenn Sie neben mir liegen würden." Der hämische Hintergedanke dabei lautet: „Im Liegen ist der Dicke groß, das will ich ausnutzen."

Hannah Schepers



„Auch alte Kippe kann Waldbrand“
11.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Wenn Doktor Stratmann zur Sprechstunde bittet, gibt’s tosenden Applaus schon vor der ersten Diagnose. So auch im Dinslakener Burgtheater, wo er das Fantastival-Publikum mit „Hochverehrte Dinslakener Kulturelite“ begrüßt. Sein viertes Solo-Programm „Machensichmafrei, bitte!“ beginnt – wo sonst? – in der Kleingartenanlage Bottrop-Batenbrock-Süd. Der Kabarettist lässt die vergangene Gartensaison Revue passieren, klärt über die Krankheiten anderer Gartenbesitzer und Ungeziefervernichtungsmethoden auf. Das Publikum schont er kein Stück. Als Ludger Stratmann die Rolle des Patienten im Wartezimmer annimmt, wird ein Besucher aus der ersten Reihe kurzum zum Kollegen.
Humoristisch berichtet der promovierte Allgemeinmediziner von Oma Schwalzigs Atemtechnik, die im Krankenhaus für Verwirrung sorgt und seinen posttraumatischen Erlebnissen mit Tante Lillis „Bussi-Bussi“-Begrüßung. Kein Auge bleibt trocken, denn jeder kennt mindestens eines der Szenarien, die Stratmann Comedy tauglich macht. Dabei scheut er sich nicht, selbst mitzulachen, was den Mann aus dem Ruhrpott, der Genitiv und Dativ nach dem Zufallsprinzip gebraucht, noch authentischer macht. Sei es die Geschichte von Omas tschechischem Gebiss, das nicht richtig hält oder die Anekdote von der Rehaklinik für Kettenraucher Erwin Kutscha – das Publikum klatscht und johlt begeistert.

Jugend von heute
Neben der leichten Komik schlägt der Doktor auch sozialkritische Töne an. Der zweifache Vater philosophiert über die „Jugend von heute“, die, von MTV und Türstehern erzogen, nicht bereit sei die Renten der Älteren zu zahlen. Am Ende stellt der 60-Jährige jedoch die rhetorische Frage, ob „diese“ Jugend nicht vielmehr ein Produkt der Medien sei, die die eigentliche Rüge verdienten. Der Kabarettist Ludger Stratmann pflanzt seine Pointen in die Komik des alltäglichen Lebens. So zum Beispiel, wenn er erzählt, dass Männer in seinem Alter noch einen „hohen Marktwert“ genießen. Diese These bekräftigt er damit, „dass alte Kippe auch Waldbrand machen kann“, was das kollektive Anspannen der Lachmuskeln der Zuschauer ein weiteres Mal garantiert.

Autogramme auf Rezept
Am Ende des humorvollen Abends lobt er das Publikum und freut sich über so viel Zuspruch und die fröhlichen Gesichter. Klar, dass die Zugabe nicht lange auf sich warten lässt. Und nachdem das Publikum Ludger Stratmann mit einem langen Applaus und vielen euphorischen Pfiffen ein letztes Mal verabschiedet hat, setzt er sich seelenruhig an ein kleines Tischen am Bühnenrand um Autogramme zu geben. Auf Rezept, versteht sich.

Romina Kettner

Rheinische Glückseligkeiten
14.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Die „rheinische Neunte" erklang nur wenige 100 Meter von Beethovens Geburtshaus entfernt. Konrad Beikircher, der „Immi" aus Südtirol, ließ sich gefangen nehmen vom Stimmengewirr auf dem Bonner Marktplatz. Vom näselnden „Laväändel" des Lavendelhändlers in klagendem Adagio, vom majestätischen Herumposaunen „Minne Kontakte zur Politik" des Mandel-Hein, vom Schnarrwerk des Obsthändlers, dessen markantes Organ so laut war wie seine Worte unverständlich. Beikircher kannte diese Originale alle. Er sprach mit ihnen in den letzten Jahren der Bonner Republik, er schaute ihnen aufs Maul. Im neunten Programm des Musik- und Menschenkenners werden ihre Marktschreierrufe zur Sinfonie. Beethoven komponierte für die Menschheit, für Beikircher sind die Rheinländer selbst Musik in seinen Ohren.
Die dunklen Wolken vorgestern Abend über der Fantastivalbühne sahen bedrohlich aus. „Dat is üvver Xanten, dat zieht jetzt so wech." Konrad Beikircher mag ein „Immi", ein Zugezogener sein, auf der Bühne ist davon nichts zu spüren.

Positiv denken
Längst hat er den Rheinländer verinnerlicht. Steht da, die Hände ineinander gelegt, das Kinn so tief auf die Brust gezogen, dass sein Lächeln seine Stimmbänder permanent in Schwingung hält, und lässt sich von nichts erschüttern. Ein Windstoß - „Wie schön, die Blätter fliegen." Regen in der Pause - „Aber jetzt isset vorbei". Eine Zuschauerin suchte Schutz auf der Bühne. - „Bleiben Se mal ruhig da, so eine schöne Bühnenbegrenzung hat man selten."
In zweieinhalb Stunden Programm erklärt Beikircher die Grundlagen der rheinischen Seele anhand perfekt recherchierten, historischen Begebenheiten und persönlicher Anekdoten. Was all dem gemein ist, verkörpert er an diesem nasskalten Abend selber. Die rheinische Fähigkeit, mit unerschütterlichem Vertrauen in allem das Positive zu sehen, sich keinen Stress zu machen und sich durch nichts und niemanden die gute Laune verderben zu lassen.
Beikircher kann aber auch zu schön erzählen. Clemens Augusts tödlicher Schlaganfall während eines Hoffestes, das gescheiterte Konservieren des Leichnams Barbarossas, Schützengräben und Hochwasser. Das macht Spaß, da ist was los, das sind doch Events. Kein Rheinländer kann sich einer Feier verwehren, dafür fehlt ihm das Gen. Virtuos schmückt Beikircher historische Fakten mit modernen Details aus. Schickt die Kutschen des Erzbischofs so selbstverständlich über die B9 zur Ü 30 Party auf Ehrenbreitstein wie die Düsseldorfer in die erste Frontlinie bei der Schlacht von Worringen.

Eine Wallfahrt mit Kaffee und Kuchen
Clemens August tanzte in den Himmel, St. Mokka in kleinen Örtchen Schmidt wurde vom Kaffeeschmuggel gebaut. Gegen Grippe gibt's St. Blasius. Wirkt wie Antibiotika. Wer jetzt die rheinische Lebensart noch nicht verstanden hat, dem hilft nur noch eine Wallfahrt. Mit Kaffee, Kuchen, Weißwein und Bootsfahrt auf dem Rhein. Beikirchers Lächeln in der Stimme wird zum Lallen, trunken von der rheinischen Seligkeit. Beschwingt verlassen die Zuschauer das Burgtheater, es regnet wieder. Grund zur Freude. Auf ein trockenes Zuhause oder eine Altstadtkneipe. Wie schön.

Bettina Schack



Wallfahrt nach rheinischem Ritus
14.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Was haben Kurfürst Clemens August, Ludwig van Beethoven, Zimmerwirtin Frau Münch und der Bonner Markthändler Mandel Hein gemeinsam? Nix. Oder alles. Jedenfalls dann, wenn sich ein Südtiroler auf unnachahmliche Weise auf die Suche nach dem Wesen des Rheinischen macht.
Was? Sie haben geglaubt, Helmut Kohl sei der Vater der Deutschen Einheit? Oder Michail Gorbatschow? Oder das Volk? Vergessen Sie’s. Konrad Beikircher hat die Frage am Dienstagabend beim Fantastival im Burgtheater abschließend beantwortet. Mandel Hein war’s. Der nämlich, Original vom Bonner Markt, war ein guter Kumpel von Gorbatschows Deutschland-Beauftragtem Valentin Fallin – es gibt Fotos die das beweisen – und dieser Mandel Hein hat Konrad Beikircher, ebenfalls einer seiner guten Kumpel, anvertraut, wie’s wirklich war. Hein nämlich hat dem Valentin gesagt, dass er dem Michel endlich klar machen soll, dass man 17 Millionen Menschen „nich ewich inspieren konn“. Und das war’s, Mauer weg. Wiedervereinigung.
Su, hamme mir dat och endlich emal jeklärt.

Die Rheinische Seele
Es soll nicht das einzige bleiben, was der Tausendsassa der Kabarettszene, gelernte rheinische Frohnatur mit Geburtsland Südtirol, an diesem Abend im Laufe seines Programms „Die rheinische Neunte“ klärt. Beikircher nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Gründe und Abgründe der Rheinischen Seele. Da ist zum einen die Fähigkeit feiern zu können, die das Wesen des Rheinländer beschreibt. Als Beispiel dient Beikircher der rheinische Kurfürst und Erzbischof Clemens August – morgens um zehn noch einen Schlaganfall, den ganzen Tag nichts gegessen und sich dann abends bei einer Ü-30 Party im Alter von 60 Jahren in Ehrenbreitstein zu Tode getanzt, „do könne mir beim Meisner long drop warten“. Trotz dieser Spitze gegen den amtierenden Kölner Kardinal erweist sich Beikircher als augenzwinkernder Anwalt seines Glaubens, der ja der katholische und damit der normale ist, zumal er ja mit Hilfe der Heiligen ganz praktische Lebenshilfe bietet. Vorausgesetzt natürlich, man weiß, wie Heilige wirken. Der Heilige Judas Thaddäus etwa wirkt bei Halsschmerzen. Allerdings nur bei denen der leichten Form. Er ist gewissermaßen der Salbeitee unter den Heiligen. Für schwierigere Fälle gibt’s ja den Sankt Blasius, so eine Art Antibiotikum.
Überhaupt der rheinische Glaube. Auch er ist eine Grundessenz des rheinischen Wesens. Was ihn ausmacht, hat Beikircher begriffen, als er sich als Student mit seiner Bonner Zimmerwirtin Frau Münch und ihrem Sohn auf Wallfahrt begab. Als Südtiroler mit einer Wallfahrt etwas ungemein Anstrengendes verbindend, erlebte er damals sein Wallfahrt nach rheinischem Ritus – mit viel Zeit für „ene jute Tasse Kaffee“ zwischendurch und später auch dem ein oder anderen „leckeren Schöppchen witte Win vom Drachenfels“, der zwar – „unter uns Weinkennern“ – eine ziemliche Plörre und im Grunde ursächlich für das Aussterben der Esel am Drachenfels ist, der aber immerhin dazu führt, dass die Rückkehr der Wallfahrer zu einem engelsgleichen Schweben wird.
Von Ludwig van Beethoven, von den Mädels seiner Zeit umschwärmt und ob seines dunklen Teints „dä Spaniol“ geheißen, plaudert sich Beikircher locker zum deutsch-französischen Krieg von 1870/71, den die Preußen „et Jesocks mit IQ unter Schuhgröße“ ohne die Rheinländer nie gewonnen hätten, zum Elbhochwasser, den Brüdern aus der Ex-Tätärä und wieder zurück. Dabei verfügt er über die Fähigkeit den Dialekt – sächsisch, schwäbisch, bayerisch, hessisch, ostpreußisch und, was er sonst halt gerade so braucht – gleichsam mitten im Satz zu wechseln, zur Not auch mehrmals.

Rechts und links
Und weil Rheinland ja nun auch nicht gleich Rheinland ist, hat der Linksrheiner Beikircher auch noch Tröstliches für sein rechtsrheinisches Publikum parat. Denn die rechte Rheinseite hat ein nicht wegzudiskutierendes Plus. „Nur von da aus kannste überhaupt ins Linksreinische gucken.“ Jo is jut, Herr Beikircher, dann kommense doch mal wieder – zum Rübergucken und um uns Rechtsrheinern noch so einen vergnüglichen Abend zu bereiten, oder zwei, oder drei . . .
Viel Applaus.

Jörg Werner
Der Oberwachtmeister hat 'nen Vogel
16.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Da würde sich die Polizei wohl freuen, wenn sie immer so tüchtige Freunde und Helfer hätte wie gestern der schusselige Oberwachtmeister Dimpfelmoser im Burgtheater. Unzählige Kindergarten- und andere Besucherkinder wurden Zeuge, wie der Herr Polizist sich in Unterhosen in Großmutters Liegestuhl aalte anstatt den Räuber Hotzenplotz zu fangen, um der Großmutter ihre nigelnagelneue Kaffeemühle zurückzubringen. Stattdessen bestanden Kaspar und Seppl gefährlichste Abenteuer um das außergewöhnliche Stück - es spielt beim Drehen Omas Lieblings-Rocksong - zurückzuerobern. Reinlegen wollten sie den Räuber und wurden dabei selbst gefangen genommen.
Was für ein Glück, dass der böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann den Räuber Hotzenplotz vor lauter Ärger in einen Vogel verwandelte - weil Kasper und Seppel den Vogel im handlichen Bauer so dem Wachtmeister übergeben konnten. Und weil der eine oder andere gestandene mindestens einen Meter große Vierjährige den Räuber gar fürchterlich und als Piepmatz-Version deutlich freundlicher fand.
Hätte der Wachtmeister Seppl und Kaspar und den vielen Kindern geglaubt, dass dieser schräge Vogel ein Räuber ist, hätten diese ihn nicht zurückverwandelt und Hotzenplotz hätte nicht durch die proppevollen Ränge flüchten können . . .

Hobbits, Gershwin, Sandpapier
16.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Die „Junge Sommernacht der Klassik" liebt das Reisen. Spanien, Italien und Mozarts Wien gehörten zu ihren Stationen. Im Fantastival-Jubiläumsjahr ging es für die Stadtwerke-Gala über den großen Teich. Die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Heiko Mathias Förster lud die Zuschauer zum Broadwaybummel ein und flanierte durch Hollywood.
Aus dem Flirren der Streicher erheben sich acht Bläsertöne. Wird die Bühne nicht ein wenig breiter, die Farben des Himmels und der Bäume an diesem klaren Freitagabend leuchtender? Das Burgtheater wird zum Open Air Kino, die Bilder jedoch entstehen im Kopf. „Vom Winde verweht", die Leiden des „Englischen Patienten". Die Maschinen der „Titanic" dröhnen. Der Ring, der Eine, taucht aus den tiefen Mittelerdes auf, noch feiern die Hobbits unbeschwert Bilbos einhundertundelften Geburtstag, doch Saruman rüstet schon seine Armee der Uruk-Hai auf.

Zucker für die Klarinette
X-Wing-Fighter fliegen über das Burgtheater. Der „Krieg der Sterne" ist gewonnen, nicht einmal mehr in der Musik tauchte Darth Vader auf. Schade eigentlich.
Im pinkfarbenen Abendkleid huscht Heike Maria Förster auf die Bühne, zählt die Silben ihres ersten Liedes an den Fingern ab. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blüh'n" - „Mein Gott, jetzt hat sie's", jubelt Paul Armin Edelmann. Mit „My Fair Lady", der erste Musicaleinlage des Abends präsentieren sich junge Solisten dem Publikum. Später wird der Bariton unter anderem mit „Night and Day" Jazziges in klassischem Gewand präsentieren, die Sopranistin mit „O mein Papa" das Publikum bezaubern.
Die Überraschung des Abends tönt von den Rängen des Burgtheaters herab: Astor Piazzollas „Libertango". Ein starker Auftritt des Saxophonquartetts „Claire obscure", und selbstverständlich nicht der letzte. Noch ein Gershwin mit dem gesamten Orchester, wer mehr will, darf sich auf die CD, die die jungen Musiker gerade mit der Neuen Philharmonie Westfalen einspielen, freuen.
In diesem Jahr wäre Leroy Anderson 100 Jahre alt geworden. Seine pfiffigen, witzigen Orchesterstückchen zogen sich durch den gesamten zweiten Teil des Konzertes. Anderson spielt mit den Instrumenten. Gibt der Klarinette Zucker („Clarinet Candy"), jagt einzelne Töne in rasanter Folge quer durch die Bläserpartitur („Bugler's Holiday"). Alles klingt, in jedem Ding steckt Rhythmus.
Die beiden Bauarbeiter, die mit Schutzhelm und Schubkarre in die Gala hineinplatzen, gehören zum Orchester. Rhythmisch schmirgeln sie eine Tischplatte, interpretieren Andersons „Balett" für Sandpapier und Orchester.
Dessen bekannteste Kabinettstückchen aus der Arbeitswelt gab die Neue Philharmonie Westfalen im Zugabenblock zum Besten. Der Schlagwerker übernahm die Büroarbeit und tippte das Schreibmaschinenkonzert in den Abendhimmel. Eine leichte, humorvolle „Junge Sommernacht der Klassik".
„Mein Gott, jetzt hat sie's": Heike Maria Förster ließ als „My Fair Lady" Spaniens Blühten blüh'n. (Fotos: Heinz Kunkel) Paul Armin Edelmann und ein verzauberter Abend: „Some enchanted evening" aus dem Musical „South Pacific".

Bettina Schack

Drei Jekylls und ein doppeltes Lischen
18.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. Da capo, in der 10. Sommernacht des Musicals rief Yngve Gasoy Romdal eine musikalische Erinnerung an das dramatische Highlight in der Geschichte des Fantastivals wach. „Gethsemane" aus Jesus Christ Superstar. Weiße Lichter erhellen die Zuschauerränge. Doch sind sie diesmal nicht die Vorboten eines Unwetters, sondern Blitzlichtgewitter der Fans. Auch ohne Donner und Platzregen schafft es Romdal, die Zuschauer in den Bann der neutestamentalischen Szene zu ziehen.
Und dann kommt Veranstalter Thoma Bauchrowitz und schüttet dem Sänger eine Flasche Mineralwasser über das Shirt. Gelächter auf den Rängen, ein irritierter Sänger fällt aus der Rolle, beschwert sich, kann dann nur unter Lachen weitersingen. Die Sommernacht des Musicals X bot alles, für das sie seit 10 Jahren geliebt wird. Eine tolle Besetzung, die Lieblingshits der Fans und den Charme der Unberechenbarkeit, die im Konzept dieser Show lebt und wirkt.
Eine Stunde dauerte es, bis alle Jubiläumsstars auf der Bühne gestanden haben. Das Vorprogramm mit Appetithäppchen aus dem Musical „Lady on the Stage", das im März 2009 in Walsum Premiere hat, nicht mitgerechnet. Traditionen: Bertram Ernst moderierte ausschweifend, Thomas Bauchrowitz beschenkte das Publikum mit Sekt und Eintrittskarten, nicht das erste Mal zwang höhere Gewalt zur Improvisation. Dieses Mal hatte es Peti van der Velde erwischt, Absage wegen einer Salmonellenvergiftung.

Expressiostisches Phantom
Doch die Veranstalter können sich auf ihre Profis verlassen. Kein Song musste aus dem dreistündigen Programm gestrichen werden. Pia Douwes, Maya Hakvoort und Maricel übernahmen die Stücke der ausgefallenen Kollegin.
Urgesteine der Sommernacht: Jerzy Jeszke trat bereits mit Bertram Ernst in Dinlaken auf, als es die Open Air Veranstaltung noch gar nicht gab. Als in Mimik und Gesang geradezu expressionistisches Phantom der Oper zog er Samstag nicht nur „Christine" (Pia Douwes in Bestform) in seinen Bann.
10 Jahre Sommernacht bedeuten auch ein Jubiläum für Jessica Kessler. Die ersten zwei Jahre sang sie noch im Vorprogramm. Vorgestern überzeugten sie und Maricel als Partygirls mit „Irgendwo wird immer getanzt". Selbstverständlich durften auch „Tanz der Vampire" und „We will rock you" nicht fehlen, schließlich gehörte Martin Berger ebenso zum Line up der Jubiläumsgala.
„Harte Drogen" raunte dieser. Die gespaltene Persönlichkeit Dr. Jekylls mal drei. Yngve Gasoy Romdal, Jerzy Jeszke und Reinhard Brussmann teilten sich „Dies ist die Stunde".

Starke Frauen
Das Trio ließ sich nur noch von einer wahrhaften Sensation toppen, dem Auftritt des „Doppelten Lischens". Pia Douwes und Maya Hakvoorts, die beiden großen „Elisabeths", sangen gemeinsam „Ich gehör nur mir". Was Wien nicht schaffte, Dinslaken ist es gelungen. Die Sängerinnen interpretierten die Rolle teils Hand in Hand. Und wer wollte einer der beiden den Vorzug geben? Beide haben diese Rolle geprägt, beide haben in unzähligen anderen ihre Kunst und Persönlichkeit unter Beweis gestellt. Zwei starke Frauen.
Was konnte nun noch als Finale kommen? David Moores „Licht am Ende des Tunnels"? Gab es. „Time Warp"? Wurde gespielt. Ein Feuerwerk? Es war das größte, das das Fantastival je erlebt hat. 10 Minuten jagten die Raketen vom Park über die Bühne herab, „Gold von den Sternen", während auf der Bühne weiter gesungen und gefeiert wurde. Ja dann, auf die nächsten 10 Jahre!
Das Duett der Kaiserinnen: „Elisabeth" Maya Hakvoort (l.) und „Elisabeth" Pia Douwes sangen erstmals gemeinsam „Ich gehör' nur mir". Dieses Mal nur im Blitzlichtgewitter: Yngve Gasoy Romdal. Zum Geburtstag gab es „Seasons of Love". Legt man die Rechung aus dem Musical „Rent" zugrunde, wurde die Sommernacht des Musicals 10 mal 525 600 Minuten alt.

Bettina Schack



Musicalisches Feuerwerk
18.08.2008 / RP / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

Dinslaken (RP) 2000 Besucher drängten sich am Samstagabend im Burgtheater. Zur zehnten Sommernacht des Musicals hatten nicht nur die Darsteller einen weiten Weg auf sich genommen. Zuschauer aus ganz NRW feierten ihre Stars.
Die zehnte Sommernacht des Musicals endetet mit etwas, das sie schon den ganzen Abend hinweg geboten hatte: einem imposanten Feuerwerk. Das eine, die Finalknallerei, zeichnete gegen 23 Uhr leuchtend bunte Farben in den tiefschwarzen Nachthimmel über der Altstadt. Das andere, das musikalische und darstellerische, hatte bereits seit Showbeginn um 19.30 Uhr unablässig gefunkelt.

Ein fulminantes „Best of“
„Das Beste aus zehn Jahren“ hatte Veranstalter und Moderator Thomas Bauchrowitz angekündigt – und hielt sein Versprechen. Alte Freunde der Dinslakener Musicalnacht stürmten nach- und miteinander die Bühne; alles bewegte sich an diesem Abend im Superlativ: Die Großen des Showgeschäfts gaben sich in eleganten Abendroben und glänzenden Anzügen das Mikro in die Hand und schmetterten die erfolgreichsten Hits der Musicalgeschichte. Konsequent, hatte die Sommernacht in ihrer nunmehr zehnjährigen Geschichte immerhin über 150 Lieder und knapp 70 Interpreten präsentiert. Wer da im Vorfeld ein „Best of“ verspricht, der legt die Messlatte hoch.
Vielleicht verteilte Thomas Bauchrowitz, der mit gewohnt lässiger Geste die bombastische Show moderierte, deshalb zu Beginn des Spektakels kleine „Piccolöchen“ Sekt im Publikum. Doch war Bestechung oder künstliche Stimmungshebung nicht nötig, eröffnete die niederländische Musicaldarstellerin Pia Douwes die Jubiläumsnacht doch mit dem „Dirty Dancing“-Klassiker „Time of my live“. Wer da noch ungerührt blieb, hatte immerhin drei Stunden Zeit, sich in den Bann der Interpreten ziehen zu lassen. Die holten mit hoher Sangesqualität und leichtfüßiger Darstellung die Shows der großen Weltbühnen ins Dinslakener Burgtheater. Eine kleine Sensation dabei: Die beiden prägenden Darstellerinnen der „Elisabeth“ Pia Douwes, die von 1992 bis 1994 die Kaiserin in Wien spielte, und Maya Hakvoort, die die Rolle 2003 bis 2005 im „Theater an der Wien“ übernahm, trafen an diesem Abend zum ersten Mal auf einer Bühne aufeinander. Und teilten sich den Aufritt zu „Ich gehör nur mit“ schwesterlich und Hand in Hand.
Bekannten“ bescherte Thomas Bauchrowitz dem Publikum. Jerzy Jeszke, die Urbesetzung des Musicals „Les Miserables“ und ehemaliges „Phantom der Oper“ aus Hamburg überzeugte besonders beim „Phantom Duett“ mit Pia Douwes. Ebenso wie Yngve Gasoy Romdal, der dem Publikum noch durch seinen unvergesslichen Regen-Auftritt bei der Sommernacht 2004 in Erinnerung war, und diesmal, zwar noch mit argwöhnischem Blick gen Himmel, aber völlig trocken bleibend, Stücke aus „Mozart“ und „Jesus Christ Superstar“ zum Besten gab.

„Lecker Schnittchen“ am Mikro
David Moore, den Kollegin Maricel als „lecker Schnittchen“ ankündigte, überzeugte mit „Bui Doi“ aus dem Musical „Miss Saigon“, in dem er 1990 die Erstbesetzung des „John“ spielte. Maricel, selber durchaus als „lecker Schnittchen“ zu beschreiben, rockte Bühne und Publikum beim Aida-Fetzen „Sinn für Stil“ und tänzelte grazil in Badetuch und Turban vor den Musikern umher. Besonderes Schmankerl für alle Fans von Jessica Kessler: Die gebürtige Dinslakenerin animierte mit „Somebody to love“ aus „We will rock you“ und, gemeinsam mit Martin Berger, mit einem Auszug aus „Tanz der Vampire“ zu standing ovations.
Bei so viel musikalischer Munition mutet das Himmels-Feuerwerk am Ende fast ein bisschen blass an.

Lena Steeg

Rote Rosen für die Amigos
19.08.2008 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

DINSLAKEN. „Am Anfang war es nur ein Wort, doch bald waren sie in aller Munde, die Amigos, und immer mehr hörten ihre Musik. Die Musik von den Amigos, heute sind sie die bekanntesten Musikanten, wobei die Musik aus dem Bauch und dem Herzen kommt", so lautete am Sonntag der dramatische und einnehmende Vorspann vor dem Live-Auftritt im Burgtheater. Zuerst spielte das Wetter noch mit und alle Besucher hofften auf einen regenfreien Auftritt. Denn wie die beiden Künstler betonten, hat Petrus ja ein „Amigos"-T-Shirt an.

Lieder aus der Heimat
Mit „Komm tanz mit mir" eröffneten sie das Programm. Das begeisterte Publikum feierte seine Künstler, indem es mitsang oder in die Hände klatschte. Von den Fans erhielt das Gesangsduo rote Rosen liebevoll überreicht. Es war zu spüren, wie tief die Bindung von den Sängern zu ihrem Publikum war. Ein Teddy saß während des Konzerts auf einem der Lautsprecher und wurde später einem Fan geschenkt. Gesungen wurden Lieder aus der Heimat, über Themen, die den „Amigos" nahe gehen. Über Geschichten, die Freunde ihnen erzählten, wie „Das Mädchen aus dem Vogelsberg", „Juanito" und „Wenn ein Engel durch die Hölle geht".
Mit zu ihrem Repertoire gehört auch die Seemannsromantik. „Das weiße Schiff verlässt den Hafen" war eine romantische Ballade, die den Sehnsüchten der Menschen gerecht wurde, die die meiste Zeit des Jahres fern von zu Hause auf dem Meer sind.
Als Botschafter des „Weißen Rings" setzen sich die beiden Musiker für Kinder ein, die von ihren eigenen Eltern missbraucht werden. Mit dem Lied „Der Schattenmann" wollen sie Akzene setzten, denn das Thema berührt die Sänger sehr. Sie stellten den Zuhörern die Frage, was mit Kindern geschieht, denen der Raum genommen wurde, in den sie sich eigentlich zurückziehen können, wenn es außerhalb des Elternhauses Probleme gibt?

Kontakt bei der Autogrammstunde
Nachdem die „Amigos" ihr letztes Lied gesungen hatten, gaben sie ihren treuen Fans noch die Möglichkeit, während einer Autogrammstunde mit ihnen in Kontakt zu treten.
Trotz des starken Regens war es ein musikalischer Auftritt, der nicht nur durch den Gesang, sondern auch durch die Menschlichkeit der beiden Sänger geprägt war. Hand in Hand: Die Amigos suchen die direkte Nähe zu ihrem Publikum. Freunde der Amigos zeigen ihre Zuneigung auf dem T-Shirt.


Astrid Gleussner

Kommentare   
Verbale Spitzen, die ins Schwarze treffen
10.06.2007 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Volker Pispers gehört zu den direktesten, analytischsten und brillantesten Köpfen des politischen Kabaretts. DINSLAKEN. Das Fantastival öffnete am Samstag die Tore des Burgtheaters für seinen in diesem Jahr zweiwöchigen bunten Spartenmix aus Musik und Humor. Bei bestem Wetter und ausverkauftem Haus. Ideale Rahmenbedingungen also für einen vergnüglichen Abend, fürs politische Kabarett. Volker Pispers Programm "...bis neulich" ist seit fünf Jahren ein Dauerbrenner. Das Burgtheater musste in seiner Kapazität aufgestockt werden und doch wurden längst nicht alle Kartenwünsche erfüllt.
"Gehen Sie auch nur ins politische Kabarett, um später sagen zu können, ich war dagegen?" Volker Pispers ist im Laufe seiner Karriere ein Mann für ausverkaufte Häuser geworden, seine Überzeugungen und das Verständnis seiner Profession verkauft er nicht.

Boshafter Chronist
Doch er weiß, dass sein in Scharen strömendes Publikum für einen Abend lacht, um die nächsten Jahre so weiterzumachen wie bisher. In dieser Beziehung sei Kabarett wie Kirche, lästert er. Und bleibt weiterhin boshafter Chronist. Aktualisiert, ergänzt seine teils 16 Jahre alten Texte. Für langjährige Fans die erschreckendste Erkenntnis des Abends: Vergleicht man seine Änderungen und Neuerungen zu den Themen Sozialpolitik und Naher Osten, kann man Pispers Frage "Wovor haben Sie Angst?" leicht beantworten. Die abstrakte Terrorgefahr und das passive Rauchen sind es nicht.
Volker Pispers ist der große Analytiker unter den Kabarettisten. Samstag redete er über drei Stunden. Legte die Entwicklung im Nahen Osten seit Khomeini dar, bilanzierte das System der Wachstumssteigerung und seine Auswirkungen. "Unsere Art zu leben wird unsere Art zu sterben". Er jongliert mit Zahlen, mit Fakten und braucht im Vergleich zu früher kaum noch absurde Querverbindungen zu ziehen. Das nehmen ihm die Opfer seiner verbalen Spitzen inzwischen selbst ab.
Ob "Rollstuhltäter" Schäuble, den Pispers gerne einmal im Guantanamo-Käfig auf dem Dinlakener Altmarkt ausstellen würde, ob "Münte", der sich nicht einmal mehr vor seinem eigenen Ersprochenen ekele, ob Schröder, der sich als billiger Roter schwach im Abgang erwies oder Angela Merkel, die auch beim Einsatz im Irak für eine gemeinsame Lösung plädierte. Jeder bekommt bei dem scharfzüngigen Düsseldorfer sein Fett ab. Die, die an der Macht sind, und die, die mitmachen. Juristen und Ärzte, Vermögensberater und Wähler. Pispers erzielt mit seinen brillanten Sätzen Lacher und Schmunzler.

Eingefrorene Mundwinkel, atemlose Anspannung
Die stärksten Augenblicke sind jedoch die, wenn es im Publikum ganz still wird. Eingefrorene Mundwinkel, atemlose Anspannung. Pispers ist ein schonungsloser Verfechter seiner Überzeugungen, ein unermüdlicher Aufklärer. "Was glauben Sie, was in diesem Land los wäre, wenn mehr Leute begreifen würden, was hier los ist?" Nicht alles, was zum Lachen ist, ist lustig. "Bis neulich" und bis zum nächsten Mal.
SO GEHTS WEITER Pispers war nur der Anfang. Heute gehts im Burgtheater weiter mit "Jazzindeed". Michael Schiefel, der blauäugige Sänger der Formation, "verjazzt" alles, was ihm unter die Ohren kommt. Heute nimmt er sich die Neue Deutsche Welle vor. Wie sich das anhört, können Fantastival-Besucher ab 20 Uhr erleben. Dafür müssen sich die Jazz-Fans zwar nicht warm anziehen, eine Regenjacke könnte aber zur Sicherheit nicht schaden. Es soll laut Vorhersage am Abend noch kuschelige 23 Grad warm sein, aber wolkig. Auch Regengüsse sind möglich.

BETTINA SCHACK



Donnerwetter von der Bühne
11.06.2007, RP ONLINE

Das Wetter spielte mit. Der Auftakt zum Fantastival am Samstagabend im Burgtheater blieb gewitterfrei. Das Donnerwetter blieb dennoch nicht aus. Es kam von der Bühne des Burgtheaters. Volker Pispers war da.

Volker Pispers, keine Frage, ein Blick in das ausverkaufte Rund des Burgtheaters am Samstagabend bewies das eindrücklich, spielt in der Bundesliga des politischen Kabaretts. Da macht es dann auch nichts, dass die Dinslakener vieles von dem, was Pispers ihnen an diesem Abend zu sagen hat, bereits bei seinem Fantastival-Auftritt 2004 von ihm gehört haben. Im Gegenteil: „Bis neulich“, Pispers Best-off-Programm aus 20 Jahren Solokabarett, ist gerade deswegen so frisch, weil es, wie der Kabarettist ankündigt, „eine ganz wilde Mischung aus alten und neuen Texten“ ist.

Pispers verspricht nicht zu viel. Was er dem Publikum drei Stunden lang (Pause nicht inbegriffen!) um die Ohren haut, ist in der Tat eine ganz wilde Mischung, eine, die es in sich hat. Anders als bei Altkanzler Gerhard Schröder, dessen Auftritt in der Elefantenrunde nach der verlorenen Bundestagswahl der gebürtige Mönchengladbacher mit „typisch billiger Roter, ganz schwach im Abgang“ kommentiert, ist Pispers Programm weit entfernt von schnellem, billigem Genuss. Seine Pointen werden besser, je länger sie reifen. Und das hat eindeutig damit zu tun, dass die Zeitläufe Pispers Ätz-Urteile über die Akteure auf der Politbühne mehr und mehr zu bestätigen scheinen.

Pispers ist kein Mann des Floretts. Er greift zum schweren Säbel, gern auch mal zur Streitaxt und lässt es so richtig rumsen. Pispers ist böse, er ist zynisch, er ist verletzend – und fürchtet dabei weder Papst noch Bundeskanzlerin, die er im Übrigen am liebsten wörtlich zitiert, weil „mir noch keine bessere Möglichkeit eingefallen ist, sie zu beleidigen“. So geht’s durch die Themen der Zeit von Gesundheitsreform bis Irakkrieg, von Eva Herrmann, die ihm als Beleg dafür herhalten muss, dass in diesem Land, in dem die Leute noch Geld haben, Bücher von ihr zu kaufen, auf sehr hohem Niveau gejammert wird, über Franz Müntefering – „ein talentierter Kollege“ – bis zu Franz Beckenbauer, der „Schlichtgestalt des deutschen Fußballs“. Alle Berufsgruppen kriegen ihr Fett weg. Die Ärzte – „In Düsseldorf haben wir Stadtteile, da gibt’s mehr Kardiologen als Menschen mit Herz“ – die Aktienanalysten – „Gesindel, das früher auf der Kirmes vor der Glaskugel gesessen hat“– und als Zugabe die Lehrer, über die man kein Witze machen muss, weil es inzwischen reicht, das Wort auszusprechen, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Nicht einmal sein Publikum verschont der Kabarettist. Pispers ist eben nichts für Feingeister und zartbesaitete Gemüter, Pispers sagt, was er denkt – und das Fiese ist – der Mann hat oft genug Recht. Also dann, bis neulich, Herr Pispers.

JÖRG WERNER
Großstadtmusik im Burginnenhof
12.06.2007 / NRZ/ LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Michael Schiefel und Jazzindeed begeisterten die neugierigen Besucher mit gegensätzlichen Stilrichtungen. DINSLAKEN. Zum ersten Mal Fantastival im Burginnenhof. Da ist vieles anders: die Zuschauer sitzen dort von Burgmauern statt Kastanienbäumen umgeben. Und sie sind diejenigen, die wohl beschirmt sind. Der Regen träfe die Akteure auf der Bühne. Die konnte nämlich nicht überdacht werden, die Äste eines großen Baumes hängen zu tief. Doch egal, zum Auftakt am Montagabend bliebs trocken und die Frage, ob die Musiker denn im Notfall Regencapes bekommen hätten, blieb unbeantwortet.

Und auch das war im Burginnenhof neu: Jazz im Fantastival, jedoch ohne die Jazz Initiative. Bei der war Sänger Michael Schiefel noch im September mit Thärichens Tentett zu Gast.

Jazz und Scatgesang, Synthesizer und Neue Deutsche Welle. Für die Berliner Michael Schiefel und Jazzindeed sind das keine Gegensätze. Ganz im Gegenteil. Die Loungemusik mit ihren hypnotisch treibenden und doch schwerelosen Klangschleifen hält die gegensätzlichen Stilrichtungen zusammen. Großstadtmusik.

Melancholie und pulsierendes Leben

Benedikt Aperdannier wechselt zwischen impressionistischen Klaviersoli, Keyboardbegleitung und trashigen Synthieklängen, in Jan von Klewitz Altsaxofonimprovisationen liegen Melancholie und pulsierendes Leben nah beieinander. Das alles unterlegen Rainer Winch (Schlagzeug) und Paul Klebet (Kontrabass) mit enggewebtem Drums & Bass.

Jazzindeed schaffen Klangräume. Eine Parallelwelt der Berliner Clubs legt sich über die Naturkulisse des Burginnenhofs. Das Vogelgezwitscher wird zur Ambient-Einspielung, die Glocke von St. Vincentius setzt rhythmische Akzente. Und mittendrin Michael Schiefels Gesang. Stimme oder Instrument? Der Berliner wimmert, haucht androgyn, scattet, singt mit fast kinderheller Stimme. Oder er erzählt singend. Vom Leben in Berlin, vom Kebap morgens um Vier, vom Warten auf die Telekom. Bei dieser Mischung aus Jazz und Lounge ist der Chanson nicht weit entfernt.

Frecher, fröhlicher Jazz aus der Hauptstadt

Hits der Neuen Deutschen Welle, man erkennt sie am Text. So sediert klang "Der Goldene Reiter" noch nie, so psychologisch schlüssig und unter die Haut gehend ebenfalls nicht. "Deine blauen Augen" machen sentimental, "Das Feuerzeug" schlägt erotische Funken. Ein sanftes Spiel mit dem Bekannten, verfremdet wie Schiefels Stimme im Vocoder. Die der Neuen Deutschen Welle eigene experimentelle Expressivität leben Jazzindeed erst im letzten Stück des regulären Sets aus. "Aufm Dorf und inner Stadt" stammt von Schiefels Soloalbum - frecher, fröhlicher Jazz aus der Hauptstadt.

BETTINA SCHACK



Geglückte Premiere - Fantastival auf dem Burginnenhof
Rheinische Post / Titelseite Lokalteil / Mittwoch, 13. Juni 2007

Das Fantastival hat den Burginnenhof als Veranstaltungsort entdeckt. Zur Premiere gab’s Jazz. Michael Schiefel und „Jazzindeed“ bewiesen, dass sich auch die Songs des Neuen Deutschen Welle verjazzen lassen und dass sich das dann auch noch richtig gutr anhört. BERICHT Seite B 5

Eine neue deutsche Jazzwelle
Wie es sich anhört, wenn man Musik von Bands wie Kraftwerk oder Lieder aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle in ein Gewand aus Jazzmusik kleidet, zeigten „jazzIndeed“ featuring Michael Schiefel beim Fantastival im Dinslakener Bufginnenhof.

Von Florian Langhoff

Dinslaken – „Fahr‘n, fahr‘n, fahr‘n auf der Autobahn“ erklang es von der Bühne im Dinslakener Burginnenhof. Doch weder stand hier die Band Kraftwerk auf der Bühne, noch gab es elektronische Musik zu hören. Stattdessen handgemachten, zeitgenössischen Jazz der Berliner Truppe „jazzIndeed“.

„Der Soundtrack unserer Jugend“

Als „deutschen Soundtrack unserer Jugend“, bezeichnen die fünf Jazzmusiker die Musik von Kraftwerke, Rio Reiser und der Neuen Deutschen Welle. Und genau diese wandeln Frontmann Michael Schiefel und seine Mitstreiter in atmosphärische Jazzmusik um. „Ich war der Goldene Reiter“, sang Michael Schiefel mit leicht androgyner Stimmfärbung den Text jenes Liedes, das Joachim Wittt als Solokünstler den Durchbruch in der Neuen Deutschen Welle brachte,. Immer wider veränderte Michael Schiefel seine Stimmfärbung. Mal sang der die Melodien mit, die Jan von Klewitz auf seinem Saxophon zauberte, dann unterstützte er Paul Kleber, den Bassisten der Band, im Tieftonbereich. Und natürlich wären da dann noch die elektronischen Effekte, mit denen er seine Stimme verfremdete, Ein wenig Hall? Ein bisschen beruhigendes Meeresrauschen? Für Michael Schiefel kein Problem.

Auch die übrigen Mitglieder der Band sind Jazzmusiker, die ihre Instrumente auf hohem Niveau bedienen. So glänzte Jan von Klewitz mit mitreißenden Soli auf dem Saxophon, währen d die Finger von Paul Kleber über den Hals seines Kontrabasses flitzten. Für ein buntes Gemisch aus jazzigen Klavierklängen und typischen Elektroniksounds aus den 80er Jahren sorgte Benedikt Aperdannier an Piano und Keyboard. Und dann wäre da ja noch Schlagzeuger Rainer Winch.

Schlaginstrument Vase

„Spiel uns die Vase, Rainer“, kam die Ansage von Michael Schiefel, und schon hatte der Drummer das „Instrument„ in der Hand und erzeugte damit ganz eigentümliche Percussionsklänge. Seine Bearbeitung des Schlagzeugs mit Rührbesen und Bürsten war dann auch ebenso einzigartig, wie sein Schlagzeugsolo im selbstkomponierten Stück „Queen Margrethe“.

Mit viel Können an ihren Instrumenten und einer Mischung aus Stücken über ihre Heimatstadt Berlin, Liedern aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle und selbstgeschriebenen Nummern gelang es der Band, das Publikum im Dinslakener Burginnenhof zu begeistern. Immer wieder gab es von den Zuschauern auch während der Stücke Beifall für die Musiker. Besonders Sänger Michael Schiefel konnte sich über den Zuspruch des Publikums freuen. Und so verabschiedeten sich jazzIndeed nach mehreren Zugaben und lautem Applaus des Publikums.

INFO

jazzIndeed
Auch auf dem Album „Blaue Augen“ von jazzIndeed trifft zeitgenössische Jazzmusik auf Texte aus der Zeit der Neuen Deuschen Welle. Aber auch komplette Eigenkompositionen der Band sind auf der CD enthalten. Weitere Informationen zu jazzIndeed gibt es im Internet unter der Adresse www.actmusic.com


Dudelsäcke in Dinslaken-sur-mer
13.06.2007 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Für ein paar Tänze lang verlegten "An Erminig" den Burginnenhof an die bretonische Atlantikküste. DINSLAKEN. "Dinslaken-sur-mer". Im Burginnenhof, mit Blick auf den Sitzungssaal des Rathauses, in dem Stunden zuvor noch Politik und Verwaltung über ein neues Einkaufszentrum am Neutorplatz berieten, stellte Hans-Martin Derow von der Folkgruppe "An Erminig" am Dienstag einen ganz anderen Ansatz zur Stadtentwicklung vor: "Dinslaken liegt heute Abend am Atlantik". Ortsverschiebungen. Das Fantastival machts möglich. Am zweiten Abend des "kleinen Festival" im Burginnenhof stand Folklore auf dem Programm. Musik mit Dudelsack, Akkordeon, Flöten, Gitarren und - für die keltische Musik unerlässlich - die vieroktavige, diatonische Harfe. Barbara Gerdes zupfte die Saiten, und die Fabelwesen der bretonischen Sagenwelt schienen aus den Ritzen der Burgmauern und den Verästelungen der Bäume auf die Bühne zu lugen.

Steine, Regen und Einsamkeit

Die Bretagne habe von allem mehr als andere Regionen, zitierte Derow vorgestern. Mehr Steine, mehr Regen, mehr Einsamkeit. Mehr Tänze und mehr Geschichten, möchte man ergänzen. Traurige Gesänge, die von grausigen Taten erzählen. Wie die Ballade vom Küstenort, dessen Bewohner ein Feuer auf dem Kirchturm zündeten, um ein Schiff ins Verderben zu leiten. Heitere Lieder wie das der Salzarbeiter, die vom Pärchen singen, das schamlos dem Bauern seinen Weizen im Feld zerliegt. Oder Praktisches. Zählt man bei Arbeitsliedern rückwärts, ist das Ende in Sicht - zumindest vom Gesang.

Und überall wird getanzt. Lebhaft, gar kompliziert im Norden, gemächlicher im Süden. Doch überall auf ähnlich gewebten Klangteppichen. Die Musik erreicht ihre hypnotische Wirkung durch Minimalismus. Aus kleinsten Motiven, zwei bis viertaktigen Themen und engen Tonumfängen spinnen Barbara Gerdes (Harfe, Traversflöte, Bombard und Leier), Hans-Martin Derow (Gitarren, Akkordeon) und Andreas Derow (Gesang, Geige, Akkordeon, schottischer Dudelsack) filigrane Netze.

Mal eine überraschende harmonische Wendung, mal ein Innehalten für ein endlose Weite verheißendes Travers-flötensolo. Endlos scheinen diese Tänze, kleine Varianten in den Stimmen packen die Hörer, ziehen sie tiefer in Trance. Die Gastmusiker Amby (Percussion) und Thomas Doll (Bass) verleihen den Rhythmen der Musik kaum merklich mehr Gewicht.

Seit 1975 widmen sich "An Erminig" der Pflege und Verbreitung bretonischer Folklore. Ein klein wenig erinnert ihr Engagement an Asterix. Denn in der keltischen Musik hat die Bretagne mit einer Übermacht zu kämpfen: Irland. Dessen Reels und Gigs lagen jedoch vorgestern für das Publikum im Burginnenhof in weiter Ferne. Ein Lächeln lag auf ihren Gesichtern, als sie von An Erminig eine Zugabe forderten, in Dinslaken-sur-mer.

BETTINA SCHACK



Keltentänze im Burginnenhof
14.06.2007 / RP / DINSLAKEN

Im Rahmen des Dinslakener Fantastivals nahm die Gruppe „An Erminig“, mit ihrer keltischen Musik, das Publikum im Burginnenhof mit auf eine musikalische Reise in die Bretagne.

„Heute Abend liegt Dinslaken am Atlantik.“ Mit diesen Worten stellte Hans-Martin Derow, Gitarrist der Gruppe An Erminig, den Zuschauern im Dinslakener Burginnenhof eine musikalische Reise in die Bretagne in Aussicht. Und er hatte nicht zu viel versprochen.

Mit schottischem Dudelsack, Bombarde, Holzquerflöte, Geige und Akkordeon – den typischen Instrumenten keltischer Musik aus der Bretagne – entführten An Erminig das Publikum in den Nordwesten Frankreichs, direkt an die französische Atlantikküste. Ob mit fröhlichen Tänzen, melancholischen Balladen oder Shanty- und Polkaklängen: An Erminig begeisterten das Publikum mit zauberhaften und eingängigen Melodien sowie Rythmen, die zum Tanz im Burginnenhof einluden. Ein Angebot, das von einigen Zuschauern auch angenommen wurde.

Denn Tanzmusik dominierte das Programm der Gruppe. Kein Wunder. Schon als Schüler reisten Andreas Derow, Barbara Gerdes und Hans-Martin Derow, die drei Bandmitglieder von An Erminig in die Bretagne. Und dort ist es in der Regel so, dass zur traditionellen, keltischen Volksmusik auch getanzt wird. 1975 gründeten die drei dann in Bonn die Band, und seit 1976 leben die drei Bandmitglieder im Saarland beziehungsweise in Lothringen. Mittlerweile haben sie die Bretagne sehr oft besucht und sich dort durch eigene Recherche und Teilnahme an Kursen für bretonische Tänze und Zusammenarbeit mit Instrumentalisten der dortigen Musikszene immer mehr Kenntnisse über die keltische Musik in der Bretagne angeeignet. Eine Mühe, die sich gelohnt hat.

Wenn Andreas Derow ein Liebeslied anstimmt, in dem es um den Abschied eines Matrosen von seiner Geliebten geht, dann können die Zuhörer die Emotionen in seiner Stimme mitfühlen. Und auch mit ihren Instrumentalstücken zeichneten die drei Musiker, begleitet von ihren Gastmusikern Thomas Doll (Bass) und Amby Schillo (Percussion), ein ansprechendes Klangbild der Landschaft der Bretagne, von den Küstenregionen bis hin zu den bretonischen Bergen, in denen sich – den Sagen nach – Hexen, Trolle und andere Zauberwesen tummeln.

Bei den leichten Melodien von An Erminig dürfte der ein oder andere den Wunsch verspürt haben, direkt zum nächsten Tanzfest (fest-noz) in den Nordwesten Frankreichs aufzubrechen. Zumindest tanzten einige der Zuschauer bei der Zugabe schon in einer Reihe durch den Burginnenhof. „Es hat sehr viel Spaß gemacht“, verabschiedeten sich die Musiker dann aus Dinslaken. Viel Applaus für diesen gelungenen Abend mit keltischer Musik aus der Bretagne.

FLORIAN LANGHOFF
Erst bei den "Kilians" tauten die Fans auf
21.06.2007 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Beim "Schools out" mit Nachwuchsbands brauchte das Publikum Zeit - um dann so richtig in Stimmung zu kommen. Happy birthday: Michael Wendler wird heute 35 Jahre - und will mit seinen Fans eine große Party feiern. Gemeinsam mit Nic und Jörg Bausch heizt der Dinslakener ab 20 Uhr bei der Schlager-Nacht ein. Wer dabei ist, sollte wetterfeste Kleidung mitbringen: Bei Temperaturen zwischen 13 und 20 Grad solls regnerisch werden, sagen die Wetterfrösche.

DINSLAKEN. Die erste Band hats immer schwer, heißt es. Und auch wenn die vier Jungs von "Without Wax" mit ihrem NuEmo-Sound dem Burgtheater mit kräftigem Gitarrengewitter einheizten, wollte die mäßige Stimmung nicht verfliegen. In kleinen Gruppen strömten Jugendliche nach und nach in die Musikarena in der Altstadt. Doch spätestens um halb neun, als die fünf Dinslakener von "The Kilians" mit ihrem Indiesound die Bühne rockten, wollte sich die Menge dann nicht mehr halten lassen.

Pogo vor der Bühne

Dabei versprach der Auftritt von Without Wax Großes. Denn gerade erst hatten sie sich als Sieger des Band-Contests der Freilicht AG und Sponsor Mercedes Becker feiern lassen können. Seit anderthalb Jahren erproben Sänger Yannick, Tino (Drums), Jonas (Bass) und Florian (Gitarre) ihre Lieder auf den Bühnen NRWs. Im Burgtheater feierte das Quartett den Auftritt in der Heimatstadt mit Freunden und Familie. Und so konnte sich das Ergebnis langer Probenwochenenden hören lassen. Seit Anfang des Jahres wird bei den Dinslakenern professionell und konzentriert geprobt, immer mehr eigene Songs entstehen. Und die Vier sind eindeutig schon jetzt über sich hinaus ge"waxen". Und die Schule? "Fragt besser nicht . . ."

So richtig konnte Sängerin Natalie nach dem Auftritt ihrer Band "rearview" nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten, als sie zurückgezogen im Backstagebereich saß. "Die Stimmung war schon ein bisschen negativ", bedauerte die Kölnerin. Keine ausflippenden junge Menschen, die ihren Ferienstart feiern. "20 Mädels haben versucht das Haus zu rocken." Der Rest schien den Abend lieber langsam angehen zu wollen. Gerade haben die Kölner Soulrocker das Video zu ihrer ersten EP veröffentlicht. Im Burgtheater gabs den Sound voll eindrucksvoller Musikalität, Energie und Leidenschaft live und in Farbe.

Und eine halbe Stunde später stand Sängerin Natalie dann kopfschüttelnd vor der Bühne, als "The Kilians" gerade den ersten Akkord angestimmt hatten und eine Menge von Jugendlichen am Rand die Musik der fünf Dinslakener feierten. Pogend ließen sich die Jugendlichen vom Indie-Rock mitreißen. Sänger Simon den Hartog genoss den Auftritt in der Heimatstadt sichtlich und wirbelte über die Bühne, als gäbe es kein Morgen. Kein Wunder, denn in den letzten Monaten ging es für die 19- bis 24-Jährigen im alten Tourbus quer durch die Republik.

Am Mittwoch stürmten dann die Songs der neu erschienen EP aus den Boxen und schallten durch das Burgtheater. Und irgendwie schien die Band nicht wirklich aufhören zu wollen, denn immer wieder kam sie zurück auf die Bühne und auch nach mehr als einer Stunde stimmte Sänger Simon noch zum Solo an. Kurz vor Ende rannten Jugendliche zum Merchandisingstand der Band, um wenigstens noch beim letzten Song das neu erworbene "Kilians"-Shirt in der tanzenden Menge zu tragen.

Schlag ins Gesicht

Für einen jungen Mann ging der Abend leider weniger erfreulich aus: Er hatte in der tanzenden Menge einen Schlag ins Gesicht bekommen und dabei mehrere Zähne verloren. Freunde schafften den Jugendlichen aus dem Burgtheater.

IRINA KRUSZINSKI



Schule Aus - Am letzten Schultag ließen es junge Bands beim Fantastival krachen
Rheinische Post / Lokales / Donnerstag, 21. Juni 2007

Der letzte Schultag lag hinter ihnen. Da waren Dinslakens Schüler natürlich in allerbester Stimmung und nutzten die Gelegenheit, den Start in die Ferien beim großen School’s Out-Open Air im Rahmen des Fantastivals gebührend zu feiern. Die jungen Bands ließen es im Burgtheater dann auch so cihtig krachen. Den Auftakt machten die Jungs von „Without Wax“, die den lokalen Nachwuchswettbewerb gewonnen hatten.

Erfrischend wie ein Schauer
19.06.2007 / NRZ / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Kein Geheimnis: Wenn Götz Alsmann und seine Band Jazzschlager anstimmen, ist selbst Regen inspirierend.

DINSLAKEN. Er plaudert doch so gerne. Götz Alsmann redet, wie er die Tasten seines Flügels anschlägt. Angenehm, unaufdringlich, mit Gefühl für Rhythmus und Timing. Und häufig. "Mein Geheimnis" heißt das neue Programm, mit dem er vorgestern zum "gefühlten 748. Mal" in Dinslaken gastierte. Tatsächlich war es in den letzten zehn Jahren das "verflixte Siebte" und das Ausplaudern von Geheimnissen bedeutet bei "Götzi" natürlich ein Exkurs in die Welt des Fabulierens. Wild, abstrus, voller Abenteuerlust und glühender Fantasie.

Verteufelt himmlisch

Es ist eine vergangene Welt, die Götz Alsmann zum Leben erweckt. Wanderzirkus, Findelkinder, Erich von Däniken. Wenn der Leibhaftige Pferdefuß mit dunklem Anzug kombiniert und die Hörner um die pomadige Haartolle ergänzt, unterschreibt ihm der Dr. Götz Alsmann jeden Vertrag für vergessene Noten von Michael Jarre. Nein, das glauben wir dir nicht, Götzi. Die einschmeichelnden Lieder, dieser lässige Jazz deiner so seriös wirkenden Band in Anzug und Krawatte, das kann doch kein Teufelswerk sein. Auch wenn es verteufelt schmeichelt, umwirbt und den Kopf verdreht. Halt! Die neuen Lieder der Alsmannband sind bei "Blue Note" erschienen, da ist man eher dem Jazzhimmel nah.

Die Glocke spielte mit

Kehrt die Alsmannband zum Fantastival ins Burgtheater ein, geschehen jedoch tatsächlich Rituale und Phänomene, die voller Magie sind und immer ein Geheimnis bleiben werden. Wie die Schnittmenge aus Dinslakener Ortszeit und Alsmannschem Programmschema. Der "Professor Dumbledore" des Jazzschlager orakelte es zu Beginn, in Dinslaken gesellt sich eine einheimische Musikerin zur Band. Pünktlich um 21 Uhr war es soweit: Die Musiker verließen die Bühne, nur Alsmann und Altfrid M. Sicking am Vibraphon blieben zurück. Letzterer spielt ein kleines Thema aus sieben Tönen, zwei Zählzeiten Pause, auf der Eins antwortet die Glocke von St. Vincentius mit dunklem Klang. Die beiden wiederholen das Spielchen und das Publikum lacht, weil es sich an den Scherz von vor zwei Jahren erinnert, als Markus Paßlick den Triangel schlagen wollte und statt des hellen Tons ein dunkler Glockenschlag erklang.

Leider gibt es noch einen anderen, der fast jedes Mal bei der Alsmannband im Burgtheater mitspielten will. Vorgestern setzte der Platzregen in der Pause ein. Götz im Trockenen, seine unerschütterlichen Fans in Plastikcapes verpackt. Es scheint zum Programm zu gehören wie die Solo-Ukulele nach der Pause und Paßlicks Standup-Comedy kurz vor Schluss. Doch des Entertainers Unkenrufen zum Trotz: Die Haartollen, die sich manche Zuschauer vor Beginn am Sonderstand haben toupieren lassen, hielten. Und für den Meister selbst war es ein erfrischender Schauer. Er improvisierte am Flügel über die Situation und machte so den Auftritt im Fantastival wieder einmal zu einem ganz besonderen Abend.

BETTINA SCHACK



20.06.2007 / RP / DINSLAKEN

Gar kein Geheimnis

Der Mann redet gern, sehr gern. Sagt er selbst. Er ist keiner, der sich aufs Schweigen versteht. Sagt er. Also ist er keiner, bei dem ein Geheimnis gut aufgehoben ist. In diesem Fall aber doch. Götz Alsmann war wieder beim Fantastival. Mit seinem neuen Programm: "Mein Geheimnis".

Bis dahin hatte es das Wetter recht gut gemeint mit dem Fantastival. Am Montag kam Alsmann. Und es kam der Regen. Erst tröpfchenweise und mit Pausen. Dann zur Halbzeit aus Kübeln. Es schüttete. Aber ist das ein Wunder? Schließlich hatte der Mann zuvor bei seinem "gefühlten 748. Gastspiel" in Dinslaken nun wahrlich das Blaue vom Himmel herunter fabuliert. Er hatte vom Geheimnis seiner Kindheit erzählt, von seinen Eltern, die ein Leben als Tagelöhner fristeten, ihn an einen Wanderzirkus verkauften, wo er dann beim Versuch seiner Zieheltern, ihn darüber aufzuklären, dass er gar nicht das Kind der Tagelöhner war, einen harten Schlag auf den Hinterkopf erhielt, um dann gefühlte 34 Jahre später aufzuwachen, um ihn herum dunkelgekleidete Männer mit bunten Schlipsen – seine Band.

Auch an seinen Abenteuern als Hilfsarchäologe ließ der Volldampfplauderer das Publikum teilhaben, berichtete von der Entdeckung, die er gemeinsam mit Erich von Dänicken und Indiana Jones gemacht hatte, einer Entdeckung, wegen der er dann einen Pakt mit dem Teufel einging und so in den Besitz all der auf mundgeblasenem Büttenpapier niedergeschriebenen Noten von Jarry, Grothe, Kreuder, Gietz, Müller, Berking und wem sonst alles noch kam, die die Grundlage der Kunst wurden, der sich der Mann mit der Tolle so leidenschaftlich verschrieben hat – der Kunst des deutschen Jazzschlagers, den es ja eigentlich nicht gab, bis sich Alsmann der Tradition der ganz Großen der Musikfilmzeit und des geistreichen deutschen Schlagers – ja, ja, das geht schon zusammen – angenommen und sie fortgeschrieben hat. Den Ritterschlag dafür hat er jetzt erhalten. Die CD "Mein Geheimnis" ist als Produktion des renommierten internationalen Jazz-Labels Blue Note erschienen.

Und damit nähern wir uns auch schon dem Alsmannschen Geheimnis, das in Wahrheit gar kein Geheimnis ist. Wenn er "Hey, hey großes Mädchen" ins Mikrophon flirtet, mit "Ein Gläschen Wein und Du" an den legendären Chef des RIAS-Tanzorchesters Werner Müller erinnert, wenn er musikalisch saxophonumschmeichelt klar macht, dass er in Stimmung ist, wenn er die freche Ballade vom "Blauen Montag" nachlegt oder "Vorsicht, Vorsicht" bei rotem Licht warnt, dann wird schnell klar, dass er den Swing im Blut hat und mit seinem unnachahmlichen Stil im deutschsprachigen Schlagergeschäft eine Klasse für sich darstellt. Und das dankt er auch seiner Band: Altfried Maria Sicking (Vibrafon, Xylophon, Marimba, Trompete), Michael Ottomar Müller (Bassgitarre), Rudi Marhold (Schlagzeug) und Markus Passlick (Congas, Bongos, Percussion) – jeder ein Könner. Fünf Musiker, die ihr Geschäft verstehen, die unbändigen Spaß haben, an dem was sie tun – das ist das ganze Geheimnis.

Und das erklärt dann auch, dass der sintflutartige Regen die Zuhörer an diesem Abend nicht in Scharen aus dem Burgtheater fliehen, sondern viele ausharren lässt, um zu erleben, wie Alsmann auch noch im strömenden Regen musikalisch gute Laune verbreitet, bis dann auch der Himmel ein Einsehen hat und den Sturzregen einstellt.

JÖRG WERNER
"Eine große Party"
25.06.2007 / RP / DINSLAKEN

Starke Stimmen zum Fantastival-Finale: Auch Peti van der Velde zog bei der Sommernacht des Musicals alle Register.

Mit einer großen Portion Jazz, Swing und – vor allen Dingen – Rock war sie ausgestattet, die Sommernacht des Musicals. Serkan Kaya, Pia Douwes & Co. hatten das nahezu voll besetzte Burgtheater am Samstagabend zum Abschluss des Fantastivals fest im Griff.

Mit dem Opener wurde dem Publikum direkt mal klar gemacht, in welche Richtung die Sommernacht des Musicals in diesem Jahr geht. "Are you ready to rock?" grölte Serkan Kaya in das mit 1620 Zuschauern gut besetzte Rund. Und ja, das Publikum war es. Es stampfte mit den Füßen und unterstütze bei "We will rock you" laut klatschend die Drums. Serkan Kaya bedankte sich mit einem klasse rockig-röhrendem Auftritt – inklusive Headbangen und Zunge raus strecken. Damit war der Bann schon gleich zu Beginn gebrochen. Und keiner zweifelte mehr an den Worten des musikalischen Leiters und Moderators Bertram Ernst, der "eine große Party" versprochen hatte.

Ethan Freeman brachte den Swing

Dafür sorgte auch Ethan Freeman. Der brachte im feinen cremefarbenen Zwirn – unterstützt vom grandiosen, schnippenden Background-Chor – den Swing auf die Bühne. Im Gepäck hatte der Kardinal Richelieu aus "Die drei Musketiere" die Story von "Leroy Brown" aus "Chicago", dem "badest man in the whole damn town". Dann kam der Auftritt von Pia Douwes. Und damit auch schon das Highlight des Abends. Zumindestens für den männlichen Teil des Publikums. "All that Jazz" hauchte Douwes im kleinen, glitzernden Schwarzen ins Mikro während sie lasziv und hochhackig über die Bühne stolzierte. Die Männer fächerten sich leicht verzweifelt Luft ins Gesicht. Die Anspannung entlud sich in über einer Minute andauerndem Donnerapplaus. Aftershow-Party

Nach der Show ließen Musicalnacht-Veranstalter Thomas Bauchrowitz, Freilicht AG-Chefin Anne Stieve sowie das Musical-Ensemble den Abend auf der Aftershow-Party im Garten des Weinlokals "Zur Adler Apotheke" bei Gegrilltem und Wein ausklingen.

Mit viel Volumen und einer großartigen, glasklaren Charakterstimme sorgte Jessica Kessler im rosafarbenen Abendkleid bei "Heroes" für Gänsehaut, ehe mit Andreas Bieber ein alter Bekannter die Bühne enterte und das mal melancholische, mal schwer rockende "Als die Liebe entstand" aus dem Musical "Hedwig" präsentierte. Wie gut der dreiköpfige Background-Chor wirklich war, zeigten sie bei seinem fünfminütigen A cappella-Auftritt. In bester Beat-Box-Manier legte er einen großartigen Funk-, Soul-, Hip-Hop-Auftritt aufs Parkett und wurde dafür frenetisch vom begeisterten Publikum gefeiert.

"Die grüne Hexe"
Zeit zum Durchatmen gab es bei Pia Douwes und der Premiere von "Die grüne Hexe" aus "Wicked", das im Oktober in Stuttgart startet. Doch lange zurücklehnen konnten sich die Zuschauer nicht, denn spätestens bei "You’re the one that I want" aus "Grease" forderten Jessica Kessler und Andreas Bieber das Publikum wieder ganz.

Am Ende dauerte es weit über drei Stunden, ehe die frenetisch pfeifenden, klatschenden und jubelnden Zuschauer das rockende Musical-Ensemble endgültig von der Bühne gehen ließ.

STEFFEN PENZEL



"Das rockte!"
24.06.2007 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Die wohl beste Besetzung aller bisherigen "Sommernächte des Musicals" setzte das Burgtheater unter Strom. DINSLAKEN. Es war der "Neue", der den Abschlussabend des diesjährigen Fantastivals eröffnete, und es war sein Musical, dass der neunten "Sommernacht des Musicals" frischen Wind und eine ungeahnte Power gab. "We will rock you" kündigte Serkan Kaya zu den Schlägen des bekanntesten Tom-Tom-Rhythmus der Musikgeschichte an. Und machte das Versprechen gleich war. Serkan Kaya repräsentiert die neue Generation des Musicalgenres. Kraftvolle, rockige Stimmen, die das Publikum begeistern und mitreißen.

Der Broadway ist ganz nah

Sein Partnerin des "Queen"-Musicals in Zürich, Jessica Kessler. Wer sie noch als kindliche Sarah aus "Tanz der Vampire" in Erinnerung hatte, wird seinen Ohren kaum getraut haben. Ob voller Glamour mit Mariah Careys "Hero" oder in der aktuellen Rolle der "Scaramouche" mit Mercurys "Somebody to love", die gebürtige Dinslakenerin rockt, röhrt und kreischt, dass es einen vom Sitz fegt. Wer hätte nach dem Erfolg in Hamburg geglaubt, dass in ihrer Stimme noch so viel neues Potential schlummert. Nun, es ist geweckt und Jessica Kessler ist zu Recht ein europäischer Star der Szene geworden.

Ethan Freeman, Andreas Bieber, Pia Douwes, Peti van der Velde. Jeder einzelne Name würde eine Musicalgala tragen. Doch das wäre für Thomas Bauchrowitz und Bertram Ernst nicht genug. Zur neunten "Sommernacht" setzten sie neue Maßstäbe für Qualität und Besetzung. Die Genannten, sie waren alle da. Zum ersten Mal dabei Pia Douwes. Eine Allrounderin, eine Perfektionistin. Es knistert gewaltig, wenn sie "All that Jazz" singt und tanzt, und auf einmal ist der Broadway im Burgtheater ganz, ganz nah. Vorab Ethan Freeman mit "Leroy Brown", lässig, jazzig, souverän.

Dazu Songs, die kaum jemand im Publikum kennt, die aus dem Best-of-Format "Sommernacht" eine spannende Entdeckungsreise machen. Andy Bieber singt aus dem "Trashical" "Hedwig", Pia Douwes gibt eine Kostprobe aus "Wicked". Nie gehört? Warten Sies ab. Im Herbst hat das Musical Premiere in Stuttgart. Was sind die Highlights des zweiten Teils? Bei diesen Sängerinnen und Sängern nicht zu entscheiden. Peti van der Veldes RhythmnBlues-Performance von "Another one Bites the Dust" oder das unter Strom stehende Duett von Jessica Kessler und Serkan Kaya? Pia Douwes an der Seite von Andy Bieber als Naturgewalt einer "Elisabeth"? Unmöglich zu sagen.

Ein Highlight jagt das nächste

Ein Highlight jagt das nächste, es gibt an dem Abend einfach keinen Durchhänger. Wie sang Ethan Freeman in den Nachthimmel? "Dies ist die Stunde." Gänsehaut, "We are family", noch im Burgtheater wurden mehrere Hundert Karten für die 10. "Sommernacht" am 16. August 2008 verkauft.

BETTINA SCHACK
"Hatta! Hatta!"
18.06.2007 / RP / DINSLAKEN

Hans-Werner Olm mischte das Burgtheater auf.

Glück mit dem Wetter hatten die Zuschauer, die ins Burgtheater gekommen waren, um den Auftritt von Comedian Hans-Werner Olm beim Dinslakener Fantastival anzusehen.

"Eine Laune der Natur." So beschreibt Hans-Werner Olm die Menschen, die seiner Ansicht nach alle irgendwie komisch sind – wenn der geneigte Betrachter sie denn richtig beobachtet. Das er genau dazu in der Lage ist, bewies der Comedian auf der Bühne. Ob er nun die Art persifliert, in welcher sich Menschen in verschiedenen Phasen ihres Lebens fortbewegen oder in sonorer Stimmlage vom runden Geburtstag seiner Mutter erzählt. Hans-Werner Olm beobachtet, karikiert und setzt mit seinem Wortwitz immer noch einige erzählerische Akzente. Da spielt der kleine Melvin nicht nur einfach auf der Flöte, sondern trötet die apokalyptischen Reiter herbei.

Auch musikalisch hatte Hans-Werner Olm einiges zu bieten. Wo sonst kann ein Zuhörer es erleben, wie der Welthit "As time goes by" sich wohl anhören würde, wenn Künstler wie Engelbert, Udo Lindenberg, Barry Gibb von den Bee Gees oder Rammstein das Lied spielen würden. Olm schafft es spielend, sie alle auf die Bühne zu bringen. Als der Comedian dann in seine Paraderolle schlüpfte, waren im Burgtheater Lacher garantiert. Als rüstige Rentnerin Luise Koschinsky hüpfte Hans-Werner Olm singend über die Bühne, stets auf der Suche nach "einem Mann für untenrum." Und auch ansonsten hatte Hans-Werner Olm pointierte Antworten auf fast alle Fragen zu bieten. Warum können sich Frauen nicht stilvoll betrinken? Was sollten Besucher auf einem Kirchentag singen? Und natürlich: Hat der neue 7er BMW auch Airbags? Darauf gibt es bei Olm nur eine Antwort: "Hatta! Hatta!" Die Zuschauer waren begeistert. Großer Beifall.

FLORIAN LANGHOFF



"So weit, so schlimm. . ."
117.06.2007 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. . . . ist es mit der Nation gekommen. Oder nicht? In einer augenzwinkernden Bestandsaufnahme brachte Comedian Hans Werner Olm ans Licht, was gerne im Dunkeln verblieben wäre. DINSLAKEN. Da blieb dem ein oder anderen doch glatt die Spucke weg, als Hans Werner Olm, der Grandseigneur der Humoristengilde, am Samstagabend im Burgtheater sein Programm "Eine Laune der Natur" spielte: Dem einen, der in schallendes Lachen ausbrach, dem anderen, der sich insgeheim in der Olmschen Abrechnung mit eigenwilligen Stereotypen wiedererkannte. Durch den Dschungel menschlicher Absurditäten hin zu rauschenden Wasserfällen voll Irrungen und Wirrungen des alltäglichen Lebens hangelte sich der Comedian von Klischeeast zu Klischeeast. Doch nicht immer gelang die Punktlandung.

Der tägliche Kleinkosmos

Da stiefelt pünktlich um 8 Uhr abends ein sonnengebräunter Olm auf die Fanstatival-Bühne. Von Sonne ist allerdings keine Spur. Wieder Regen-Aussichten und so kann der Comedian an diesem Abend ein in "Tiefkühlbeutel" gehülltes Publikum begrüßen, als er neben Bier und Wein auf seinem Barhocker Platz nimmt. Der "kleine Chris" klimpert am Klavier und schon sind die Dinslakener mittendrin. Mittendrin in der Welt von Tante Helga mit Füßen wie Mettigel und Wunderkind Flöten-Malvin, der ähnlich viele Talent beweist wie ein Grashalm. "So weit, so schlimm."

Und in einer Zeit, wo bereits ein Blick auf einen Fremden einen doofen Spruch provoziert, der deutscher Grammatik ferner kaum sein könnte, wo "sexuell entkernte Hausfrauen" stundenlang neumodischen Sportarten mit zwei Stöcken nachgehen und wo "Hartz IV" der neue Berufswunsch ist, da stochert und sucht Hans Werner Olm in den Abgründen täglicher Kleinkosmosdramen und fördert zu Tage, was wohl gerne im Dunkeln verborgen geblieben statt an das Tageslicht gebracht worden wäre. Den Engel links, den Teufel rechts auf der Schulter sitzend, kratzt Olm mächtig an der Charakterschale der Menschheit und versuchts mit einer augenzwinkernden Bestandsaufnahme einer Nation.

Kein Entkommen

Und so gabs für Zuschauer im Burgtheater spätestens nach der Pause kein Entkommen mehr, denn Hausschlappenträgerin Luise Koschinsky riss mit, wer nicht mindestens den Sicherheitsabstand der fünften Reihe genoss. In seiner Paraderolle als "halbe Tonne pures Dynamit", die sich resolut der Männerwelt entgegenstellt und sich mit Tosen und Krawall ins Leben stürzt, rauschte Luise Koschinsky alias Hans-Werner Olm durch das Alltagsleben und nahm mit, was nicht bei "drei" auf den Bäumen war.

IRINA KRUSZINSKI
Mit Pink Floyd durch die Nacht
18.06.2007 / LOKALTEIL / DINSLAKEN / RP

Es war nicht das Original. Dennoch kam im Dinslakener Burgtheater mit der Coverband "Us & Them" die typisch psychedelische Atmosphäre auf, die die Pink-Floyd-Fans so lieben.

DINSLAKEN. Die Luft ist schwül. Der Sound nicht minder. Der typisch psychedelische Klang des Konzeptalbums "Dark Side of the Moon" der Kultband Pink Floyd schwingt wie eine Schwade heißer Luft über die Sitzreihen des Burgtheaters. "US & Them" heißt die Coverband, die am Freitagabend mit einer beeindruckenden Sanges- und Lichtshow die Bühne in ein Revival-Fest der Sinne verwandelte.
Der Beginn der Veranstaltung, 21.30 Uhr, hatte bei den Alt-Fans selbstverständlich kein Rätselraten auszulösen vermocht. Warten es doch besonders die aufwendigen Licht- und Lasershows, die die Konzertauftritte der 1965 gegründeten Rockband Pink Floyd immer mit dem Quäntchen Originalität versahen. Das durfte natürlich auch beim Auftritt der aus Düren angereisten Coverband nicht fehlen. Und obgleich keine meterhohen Mauern, wie einst bei den legendären "The Wall"-Konzerten in Los Angeles, New York, London und Dortmund 1981, aufgebaut und anschließend wieder umgestürzt wurden, profitierte auch das Konzert im Burgtheater von seiner detailreichen Bühnenshow.

Bullaugen und Feuerspucker
Wenn nicht gerade rote oder blaue Lichtkegel die in Rauchschwaden gehüllte Bühne zu einer mystischen Kulisse verwandelten, zuckten zum Rhythmus der Musik thematisch passende Videosequenzen über eine meterhohe Leinwand in Form eines Bullauges im hinteren linken Bühnenteil. Bereits der Konzertauftakt hatte seine ganz eigenen Stimmung über die voll besetzten Reihen des Burgtheaters gebracht: Mit dem ersten Einsetzen des Schlagzeugs zeichneten zwei Feuerspucker grelle Flammen in den bereits dämmernden Abendhimmel. Mit "Shine on you crazy diamond" vom Album "Wish you were here" begrüßte die aus immerhin 13 Personen bestehende Band ihr Publikum. In einem weißen Rüschenhemd und der Begleitung von zwei Backgroundsängerinnen betrat Frontmann Thomas Holthausen die in lilafarbenes Licht gehüllte Bühne. Von "Breathe" über "Money" bis hin zu den Klassikern der Band "Another Break in the Wall" und "Mother" lieferten die Musiker eine solide Show ab. Und ließen nicht nur bei der ursprünglichen Fangeneration die Leidenschaft für Pink Floyd neu aufflammen.

Für Generationen
"Hammer, was die da zaubern", urteilte so auch der 22-jährige Tim Kauenhowen, der mit seinem Vater gekommen war. Reichlich Diskussionsstoff hätte er mit Joachim Just gehabt. Der war damals, mit seinen zehn Jahren, sozusagen ein Fan der ersten Stunde gewesen und vermisste "ein wenig die experimentelleren Stücke von 1967/1968". Trotzdem war auch der nach dem finalen Zugabe-Song "Wish you were here" fast ein bisschen sentimental.

Zehn zu Dreißig
Seit 1997 gilt "Us & Them" nun bereits als eine der beeindruckendsten Cover-Bands im deutschsprachigen Raum. In ihrer großen Besetzung aus 13 Personen, geben sowohl die neun Musiker auf der Bühne, als auch die drei Techniker davor und ein Manager hinter den Kulissen jedes Mal aufs Neue nei der Präsentation der immerhin über 30-jährigen Schaffenszeit der Originalband ihr Bestes.

LENA STEEG



Nichts für kleine Mädchen
17.06.2007 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN / NRZ

FANTASTIVAL. "Us & Them" versetzten am Freitag rund 1100 Zuhörern im Burgtheater in die Zeit von Pink Floyd.
DINSLAKEN. Das kleine Mädchen im Kinderwagen hinter Block A hat keinen Sinn für Nostalgie. Es hält sich die Ohren zu, kaum dass Gitarrist Michel Kern am Freitagabend die ersten Töne auf der Bühne des Burgtheaters gespielt hat. Die Musik, der die Mutter des Mädchens gemeinsam mit rund 1100 Zuschauern zuhört, ist dem Kind vermutlich fremd. Hypnotisch, psychedelisch, der Sound einer Band, die in den 70er Jahren ihre beste Zeit hatte - und die die Musiker von "Us & Them" beim Fantastival in die Gegenwart brachten: "Us & Them" coverte Pink Floyd. Sehr nah am Original.

Pink Floyd war immer mehr als nur eine englische Rockband, die sich in den 60er Jahren gründete und fortan mit ihrem eigenen Stil die Musik ihrer Zeit mit prägte. Die Roger Waters, David Gilmour und Co. inszenierten sich selbst bei Live-Auftritten mit bombastischen Shows, spektakulären Lichteffekten und Perfektionismus bis ins kleinste Detail. Ihre Fans lieben es, Kritiker warfen ihren Konzerten deshalb sterile Atmosphäre vor. "Us & Them" ficht das nicht an. Die Truppe aus Aachen, Düren und Düsseldorf kopiert ihre Vorbilder konsequent und erfüllt damit die Erwartungen vieler Zuschauer, von denen ein Großteil Mitte der 70er mindestens fast erwachsen war, als die Alben "Dark Side of the Moon" und "Wish You Were Here" erschienen. Die bilden Anfang und Ende des zweieinhalbstündigen Klang- und Lichtgewitters.
Wer "Us & Them" hört, bekommt auch was zu sehen: Hinter den acht Musikern laufen Videosequenzen auf einer runden Leinwand - mal bunte Farben, mal rauchende Schlote, bei "Brain Damage" tauchen Gerhard Schröder und George Bush auf. Vor der Bühne machen zwei Feuerschlucker schon beim Opener "Shine on you crazy diamond" heiße Luft. Und die Musiker? Leadsänger Tom Holthausen tut gut daran, weder exakt wie David Gilmour noch wie Roger Waters zu klingen. Er verpasst den Songs seine eigene Stimme, umso stärker, weil er mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat: Die Monitorboxen auf der Bühne fielen aus, die Musiker konnten sich selbst nicht hören und spielten quasi im Blindflug. So ist verständlich, warum Holthausen beim Song "Us and Them" den Einsatz verpasst. Das Publikum nimmts gelassen. Es sitzt auf seinen Bänken, lauscht, klatscht, lauscht.

Gänsehaut bei "Great Gig in the Sky"
Der Funke springt zum ersten Mal über, als die Backgroundsängerinnen Andrea Steen und Diana Berten mit ihrem Solo beim "Great Gig in the Sky" Gänsehaut produzieren. Wer die Augen schließt, glaubt beim Song "Us and Them" nicht Sebastian Siebel am Saxophon zu hören, sondern Dick Parry. Und Michel Kern bekommt nicht nur bei "Comfortably Numb" Applaus für sein Gitarrensolo. Bei "Another Brick in the Wall" holen sich Holthausen und Co. Unterstützung: Ein Chor aus Rheinhausen mimt die Schüler. Und zwei Solo-Stücken von Roger Waters widmen sich "Us & Them" auch - nomen est omen: "Perfect Sense I + II".
Das kleine Mädchen hinter Block A bekommt von all dem nichts mit. Als seine Mutter am Ende die letzten Töne von "Wish you were here" hört, liegt es in seinem Kinderwagen. Und schläft.Relativ Glück hatten Fantastival-Besucher am Wochenende mit dem Wetter. Auch wenn Götz Alsmann heute um 20 Uhr mal wieder auf die Bühne des Burgtheaters tritt, dürfte es trocken bleiben. So die Vorhersage. Bei 21 Grad gibt es die Andeutung einer "lauen Sommernacht".

GERARD DOMBROWSKI
Schlagerfans tanzten im strömenden Regen
Rheinische Post / Lokales / Montag, 25. Juni 2007

Von Matthias Knauer

DINSLAKEN Das ist nun mal die Gefahr bei einer Freiluft-Veranstaltung. Zuschauer und Künstler sind den Kapriolen des Wetters gnadenlos ausgeliefert. Doch von einer Stunde Dauerregen ließen sich die Schlagerfans nicht die Partylaune verderben. Bei der großen Schlagernacht des Fantastivals im Burgtheater wurde getanzt, gesungen, geklatscht und gefeiert.

Nasser Wolf

Der Himmel öffnete gleich zu Anfang seine Schleusen. Also: Regenschirme auf. Jörg Bausch hatte trotzdem keine Mühe, das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Dafür sorgten Songs wie "Wie in Wolf in der Nacht" oder "Tränen wirst du niemals sehen". Die Leute tanzten und feierten ihren Schlagerstar. Jörg Bausch zeigte sich mit den tropfenden Fans solidarisch. Er versteckte sich nicht unter dem Dach der Bühne, sondern ging hinaus in den Regen. Und da er schon mal pitschnass war, nahm er bei der Zugabe "Cowboy und Indianer" noch ein Bad in der Menge und ließ die Zuschauer für sich singen.

Dann kam Nic. Schon nach den ersten Takten sammelte sich das Publikum vor der Bühne. Anfangs noch im geordneten Foxtrott, nachher nur noch als singende und tanzende Masse. Von Sitzordnung konnte zu dem Zeitpunkt keine Rede mehr sein. Höhepunkt seines Auftritts war sicherlich der Titel "Ein Stern, der deinen Namen trägt". Am Himmel über Dinslaken waren keine Sterne zu sehen. Aus den Wolken fielen weiter dicke Tropfen.

Nach kurzer Pause wurde die Bühne für den Star des Abends freigegeben – Michael Wendler. Gewohnt souverän und mit jeder Menge guter Laune schmetterte der Dinslakener "Meine Tanzlehrerin" ins Burgtheater. Dann durfte das Publikum singen: ein Ständchen. Wendler hatte Geburtstag und bedankte sich mit Hits am laufenden Band. Selbstverständlich durften auch "Prinzessin" oder "Sie liebt den DJ" nicht fehlen.

Da hielt es kaum noch jemanden auf den Sitzen. Ein Großteil des Publikums drängte zur Bühne, der Rest tanzte auf den Bänken. Tolle Party, Riesenstimmung, kräftiger Applaus.

Michael Wendler wird am 22. September in der Arena in Oberhausen auftreten. Im vergangenen Jahr füllten 8000 Zuschauer die Halle. Mehr im Internet: www.michaelwendler.de



Ballermann im Burgtheater
24.06.2007 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Bei der Party mit Jörg Bausch, Nic und Michael Wendler gab es für die 1100 Diskofox-Fans auch im strömenden Regen kein Halten. Den Billigflug nach Mallorca konnten sie sich sparen. DINSLAKEN. Es wurde spannend vor dem Burgtheater Freitagabend kurz vor 20 Uhr: Passt Michael Wendlers Stretchlimousine auf die Willi-Dittgen-Steige? In der Breite kein Problem, aber in der Länge! Und wie kommt sie da wieder runter? Die Frage trat in den Hintergrund, als von der Fantastivalbühne die ersten Beats stampften. Jörg Bausch griff zum Mikro und beschwor die "Lust am Leben". Für die nächsten zweieinhalb Stunden gab es für die über 1100 Diskofox-Fans kein Halten mehr. Es wurde getanzt, gefeiert, mitgesungen und Party gemacht. Ballermann im Burgtheater. Den Billigflug nach Mallorca konnte sich das Partyvolk schenken, es hob mit ausgebreiteten Armen ab. Ach so, und es goss in Kübeln. Aber das interessierte keinen. War halt ne Wasser- und keine Strandparty. ",Baby - könnt ihr euch das für dreieinhalb Minuten merken?" Die Fans schaffen das. Rufen nicht nur das Stichwort an der richtigen Stelle des Nino-de-Angelo-Covers, singen auch ganze Refrains alleine.

Ohrstöpsel für die Toilettenfrau

Und alleine meint alleine: das Playback wird zurückgefahren, sobald das Publikum die Stimme erhebt. Kurze Augenblicke, an denen die Bässe nicht durchdröhnen. Denn das haben alle Stücke des Abends gemein: Kein Rhythmus, sondern das Viervierteltakt-Metrum wird von elektronischer Bassdrum und Bass durchgeschlagen. Der unterkellerte Boden des Burgtheaters vibriert, jemand hilft der Toilettenfrau mit Ohrstöpseln aus. Das ostinate Wummern legt sich selbst in der Kathrin-Türks-Halle unter Dieter Hildebrandts satirische Ausführungen. Und die Fans im Burgtheater tanzen auf den Treppen der Vorbühne, hautnah bei ihren Stars.

Sterne. Darum dreht sich alles bei Nic. Seit er "Ein Stern, der deinen Namen trägt" für die Disko entdeckt hat, funkelt es in all seinen Texten. Aber das Publikum weiß, welchen Song es hören und singen will. Nic singt die Album- und die Maxiversion.

Autogrammpause, der Regen wird abgestellt. Für "den Wendler", wie er sich selbst am liebsten bezeichnet, scheint die Sonne. Ist ja auch das Geburtstagskind. Legt mit "Unbesiegt" los und hält diesen Anspruch bis zum Ende des Konzerts durch. Technobeats, Technoanimation. Damit hat er seine Fans im Griff. "Ihr liebt den DJ!" Selbst wenn er ihnen den Rücken zudreht. "Wenn ich mich gleich umdrehe und nicht alle Hände oben sehe, geh ich nach Hause".

Und die Stretchlimousine wartet am Ausgang

Braucht er nicht, stattdessen tanzen die "Wendler Silver Stars". Die Cheerleader-Gruppe lässt sogar vergessen, dass sich neben den Sängern kein einziger Musiker auf die Fantastivalbühne verirrte. Es ging halt um das Wesentliche: Stars, Fans, Party. Und die Stretchlimousine wartete fahrbereit am Ausgang. (bes)

Mit Klassik, Liebe und Leidenschaft
Rheinische Post / Lokale Kultur / Dienstag, 19. Juni 2007

Ein wunderbares Programm mit einer Vielzahl musikalischer Emotionen wurden den Zuschauern bei der "Jungen Sommernacht der Klassik" im Rahmen des Dinslakener Fantastivals im Burgtheater geboten.

Von Florian Langhoff

DINSLAKEN Unterstützt von den Dinslakener Stadtwerken gab es beim Dinslakener Fantastival auch klassische Musik zu hören. "Passione e Amore", Leidenschaft und Liebe, so lautete der Titel der jungen Sommernacht der Klassik im Dinslakener Burgtheater. Ein wirklich passender Titel, denn es wurde eine reichhaltige Fülle von emotionalen Liedern geboten.

Doch kommen wir erst einmal zu dem "jung". Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt einer jungen Künstlerin: Vanessa Benelli Mosell aus Italien. Lars Helmer von der Dinslakener Burghofbühne hatte die 20-jährige Pianistin bereits als "Virtuosin" angekündigt und auch nicht davor zurückgeschreckt, sie mit dem "Teufelsgeiger" Niccolò Paganini zu vergleichen. Ihr Können demonstrierte Vanessa Mosell dann auch bei Sergej Rachmaninovs Rhapsody über ein Thema des italienischen Geigenvirtuosen. Am Flügel sitzend, ließ die junge Frau ihre Finger über die Tasten fliegen. Mit unglaublich schnell und präzise gespielten Tonfolgen auf dem Klavier verzauberte die junge Pianistin Pianistin das Publikum im Burgtheater. Auch langsamere Passagen interpretierte sie hervorragend und übertrug so die Wechselhaftigkeit der in der Musik gebannten Emotionen auf ihr Publikum.

Dabei halten ihr die Musiker der neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Sebastian Tewinkel. Der Orchester hatte schon zuvor bewiesen., dass es das musikalische Spiel mit den Emotionen ebenfalls beherrscht. So zum Beispiel bei ihrer Interpretation von Peter Tschaikowskys "Cappriccio italien", in der sich langsame, herrlich melancholische Melodien mit schnelleren und fröhlicheren Passagen abwechselten. Außerdem lieferte die neue Philharmonie Westfalen auch die Begleitung zu den Auftritten der beiden Gesangssolisten Hrachuhi Bassenz und Felipe Rochas. Letzterer verstand es sehr gut, das Publikum mit seiner kräftigen und ausdrucksstarken Tenorstimme in seinen Bann zu ziehen, während Sopranistin Hrachuhi Bassenz mit ihrer klaren, emotionalen Stimme ebenfalls für Beifall der Zuschauer sorgte. Und wenn die beiden ihre Stimmen gleichzeitig erklingen ließen, wie bei dem Duett "O soave fanciulla" aus der Puccini-Oper "La Bohème", harmonierten die beiden Gesangssolisten nahezu perfekt. Großartig.

Mit ein wenig Humor lockerte Lars Helmer die Veranstaltung auf. Mit Besen und Baskenmütze als Franzose, im gelb-schwarzen Kimono als japanischer Heiratsvermittler oder im rosa Kleid als italienische Ehefrau versorgte er das Publikum mit Einleitungen und weiteren Informationen zu den Stücken. Ein wirklich gelungener Abend mit wunderbarer, emotionaler Musik und hervorragenden Akteuren.

INFO

"Passione e Amore"
Auf dem Programm standen, ganz dem Titel entsprechend, vor allem Werke italienischer Komponisten wie Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini.



Pinien im Burgtheater
18.06.2007 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN

FANTASTIVAL. Leidenschaftliche Arien und atmosphärische Orchesterwerke trugen italienische Impressionen in die "Junge Sommernacht der Klassik". DINSLAKEN. Das Orchester jagt und tönt, dann wird es still. Dunkle Klänge strömen am frühen Sonntagabend von der Bühne des Burgtheaters, legen sich wie Nebel schwer über die Ränge des Burgtheaters, scheinen einen Durchschlupf hinab in die Bunkeranlage unter dem Wandelgang zu suchen.

Die Solotrompete steht an der Willi-Dittgen-Steige

Doch nicht die Dinslakener Freilichtbühne fing Ottorino Respighi in seiner sinfonischen Dichtung ein, er beschrieb Rom, den Einstieg zu den Katakomben. Pinien stehen dort, "Pini di Roma". Eigentlich unwichtig. Die Musik fängt Vergänglichkeit, Verblasstes, Begrabenes ein, Gespenster der Antike. Und dann erstrahlt eine Melodie. Hell, klar. Sie schwebt über dem Orchester, über dem Zuschauerrund. Braucht gar nicht den Weg von der Bühne nach oben erklimmen, sondern ist schon da. Die Solotrompete steht oben auf der Empore neben dem Aufstieg zur Willi-Dittgen-Steige. Die Neue Philharmonie Westfalen nutzt das Burgtheater für das orchestrale Klangerlebnis in seiner ganzen Dimension. Respighis "Pini die Roma" von 1924 geriet zum Höhepunkt der Stadtwerke-Gala "Junge Sommernacht der Klassik", die in diesem Jahr Italien zum Thema hatte. Ungewohnte Klänge, vor allem für die heimischen Vogelarten im Burgtheater: Da kommen doch fremde Menschen in so großer Schar, dass sie in dem Kasten vorne ganz eng zusammen rücken müssen und singen und flöten in einer Sprache, die weder Amsel noch Drossel verstehen. Tatsächlich. Resphigi baute in seinen "Römischen Pinien" Schallplattenaufnahmen von echten Nachtigallgesängen ein. Irritiert verstummen die Vögel in den Kastanienbäumen, während unter ihnen weitere Blechbläser auf den Einsatz des jungen Dirigenten Sebastian Tewinkel warten. Nicht umsonst stand die Klassikgala unter dem Motto "Passione & Amore". Sie bot die großen Liebesarien und Duette aus Puccinis "La Bohème" und "Madame Butterfly". Die armenische Sopranistin Hrachuhi Bassenz und der chilenische Tenor Felipe Rojas trugen sie ins Burgtheater. Konzertant, in eleganter Abendgarderobe.

Lars Helmer als "der Pate"

Den schauspielerischen Aspekt der Opernwelt ergänzte der Dramaturg der Burghofbühne, Lars Helmer. Er gab den "Paten", schrubbte als Hauswart der "Bohème" das Burgtheater, sang als japanischer Heiratsvermittler italienisch mit deutscher Übersetzung und verbreitete als maskierter Impresario Niccolo Paganinis die unheimlichen Geschichten, die man sich früher über den Teufelsgeiger erzählte. Ganz das Gegenteil des finsteren Virtuosen die junge Pianistin Vanessa Benelli Mosell. Sie zeigte ihr Können mit Rachmaninovs "Rhapsodie über ein Thema von Paganini". Ein langer, doch kurzweiliger Fantastival-Abend, eine Zugabe wäre das I-Tüpfelchen gewesen. Doch die wurde den Zuschauern versagt. Dabei hätte es gereicht, das abschließende "Brindisi" einfach zu wiederholen, das Publikum applaudierte auffordernd genug.

BETTINA SCHACK

Fantastival – Ingeborg begeisterte auch auf dem Burginnenhof
Rheinische Post / Lokales / Freitag, 15. Juni 2007

Bei der Premiere hatte die Inszenierung des Curt Goetz-Komödienklassikers "Ingeborg" von Burghofbühnenintendant Thorsten Weckherlin Lob von Publikum und Kritik eingeheimst. Jetzt präsentierte die Burghofbühne ihren Erfolg noch einmal – im Rahmen des Fantastivals auf dem Burginnenhof. Und in dieser Atmosphäre an einem lauen Sommerabend erwies sich das Stück als genau die richtige Wahl.

Kommentare   
Unvergesslich
28.05.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Fury in the Slaughterhouse boten zum Auftakt im Burgtheater handgemachten Rock vom Feinsten.

DINSLAKEN. Für echte Fans ist ein Konzert von Fury in the Slaughterhouse wohl nie zu Ende. "Wont forget these days" - den Refrain des gleichnamigen Klassikers summten ganz Hartgesonnene noch auf dem Nachhauseweg an. Gut zwei Stunden beste Livemusik hatte das Sextett aus Hannover am Freitag im Burgtheater geboten. Der Auftakt zum diesjährigen Fantastival konnte sich sehen und vor allem hören lassen. Drei Zugaben musste "Fury" geben, erst dann entließen die rund 2000 Besucher die Band, die auf Showeinlagen größtenteils verzichtet, dafür aber das ausverkaufte Haus sprichwörtlich gerockt hatte.

"Es hat aufgehört zu regnen" - eine kurze Begrüßung, mehr gab es um kurz nach Neun nicht. Dann legte Sänger Kai Wingenfelder auch schon los. Und wer die Band noch nicht kannte, hatte spätestens da den Aha-Effekt: "Die Stimme kenn ich doch." Wingenfelders Gesang ist das Markenzeichen der Band, die in den frühen 90ern ihre ersten Hits hatte. "Radio Orchid", eine eher melancholische Nummer, gaben die Hannoveraner bereits als dritten Song zum Besten. Für die Fans die Einladung zum Mitsingen, für den Sänger die Chance, sich unter die Zuschauer zu mischen. Den Text konnte der Großteil des Publikums anstimmen. Der Funke sprang so schnell über - auch wenn die Wunderkerzen noch an einer Hand abzuzählen waren.

Zuschauer standen nur kurzzeitig im Regen

Dass Fury "live" ein Erlebnis war, dafür sorgten aber auch die restlichen Musiker auf der Bühne - wahre Profis bei der Arbeit. Der Sound passte, die Altstadt konnte sich über eine klangvolle Untermalung freuen.

Den Regen hatte Wingenfelder zum Konzertauftakt besungen - "Standing in the rain". Im Regen standen die Zuschauer, aber nur kurzzeitig. Doch selbst das konnte der Stimmung keinen Abbruch tun.

Balladen wechselten mit rockigen Songs. Dazwischen gab es kurze Ansprachen ans Publikum, etwa vom Besuch bei der Meisterfeier von Bayern München wurde berichtet: "Michael Mittermeier wollte dahin, wir mussten." Die Anekdoten kamen zwar nicht bei allen Zuschauern an, lockerten die Sache aber durchaus auf. Einfach so abspulen wollten die Musiker ihr Programm dann doch nicht. Doch gerade bei den wohlvertrauten Hits kochte natürlich die Stimmung. Auch "Time to wonder", seit mehr als einer Dekade ein Fetenkracher, durfte natürlich nicht fehlen.

Klar, dass die Besucher, darunter viele "Auswärtige", ihre Helden dann nicht so einfach ziehen lassen wollten. "Tschüss, das wars" - von wegen. Noch drei Mal mussten die Herren von der Leine nach vorn. "Ihr wart ein knuffiges Publikum", gab es am Ende das Lob von der Bühne. Dann war endgültig Schluss.

"Wont forget this evening", mögen sich da wohl viele gedacht haben.

MANUEL PRAEST
"Scatting in the Rain"
28.05.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Peter Fessler, Beverly Daley und die Big Bandits bescherten trotz schlechten Wetters eine starke Jazznacht.

DINSLAKEN. Von einem der Bodenstrahler des Burgtheaters steigt Nebel auf, in der Hitze des Lichts verdampfender Regen. Die Schleier scheinen zu den Funk-Rhythmen der Big Band zu tanzen. Zu den groovenden Bässen, den Posaunen. Dazwischen ein Wirbel zu den Einwürfen der Trompeten. Transparent, filigran, homogen. Vor wenigen Minuten, pünktlich um 19 Uhr, haben die Big Bandits der Essener Uni, deren Amateurstatus man nur erwähnen kann, um die Leistung dieses hervorragenden Ensembles um so höher zu würdigen, die Fantastival Jazz Night im strömenden Regen eröffnet. Es wird die letzte sein, und das Wetter tut alles daran, der Abschiedsstimmung den rechten Rahmen zu bieten.

Die Menschen unter den Schirmen verdrängen das klamme Nass an den Füßen. Es sind die Ohren, die an diesem Samstagabend zählen, und die werden verwöhnt. Ob Klassiker der Big Band Ära oder Modernes, Nils Powilleit leitet die Bandits souverän durch alle Stile. Sängerin Bianca besticht mit präziser wie ausdrucksstarker Stimme. "A foggy Day". Der Regen prasselt, der Sound bleibt glasklar. Romantische Nonchalance, es fehlt das Kaminfeuer. Umbaupause. Der Top Act ist für Viertel nach Acht angesetzt.

Peter Fessler spricht, singt, ist "Fes.peranto". Der Mann mit der klassischen Gitarre und der multiinstrumentalen Stimme trägt brasilianische Lebensfreude in die Seenlandschaft Burgtheater. Fesslers Finger tanzen auf den Saiten Samba-rhythmen, Guido Mays Handgelenke schlagen den Offbeat mit lockerem Schwung. Brasilianischer Zauber zu Dave Kings pulsierendem Bass. Fesslers Scat-Gesang.

Der Stimmkünstler dribbelt die Silben zwischen Schlagzeug und Gitarre, ein kurzer Pass zum Bass, ein Haken um die eigenen Riffs und ein Treffer direkt in die Seelen der Hörer. Müssen da nicht selbst die Wolken am Dinslakener Himmel lächeln? "Ihr seid mutige Menschen", ruft ein bestens gelaunter Peter Fessler in den Regen. Das Trio improvisiert, spielt, erschafft die Latin-Standards in magischen Momenten neu. Die Regentropfen kapitulieren vor den gescatteten Staccato-Sechszehnteln.

Japan. Wie eine Samuraiklinge zerschneidet Fesslers Stimme die Luft, exotisch, fremdartig wie der Klang der Shakuhachi. Dann die samtige Stimme auf seidenweichen Harmonien. Der Regen bildet vor der Bühne einen Gazevorhang "Holt euch doch einen Tee", bittet Fessler. Doch alles schaut, hört gebannt auf ihn. Zugaberufe. Der Jubel des Zuschauer übersteigt deren Anzahl um ein Vielfaches. Verschmitzt bedankt sich Fessler mit dem "Girl from Dinslaken, singing in the Rain". Halb Zehn, der Abend ist noch lange nicht vorbei.

Beverly Daley lässt ihren Musikern, "The Band", den musikalischen Vortritt.
Jeder für sich ein exzellenter Jazzer. Sie werden im Verlauf des Konzerts noch viele Gelegenheiten erhalten, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. Dann der Auftritt Beverly Daleys. Temperamentvoll, charismatisch. Southern Blues, Swing, New Orleans. Sie hat das Publikum im Griff. Es regnet nicht mehr. "Summertime". Schnell, flott, energiegeladen. Die Zeit vergeht im Flug.

23 Uhr 20. Für den Jazz im Burgtheater fällt der Vorhang. Was bleibt, sind die Erinnerungen an die musikalischen Glanzpunkte sechs Dinslakener Sommer.

BETTINA SCHACK
Zwei Stunden irischer Seelenbalsam
29.05.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
"Sheevón" aus Duisburg mühte sich redlich, doch feurige Stimmung wollte nicht so richtig aufkommen.

DINSLAKEN. "Willkommen zum trockenen Sonntag!", begrüßte Harald Jüngst sein Publikum zur dritten Musiknacht des Fantastivals. Tatsächlich hatten sich wenige Stunden vor Konzertbeginn der Irish Folk Gruppe "Sheevón" erstmals die grauen Regenwolken über dem Burgtheater verzogen. Und was dann musikalisch folgte, ließ letzte Tropfen abperlen.

Seit 25 Jahren tourt die Band nun schon durch die Lande. Irische Sänger zollen den Ruhrpottlern ihren Respekt. In der Musikszene der grünen Insel haben die drei Männer und drei Frauen schon lange Anerkennung gefunden. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu Hause, stand den erprobten Musikern dennoch im wetterlaunischen Dinslaken die Kälte ins Gesicht geschrieben.

Um kurz nach 20 Uhr betraten "Sheevón" nach bittendem Applaus die Bühne im Burgtheater. Wortlos begrüßte die Band mit verzaubernden Violinenklängen und leisen Querflötentönen ihr Publikum. Zwei Stunden irischer Seelenbalsam aus Duisburg bannte die Zuschauer in die Welt raffinierter Klangexperimente.
Traditionelle irische Songs, rockige Instrumentals und Ausflüge in die Klangwelt des Didgeridoo standen auf dem Programm der Irland-Kenner. So erzählten malerische Texte irische Geschichten. Mal traumhaft romantisierend, mal schnörkellos einfach.

Feurige Stimmung wollte trotz faszinierendem Geigenklang und der warmen Stimme von Sängerin Eva Silvia Fechner dennoch nicht aufkommen. Die Zuschauer auf den Rängen kämpften mit Winterjacken und Polsterkissen gegen die kriechende Kälte. Nur hier und da wippten die Dinslakener mit dem Fuß im Takt des trommelnden Bodhráns. Wo am Freitag Fury-Sänger Kai Wingenfelder noch über die Bühne wirbelte, zeigten die Musiker am Sonntag verhaltenes Entertainment. So amüsierten die Anekdoten von Keyboarder Harald Jüngst über Bandreisen, seine Witze erheiterten. Doch der Absprung zum Eintauchen in die Welt irischen Temperaments stockte am Bretterrand. Nur Conny Lesón schaffte den Satz mit ihren unbeschreiblichen Violineneinlagen. Im rasant-fetzigen Tempo zog die Duisburgerin ihren Bogen über die Saiten, mit dem Auge kaum zu verfolgen, wog sich im Takt und spazierte über die Bühne. Gemeinsam mit Eva Pauline Krause an der Querflöte spielte sie mit den Klängen irischen Folks.

Und so endete der Abend mit einem Feuerwerk fürs Ohr. Das Auge wurde nicht so verwöhnt.

IRINA KRUSZINSKI
Die Ironie als Gespielin
30.05.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
FANTASTIVAL / Wenn Chansonier Tim Fischer von "Regen" singt, erstarren die Wolken über dem Dinslakener Burgtheater.

DINSLAKEN. Er vereinigt Wiener Schmäh und Berliner Witz, stammt aber aus Delmenhorst. Unterhält sein Publikum in Frack und Zylinder und posiert auf Stöckelschuhen. Er liebt die Theatralik großer Gesten und weiß doch genau, wann ein kleiner Blick mehr ausdrückt als jede Bewegung. Kann restlos überdrehen und beherrscht die Stille zwischen Kontrabass und Piano mit einem Wimpernschlag. Er ist Schauspieler und zugleich ein grandioser Sänger. Kurz, nicht nur für Georg Kreisler ist Tim Fischer der beste deutschsprachige Chansonier. Seit Tim Fischer Anfang der 90er als "Zarah ohne Kleid" in Hamburg für Furore sorgte, wächst die Fangemeinde des charismatischen Wahlberliners mit jeder Tournee und jeder CD im "Walzerdelirium". Und sie unterstützt ebenfalls seine Projekte für Aids-Kranke in Afrika. Vorgestern gastierte Tim Fischer mit "Regen" beim Fantastival.

Heiterkeit und Melancholie

Lag es am Titel des Programms, dass die Zahl der Besucher im Burgtheater weder dem Rang des Künstlers noch dem Unterhaltungswert des Programms entsprach? In den großen ausverkauften Konzertsälen der Republik lösen die Schlager und Chansons rund um das Thema Regen nur sanfte Schauer aus, im offenen Rund unter einem wolkenverhangenem Himmel kann aus dem Spiel mit dem bedeutungsschweren Nass zu jeder Zeit Ernst werden. Doch die Ironie ist nun einmal Tim Fischers Gespielin. Mal umgarnt sie ihn sanft mit Schellack knisterndem Humor (Kreislers "Grammophon", Hollaenders "Circe"), mal schlingt sie in tragikomischer Gebärde ihre Arme um seine stolpernden Füße (das verschnupfte Liebeslied "Meine Nase ist läuft"), mal zeigt sie mit schaurigem Lachen ihr Gebein (sobald Fischer auf die nachtschwarzen Lieder Ludwig Hirschs zurückgreift).

Denn Heiterkeit befreit nur den, den auch die Melancholie ergreifen kann. Gleich zu Beginn betritt ein Trauerzug die Bühne. Die Totengräber heben die Hände zum letzten Gruß, dann greifen sie zu den Instrumenten.

Aufrecht steht der schwarze Schleiflacksarg. Musik, der Deckel fällt, ein unbeweglicher Tim Fischer in Anzug und Lippenstift singt Hirschs "I lieg am Rucken". Was krabbelt so sanft am Zeh? A geh, das ist der erste Wurm.

Entweder liebt man die morbide Energie Wiens oder man geht daran zugrunde. Tim Fischer verwandelt den Leichennebel in Schnürlregen. Singt im Dirndl vom Salzkammergut. Dazu gesellt sich Gert Thumser als Seppl. Ein Pfundskerl, jedes Kilo ein liebenswertes Gegengewicht zur ätherischen Eleganz Fischers.

Spiel mit Kitsch und Klamauk

Die Frau, die im Gewitter nicht allein sein kann (Kreuder), die blumengießende Weltverdrängerin (Kreisler). Manchmal tritt alles Posieren vor dem Aschgrau einer gescheiterten Beziehung zurück und Tim Fischer ist einfach nur ein junger Mann mit den Händen in den Hosentaschen und Traurigkeit in den Augen (Sulkes "Lotte").

Dass ein solcher Virtuose der Gefühle und des feinen Humors auch exzellente Musiker um sich versammelt, versteht sich von selbst. Seine Band beherrscht die Nuancen. Spielt mit Kitsch und Klamauk, überschreitet jedoch zu keiner Zeit die Grenze.

"Am Tag als der Regen kam" singt der gertenschlanke Mann mit der markanten Aussprache und der mal voluminösen , mal dunkel hauchenden Stimme. Am Ende, als Tim Fischer ging, spendeten die Zuschauer am Montagabend trotz der kalten Witterung minutenlang stehende Ovationen.

BETTINA SCHACK



RP, Lokalteil - Mittwoch, 31. Mai 2006
Der bisher beste Fantastival-Regen

Ja, wer hätte das gedacht? Dass Regen dem Fantastivalpublikum im Burgtheater derart viel Vergnügen bereiten würde. Der Regen kam allerdings diesmal auch nicht von oben, sondern von vorn, und zwar heftig. In Gestalt von Tim Fischer.

Von Jörg Werner
DINSLAKEN – „Regen“ hat Tim Fischer sein Programm genannt, und den ließ er in vielfältigster Form auf die überschaubare Zahl von Zuschauern niederprasseln. Dass Fischer inzwischen als bester Chansonnier Deutschalnds gilt, hat sich offenbar bis Dinslaken noch nicht so recht herumgesprochen. Und außerdem war'’ . auch wenn diesmal tatsächlich kein Regen fiel -–ein kalter, windig-ungemütlicher Abend. Kein Wetter für Freiluft-Veranstaltungen. Wer sich dennoch entschlossen hatte, den Wetterunbilden zu trotzen, durfte sich nach Fischers Auftritt allerdings belohnt fühlen. Die Herren kommen schwarz befrackt, weiße Nelke im Knopfloch, einen Sarg zwischen sich. Den stellen sie hochkant auf die Fantastivalbühne. Die Klappe geht auf, Tim Fischer steht in der schwarzen Kiste. Er singt. „I lieg am Rucken“ von Ludwig Hirsch. Morbide und zärtlich, österreichische Melancholie. Tim Fischer singt wie Ludwig Hirsch gesungen hat – und doch ganz eigen. Dieser Fischer ist ein Phänomen. Ein musikalisches Chamäleon. Er ist Ludwig Hirsch, er ist Georg Kreisler, er ist Stephan Sulke – und er bleibt doch immer Tim Fischer. Wenn Tim Fischer „Der Tag als der Regen kam“ vorträgt, haben die Zuhörer Dalida im Ohr, Fischer trifft den Ton der 20er, 30er, 40er Jahre bei seinem Regen-Medley, es knarzt nach guter, alter Schellack-Zeit, wenn Fischer Georg Kreislers „Grammophon“ interpretiert. Fischer lässt die berühmten Regentropfen ans Fenster klopfen, flaniert unter einem Regenschirm am Abend, besingt bissig den Regen in Berlin, der dort am schönsten ist. Tim Fischer kann’s kokett, er kann’s bitterböse, er kann’s walzerselig, er kann’s auch verrucht und vulgär. Ob im Frack oder im Dirndl, in dem er den Salzburger Schnürlregen besingt – Fischer macht eine gute Figur und eine noch bessere Show. Er hat’s einfach drauf, Augenaufschläge, neckische Kopfbewegungen, große Gesten – das sitzt. Bei ihm wirkt schwerelos leicht, was doch so schwer ist: die kleine Kunst ganz groß. Bestens unterstützt wird er von seinen Musikern – Rüdiger Mühleisen (Piano), Lars Burger (Bass), Hans Jehle (Geige), Ralf Templin (Gitarre), Daniel Thummes, Florian Goltz (beide Schlagzeug) und Gert Thumser (Keyboard), die mit ihren Instrumente so wohl temperiert umgehen, dass sie Fischers Vortragskunst nie übertönen, sondern stets betonen. Und wenn Thumser – mit unübersehbarer Leibesfülle – im Hochzeitskleid neben dem schmächtigen Fischer tanzt, wird aus dem ungleichen Duo ein kongeniales Duett, das auch mit Kalauern à la „Wenn der Bauer erfriert im Mai, ist der Mai für ihn vorbei“ witzige Effekte setzen kann. Bislang hat das Fantastival-Publikum unter dem Regen gelitten, dieser Regen tat ihm gut, und natürlich stellte sich zum Schluss auch noch der Regenbogen ein, wenn auch nur in Form der farbigen Perücken, die sich Fischer und Ensemble aufs Haupt stülpten, um sich dann mit einem furiosen Finale von Regenlidern von Reinhard Mey bis Drafi Deutscher zu verabschieden. Viel Applaus und ein Wunsch: wenn schon Fantastival-Regen, dann bitteschön den von Tim Fischer.
Der Mut, du selbst zu sein
31.05.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Das "Tapfere Schneiderlein" erkämpfte sich die Prinzessin und bescherte der Burghofbühne ein volles Haus.

DINSLAKEN. Das Burgtheater hallte von den Rufen der rund 1700 Kinder.
"Lügner!" Die Sympathien der kleinen Kindergartenbesucher, die gestern morgen der Einladung der Volksbank Dinslaken ins Fantastival folgten, waren klar verteilt. Das sympathische Schneiderlein (Christian Furrer), von allen gehänselt und zum Schwindler geworden, um sich ein wenig Anerkennung zu verschaffen, wurde lautstark unterstützt, der Hofmarschall (Thomas Hamm), den die Angst um den Verlust seiner einflussreichen Position zur Intrige trieb, wurde gnadenlos ausgebuht. Unbeirrt von Kälte und drohendem Regen fieberten die Kinder mit dem "tapferen Schneiderlein" in der Burghofbühnen-Neuinszenierung von Lars Helmer.

Das Märchen um Mut und Prahlerei, Geltungssucht und Außenseiterängste, Geziertheit und Natürlichkeit forderte die Stellungnahme der Kinder ein.

Nicht zufällig sah die Fantastivalbühne wie ein altes Kasperletheater aus.
Das Schneiderlein trug ein knallbuntes Flickenkostüm, der unkomplizierten Prinzessin (Lena Münchow), dem kugelrunden König (Jens Ulrich Seffen) und dem überkandidelten Hofmarschall entwarf Matthias Müller prachtvolle Rokokoroben.

Wie erlangt man Mut? Der verspottete Schneider vermutet, dass Stärke Angst erzeugt. Tatsächlich schlägt der schmächtige Nadelschwinger die Marmeladenfrau mit der überdimensionalen Hose des schwergewichtigen Bürgermeisters in die Flucht - er hat sich hinter der Größe eines anderen versteckt. Dann erschlägt er "Sieben auf einem Streich". Die stolze Stickerei auf seinem Gürtel verschweigt, dass es sich nur um Fliegen handelt. Ist er ein echter Aufschneider, oder schweigt er nur zu dem, was die Leute glauben wollen? Der Argwohn des Hofmarschalls ist berechtigt. Doch statt am Heldenmut zu zweifeln, erfasst ihn selbst die Angst. Er entlarvt nicht die Lüge, er hält ihr neue entgegen. Das macht ihn für die Kinder zur Unperson. Hinzu kommt die unverständliche, die schwülstigen Auswüchse barocker Lyrik herrlich parodierende Sprache.

In gefährlichen Prüfungen wächst der Schneider an sich selbst, beginnt, eigene Stärken zu nutzen. Spielt die streitlustigen Riesen gegeneinander aus, versteckt sich so geschickt hinterm Baum, dass das wilde Einhorn in sein eigenes Verderben rennt. "Du bist doch immer noch derselbe Mensch". Die Liebe der Prinzessin lässt den Schwindler sein eigenes Kartenhaus einreißen.
Er bekennt sich zur Wahrheit und wird für diesen Mut belohnt. Jubel im Burgtheater, als der Schneider das Jawort seiner Prinzessin mit einem ehrlichen "Yo!" bekräftigt.

Am Nachmittag öffnete das Kindertheater ein zweites Mal den Vorhang. Zur Nachmittagsvorstellung im freien Verkauf kamen Eltern, ältere Kinder und Märchenfreunde von Auswärts ins Burgtheater. (bes)



RP, Lokalteil - Donnerstag, 1. Juni 2006
FANTASTIVAL Der tolle Bluff des tapferen Schneiderlein

Es ist wohl der bekannteste Bluff in der Märchengeschichte: ein Schneiderlein wird König wegen sieben abgemurkster Fliegen. Aber was heißt schon Bluff? Es geht um die Moral von der Geschichte: mit Glück, guten Ideen und Geschick kommt man gut zurecht und wird sogar manchmal König. Gute Ideen und schauspielerisches Geschick zeigte auch die Bürghofbühne mit ihrer Inszenierung des Grimmschen Märchens, die gestern im Kinderprogramm des Fantastivals gleich zweimal im Burgtheater zu sehen war. Glück kam auch hinzu. Das Wetter war einigermaßen.
Rundumschlag
01.06.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Auf Kreuzzug im Burgtheater: Serdar Somuncu machte beim Dinslakener Publikum den Toleranztest.

DINSLAKEN. "Fragen Sie sich selbst, ob das in Ordnung ist." - Serdar Somuncu hat seinen Kreuzzug, auf den er am vergangenen Wochenende zum Katholikentag gegangen war, am Mittwochabend im Burgtheater fortgesetzt. Der "Anstands-Quoten-Kanaken-Wauwau" hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Publikum die eigene Toleranzgrenze spüren zu lassen. Publikumsbeschimpfung und "Hitler-Parolen" inklusive.

Als eine "Art Rundumschlag gegen die Einfältigkeit des gegenwärtigen Booms aus Mainstreamkabarett und Comedy-Gesülze", hatten die Fantastival-Organisatoren Somuncus Auftritt angekündigt. Und so fand der im Chansonier Tim Fischer, der am Montagabend auf dem Fantastival-Programm stand, und in Bernd Stelter, der das Dinslakener Publikum am gestrigen Donnerstag beehren sollte, ein willkommenes Fressen: "Mein Name ist Bernd Stelter. Ich habe noch nie vor so leerem Haus so voll gespielt." So begrüßt Somuncu die wenigen Zuschauer, die im Burgtheater in den ersten paar Sitzreihen Platz gefunden haben. Auch den "schwulen Chansonier", der eigentlich im Moulin Rouge singen wolle, dann aber in Dinslaken beim Fantastival gelandet sei, parodiert der Deutsch-Türke.

Serdar Somuncu kann eben anders, und anders zu sein als die anderen, das heißt bei ihm: Direkter, lauter, unflätiger und näher an der Schmerzgrenze.
Wer sich sein Programm ansieht, weiß das vorher. Was Somuncu macht, ist Geschmackssache. "Wenn Sie sofort gehen, reagieren Sie richtig. Wenn Sie bleiben uch", werden die Zuschauer instruiert, die "so bescheuert sind, sich zwei Stunden beschimpfen zu lassen", von denen der Kanaken-Wauwau annimmt, sie erwarten, dass er keine Schachtelsätze sprechen kann. Aber das kann er. Schließlich hat sich Somuncu selbst mit dem "Goldenen Edmund-Stoiber-Siegel für angepasste Kanaken" ausgezeichnet.

Dass er ein Deutscher im falschen Körper gewesen sei, erzählt er, habe zu seiner "Nationalitätsumwandlung" geführt. Bei den "anonymen Deutschen" hat Somuncu dafür ein "Germanisierungsseminar" absolviert, bei dem ihm Bier und Sauerkraut in Zäpfchenform verschrieben worden seien. Im Burgtheater hat der Deutsch-Türke es darauf abgesehen, Irritationen zu verursachen, die noch tiefer gehen. Häufig fällt er in seinen markanten Hitler-Sprachgestus - "Die Stimme kenn ich, das Gesicht hab ich noch nie gesehen" - zieht über Merkel, die jetzt wie eine Frau aussehe, her, schimpft auf Vögel und Kirchturmglocken, schmeißt Stuhl und Mikrofonständer über die Bühne, nennt Wolfgang Schäuble den Rollstuhl-Goebbels und erzählt von Kopftuch-Nazis, die Stringtangas tragen, weil die eben nicht im Koran stehen.

Serdar Somuncu lässt sich aus. "Das macht Spaß hier." Dem Publikum auch, gelacht wird an diesem Abend über alles. Doch Somuncu kann "seinen" Hitler auch exorzieren und zeigt dann die andere Seite seiner "Nationalitätsumwandlung", die er in dem Buch "Getrennte Rechnungen" aufblättert. Z. B. in der Geschichte vom ersten Schultag, der für den kleinen Serdar tränenaufgelöst endet, weil seine Schulträume in einer "Ausländerklasse" zerschlagen werden.

Nach zwei Stunden hat Somuncu ohne Pause durchgespielt und bedankt sich brav beim frostfesten Publikum.

SIMONE BELLINGRÖHR
Da blieb kein Auge trocken
02.06.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Comedians servierten Drei-Gänge-Menü. Die gesalzen-deftige Hauptspeise lieferte Bernd Stelter im Burgtheater ab.

DINSLAKEN. Delikate Häppchen zur Vorspeise, eine lauwarme Suppe als Zwischengang und eine gesalzen-deftige Hauptspeise. Insgesamt ein schmackhaftes Menü, das die Comedians der Nabend zusammen Show am Donnerstag beim Fantastival im Burgtheater ihrem Publikum auftischten. Garniert wurde der Abend vom blauen Horizont, abgerundet mit eisiger Schafskälte.

Schon zum Entreé des Drei-Gänge-Comedy-Menüs krümmten sich rund 200 Gäste vor Lachen, denn Will, der Ortsvorsteher von Saffelen, und sein Dorfkumpel Joseph - Löschmeister, Körbchenrumgeber in der Kirche und Würstchenwender beim Dorffest - Jackels alias Brüh und Mahoni vom Rurtaltrio begeisterten mit ihrer Realsatire des Dorflebens.

So kullerten die Lachtränen, als die zwei Moderatoren der Nabend Zusammen Show ihre Lobeshymne auf Dinslaken hielten, der Weltstadt mit Herz, dem funkelnden Juwel an der A 59, berühmt bis über die Grenzen von Walsum hinaus. Dem Appetitanreger folgten krachende Geschichten vom Dorfalltag.
Unter dem Motto "Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen" und "Löschen, Retten, Keller leerpumpen" erläuterten Ortsvorsteher Will und Trottel vom Dienst Joseph die neuesten Ereignisse bei der Saffelner Freiwilligen Feuerwehr und tratschten über dat Frau, dat zu de Weight Watchers geht.

Turbulent witzig inszenierte das Trio ImproVisite sein Stand-Up-Comedy-Häppchen aus dem Genre "Leute, die sich schlecht Texte merken können". So zeigten die drei Männer in einer knappen Dreiviertelstunde spritzigen Wortwitz und bemerkenswerten Körpereinsatz. Auf die Zurufe der Zuschauer antworteten ImproVisite mit Sprachen-Switching, einem Doppel aus Fantasiesprache und Reindeutsch und facettenreichem Improvisite-Theater von der Biedermeier-Epoche bis hin zum Opern-Genre.

Lauwarmes Süppchen

Ein lauwarmes Süppchen kredenzte im folgenden Gang Comedian Kalle Pohl seinem Publikum. Der "charmante Frauentyp" witzelte über die Probleme zwischen Mann und Frau, ließ "Erfahrungsberichte" sprechen und allzu oft fielen Worte wie Geschlechtsverkehr, Porno und Brüste. Verhaltenes Klatschen und ein müdes Lächeln in der Runde der Zuschauer.

Deftig, schmackhaft, pikant dann der Hauptgang. Bernd Stelter eben. Er ist der kölsche Junge mit der Gitarre. Er hat drei Haare auf der Brust, er ist ein Bär und er brachte das Burgtheater zum Beben. In einem Medley vergangener Sommerhits lästerte der Kabarettist über Schlankheitswahn in Fernsehsendungen, Walker, die deutsche Abwehr und die Holländer, immer mit einem Schmunzeln. Allzu gern nahm der Kölner sich dabei selber aufs Korn, machte aus seinen Rundungen keinen Hehl. Und so blieb bei seinen Erläuertungen zum Schneewittchen-Syndrom kein Auge trocken: "Männer über 40 legen sich auf den Rücken, gucken an sich herunter und denken: Da hinterm Berg - da wohnt ein Zwerg." Es folgten ein Bernd Stelter mit Schmollmund, ein Stelter als Besoffener, ein Stelter, ders satirisch mag.

So flossen an diesem Abend viele Freudentränen. Zum Dank gabs vom Comedian Anerkennung: "Es war scheißekalt und ihr habt durchgehalten" - und ein weiteres Ständchen, das fast klang wie eine Metapher auf den "Bären" selbst.
Sanftes Gitarrengeklimper und Zeilen über einen Clown, der lacht, nichts anderes sein will und fröhlich ist, wenn er Glück in die Gesichter zaubern kann.

IRINA KRUSZINSKI



RP, Lokale Kultur - Samstag, 3. Juni 2006
Ein Breitensport macht Spaß

Bernd Stelter trällerte und witzelte das Publikum bei der „Nabend zusammen“-Comedyshow im Burgtheater nach drei Stunden zum Höhepunkt. Kalle Pohl, das Rurtal-Trio und die Impro-Visite komplettieren die lustige Runde.

Von Markus Haegert
DINSLAKEN – „Jetzt mal ohne Ernst“. Kalle Pohl gab das Motto für den launigen Abend, den den rund 700 Besuchern im Burgtheater zumindest die Lachmusaln auf Temperatur hielt. Der Höhepunkt der Comedy-Show – auch was die Körperfülle betraf – kam mit Bernd Stelter glücklicherweise zum Schluss. Bei unangenehmen Temperaturen heizte der delbst ernannte Breiten-Sportler dem Publikum auch noch nach knapp drei Stunden ein. Den Open-Air-feindlichen Bedingungen setzte Stelter trotzig eine Reihe von umgedichteten Sommerhits entgegen. Und auch sonst sorgte er musikalisch auf seiner Gitarre für heitere Stimmung. Zwar outete er sich al Holland-Fan, doch bei seinem WM-Song gingen die Zuschauer trotzdem mit.

Joggen mit Schildkröte
Der Humor hielt sich über den ganzen Abend in seichten Gewässern auf, was dem Auditorium allerdings gefiel. Beim Bierchen und ‘ner Laugenbrezel lassen sich Witze à la „7 Tage, 7 Köpfe“ gut ertragen. Beispiel gefällig? „Zum Joggen wollte ich mir einen Hund anschaffen,“ erklärte Bernd Stelter, „wegen der Tierhaar-Allergie meiner Frau habe ich jetzt aber keinen Hund.“ Pause. „Sondern eine Schildkröte. Wenn ich jetzt so langsam jogge, sehe ich die Welt mit anderen Augen"“ NAtürlich durfte auch sein Karnevals-Schlager nicht fehlen: Zum Ende der Show trällerte Stelter vergnügt im Chor mit dem Publikum „Ich hab‘ drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“. Das zweit bekannte Gesicht aus Karneval und RTL, Kalle Pohl, bot eher eine müde Nummer, bei der die ersten Zuschauer ihr warmes Zuhause vorzogen und gingen. Von Shopping und Schönheitswahn getriebene Frauen, über rechte Gewalt im Osten, uner den in Zeiten der vergreisenden Gesellschaft kinderlosen Gerhard Schröder („Oben große Klappe, unten Reformstau“) verwurstete er so ziemlich alles.

Improvisiertes Tempo
Da kamen das zweiköpfige Rurtal-Trio, das als Moderatoren-Duo durch den Abend führte, sowie die Impro-Visite, das nun wirklich aus drei Künstlern bestand, schon peppiger daher. Die Improvisationsdarsteller boten einen Mix aus lustigen Partyspielen und holten sich dazu Inspiration aus dem Publikum. Die einminütige Szene, in der sich ein Jockey auf der Trabrennbahn bewirbt, wurde – erst auf 30, schließlich uaf 15, sieben und drei Sekunden reduziert – zum temporeichen Sketch.

INFO
Überraschungen
Die Comedy-Crew der „BNAbend zusammen“-Tour besteht aus rund 40 Künstlern. Neben Bernd Stelter und Kalle Pohl gehörten unter anderem auch Guido Cantz und Tommy Engel zum ständig wechselnden Ensemble. Je nach regionaler Besonderheit des Spielorts wird er zusammengestellt und bietet so jedes Mal neue Überraschungen.
Eine sensationelle "Königin der Nacht"
05.06.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Nachwuchstalente gratulierten Mozart bei der "Jungen Sommernacht der Klassik" zum 250. Geburtstag.

DINSLAKEN. "Happy Birthday, lieber Mozart!" Die Gäste der "Jungen Sommernacht der Klassik" brachten dem Musikgenie am Freitagabend ein Ständchen zum 250. Geburtstag dar, denn für ihre diesjährigen Gala im Fantastival hatten sich die Stadtwerke Dinslaken etwas besonderes einfallen lassen: Während das Landesorchester Neue Philharmonie Westfalen Mozarts unsterbliche Musik erklingen ließ, erweckte das Landestheater Burghofbühne den Komponisten selbst zum Leben. "Viva Amadeus!"

Zu Beginn der aus Witterungsgründen in die Kathrin-Türks-Halle verlegten Gala versucht sich Klein-Mozart an der Seite seiner Schwester Nannerl am "Flohwalzer". Ein humorvoller Auftakt vor vollem Haus, denn das Bild vom genialen Wunderkind ist bis heute prägend.

Wie die Räder einer filigranen Rokoko-Uhr

Im Verlauf des Abends wird der englische Gastdirigent Philip Ellis die stilistische Entwicklung des erwachsenen Komponisten heraus arbeiten. Diese für sich selbst nachzuvollziehen, vielleicht der "Aha-Effekt" des Abends.

Das Konzert für Horn und Orchester Nr. 2 Es-Dur. Solist Stephan Schottstädt, Jahrgang 1982, zeichnet sich durch einen ausgesprochen angenehmen Ton aus.
Weich und rund selbst bei schwierigen Sechszehntelhäufungen. Ein viel versprechender junger Künstler. Caspar Frantz, Neffe von Justus, interpretiert das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 21 C-Dur, Mozart schrieb es mit 21 Jahren. Es ist die Zeit des "Galanten Stils", höfisch, doch voller virtuoser Empfindsamkeit.

Die Generation der Bachsöhne, die Mannheimer Schule. Orchester und Klavier greifen ineinander wie die Rädchen einer filigran ausgearbeiteten Rokoko-Uhr. Das Konzept der Stadtwerke Dinslaken, dem musikalischen Nachwuchs im Rahmen einer glanzvollen Gala ein Forum zu geben, geht auf.

Nach der Pause der Zeitsprung. "Zauberflöte" und "Jupiter-Sinfonie" sprechen eine andere Sprache. Die Französische Revolution erschütterte auch die Musik, der Wiener Mozart wird in einem Atemzug mit Beethoven genannt. Philip Ellis betont diese Nähe. Druckvoll, mit einer ungeheuren, geradezu nervösen Spannung in der Stille, in der Langsamkeit. Hier und da entlädt sie sich im Aufleuchten der Streicher.

Die Sensation des Abends ist die Rheinhauserin Alexander Leisse als dramatische "Königin der Nacht". Stimmliche Virtuosität gepaart mit einer verblüffenden Textverständlichkeit. Der 29-jährige Joachim Höchbauer (Sarastro) verfügt über einen volltönenden Bass, Theresa Bernadette Nelles, Katharina Georg, Carola Pavone und Lisa Sörös als Pamina und die drei Knaben machen Appetit auf die ganze "Zauberflöte".

Ein Busserl für das "Stanzerl"

So faszinierend wie die Musik bleibt die Person dahinter. Christian Furrer ist als Mozart unkonventionell, nicht zu bändigen. Busserlt sein "Stanzerl" (Lena Münchow), amüsiert sich über die biographischen Fakten des Moderators Lars Helmer, der diese Theatereinlagen eigens für die Gala schrieb und inszenierte.

Die Burghofbühne als Vermittler klassischer Musik, das I-Tüpfelchen auf einem rundum gelungenen Konzerterlebnis, das mit der Ouvertüre aus "Figaros Hochzeit" seinen temperamentvollen Abschluss fand. Langer, rhythmischer Applaus und zahlreiche Bravo-Rufe.

BETTINA SCHACK
Ein wahrer Musicalsommer
05.06.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Zum achten Mal ging es am Samstagabend im Burgtheater auf die immer neue Reise durch die Welt des Musiktheaters. Gute Stimmung erwärmte die kühle Frühjahrsluft.

DINSLAKEN. "Hello, Goodbye" sagten die Stars der achten Sommernacht des Musicals dem Publikum am Beginn des Abends. Bis zum endgültigen Goodbye ging es im Burgtheater aber wieder auf die immer neue wunderbare Reise durch die Welt der Musicalproduktionen und Popsongs.

Die Dinslakener Stimmen, Dennis Fresdorf, Britta Novack und Sophia Jennifer, sangen zur Einstimmung für die Zuschauer die bekanntesten Titel aus Les Miserables, Starlight Express und Die Schöne und das Biest. Als dann die Musical-Stars auf die Bühne kamen, erlebten sie die mittlerweile berüchtigte Dinslakener Stimmung. Mit rhythmischem Klatschen und ausgelassener Laune wurden die sechs Sängerinnen und Sänger im Burgtheater vom ersten Moment an gefeiert. In der ersten Konzerthälfte stellten die sich zunächst mit ihren Soloauftritten vor.

Eva Gullvag Aasgaard, die Norwegerin mit dem "unaussprechlich schönen Namen", dessen deutsche Bedeutung Goldbucht Hügelhof für Thomas Borchert so klingt, "dass man am liebsten sein Leben dort verbringen möchte", verzauberte mit einem jazzig-verspielten "Summertime" in einer Sommernacht, die kalendarisch noch eine Frühlingsnacht war. Mit einer Opernarie und Grisabellas "Erinnerung" aus Cats zauberte sie glockenhellen Klang in die frühjahrskühle Luft. Ein solches Frühlingserwachen mit Evas beeindruckender Stimme war aber mindestens genau so schön wie laue Sommernächte.

SIMONE BELLINGRÖHR



Gefeiertes Finale
05.06.2006 / LOKALAUSGABE / DINSLAKEN
Die Sommernacht des Musicals gab sich rockiger als gewohnt.
Dem Publikum gefiel der Stilmix.


Handfester ging dann Andreas Bieber mit Queens "I want to break free" zur Sache. Seine Performance wurde zum umjubelten Rockauftritt, den Patrick Stahnke mit einem anderen Titel aus dem Rockmusical "We will rock you" weiterführte. "Im having a good time", sang Stahnke und raste von einem Bühnenende zu anderen. "Guten Morgen, Dinslaken!" Jetzt war das volle Burgtheater hellwach und ließ sich von Sabrina Weckerlin das "Gold von den Sternen" holen.

Einen furiosen Einstand in Dinslaken feierte Thomas Borchert, der in Essen als "Phantom der Oper" auf der Bühne stand. Den "Sweet Transvestite" aus der "Rocky Horror Show" gab Borchert lasziv im schwarzen Anzug und wurde als ausdrucksvoller Graf Krolok mit "Unstillbarer Gier" stürmisch umjubelt. Er fand alles wunderbar. "Tröpfelts? Ist doch herrlich!" lächelte Borchert das Publikum an, das sich vor dem einzigen heftigeren Regenguss an diesem Abend praktischerweise in der Pause in Sicherheit bringen konnte.

Viel Liebe im Duett

Die Liebe und damit eine Reihe wunderbarer Duette machten die gut aufeinander eingespielten Darsteller zu einem Hauptthema der Musicalnacht.
Patrick Stahnke und Sabrina Weckerlin forderten energisch "Alles" voneinander und feierten nachher mit dem Publikum die beliebte "Time of my life". Andi Bieber und Peti van der Velde trafen sich im "Kleinen Horrorladen". Gemeinsame "Summernights" aus "Grease" besangen sie später.
Thomas Borchert und Eva rissen das Publikum mit einer Rockversion von "Phantom der Oper" vom Hocker. Zu einem unfreiwilligen schauspielerischen Duett mit dem "Tod" wurde Stahnkes "Der letzte Tanz" aus "Elisabeth" für Hermann Eckstein am Keyboard. Unter Perücke und Pollunder war der aber schnell enttarnt. Bertram Ernst, musikalischer Leiter der Musicalnächte, hatte sich einen konzertlangen Spaß mit den Zuschauern erlaubt. Die Sängerinnen und Sänger spielten augenzwinkernd mit.

Auch bei dieser Sommernacht des Musicals, die wie gewohnt ein gefeiertes Finale für das Fantastival abgab, hatten die Macher Variationsfreude bewiesen. Die Reggae-Version von "Tabalugas" "Nesaja" kam dabei gut an.
Musicalhits wurden abgewechselt mit weniger oft gespielten, genauso schönen Titeln und Popsongs. Robbie Williams "Feel" und ein, zwei Beatles-Lieder waren ins Programm eingeflochten. Sogar vom experimentellen A-capella-Stück der "Menschenkette" aus dem Background zeigte sich das Publikum nach anfänglichem Zögern doch begeistert. Die Sommernacht des Musicals setzt immer wieder neue Akzente und kann deshalb auch immer wieder ein gelungener Abschluss des Fantastival-Sommers sein, obwohl der diesmal ein nass-kalter Frühling war. (sb)



RP, Lokales - Dienstag, 6. Juni 2006
Gänsehaut aus Norwegen

Ewa Gallwag Aaasgard begeisterte bei der Sommernacht des Musicals. Neben der zierlichen Norwegerin wussten auch ihre fünf Kollegen zu überzeugen. Genauso wie die Live-Band und der grandiose Background-Chor.

Von Steffen Penzel
DINSLAKEN – Anne Stieve hat es geschafft. Ihr erstes Fantastival hat die neue Geschäftsführerin der Freilicht AG hinter sich gebracht. Und in den Augen von Thomas Bauchrowitz hat sie das so gut gemacht, dass er sie – bevor es am Samstagabend so richtig los ging – auf die Bühne holte und das Publikum im fast voll besetzen Burgtheater zu „standing ovations“ für Anne Stieve animierte. „Das ist für Dich. Anstatt Blumen“, gab es ein Extra-Lob vom Musical-Sommernachts-Veranstalter.

Summertime als Highlight

Nachdem sich anschließend drei Gewinner des Gesangswettbewerb „Dinslakener Stimme“ durch das Vorprogramm geträllert hatten, konnte sie dann endlich los gehen, die achte Sommernacht des Musicals. Für den Opener enterten alle sechs Interpreten und versprühten mit „Hello Goodbye“ gute Laune zum Start. Dann war es auch schon Zeit für das Highlight des Abends. Dafür zuständig war die Ewa Gallwag Aasgard. Die zierlich Norwegerin sorgte mit dem mal swingigen, mal langsam daher schleichenden, glasklar intonierten „Summertime“ für Gänsehaut. Und sie demonstrierte, dass man den Klassiker aus „Porgy and Bess“ auch locker zwei Oktovan höher als im Original präsentieren kann. Dann war es Zeit für Andreas Bieber. Der ehemalige „Jesus“-Hauptdarsteller heizte mit dem Queen-Klassiker „I want to break free“ ein. Beim kraftvollen „Don’s stop me now“ hielt es Patrick Stanke überhaupt nicht auf der Bühne. Im lässig aufgeknüpften, weißen Hemd sprang der Hauptdarsteller der Berliner Produktion „Die drei Musketiere“, flirtete verschmitzt lächelnd mit dem Publikum und warf Blumen in die Zuschauerreihen. Ganz in weiß und barfuß hauchte ihm anschließend seine Kollegin Sabrina Weckherlin „Alles, was ich will, bist du“ in das Ohr. Anschließend kam der erste Auftritt von Thomas Borchert, dem vermeintlichen Star des Abends. Borchert, der die Titelpartie des Musicals „Phantom der Oper“ sang, performte „Wie kann ich sie lieben“ aus „Die Schöne und das Biest“ im tiefen Bariton und lobte anschließend brav die „schöne, lockere Atmosphäre“ im Burgtheater. Dass der Background-Chor den Protagonisten des Abends in nichts nach steht, demonstrierten die drei Sänger mit einer fünfminütigen A-Capella-Beatbox Einlage vom Allerfeinsten. Großartig auch die zierliche Peti van der Velde, die – unterstützt von ihren fünf Kollegen im Background-Chor – das atmosphärische „The Shadowland“ aus „König der Löwen“ auf die Bühne brachte.

Nach vier Stunden war Schluss

Begleitet von der blitzsauber auhfspielenden Band folgten noch bekannte Musical-Songs wie „Can you feel the love tonight“, „Sweet Transvestite“, „Aquarius“, „Let the sunshine in“ und „Memories“. Aufgelockert wurde das Ganze mit Pop-Hits wie Robbie Williams‘ „Feel“. Nach fast vier Stunden endete dann ein sehr schöner Musical-Abend im Burgtheater.

INFO
Eigenes Programm

Neben seinen Hauptrollen-Auftritten bei Musical-Productionen wie „Evita“, „Buddy Holly“ und „Jesus Christ Superstar“ komponiert der Pianist Thomas Borchert eigene Stücke und tritt auch mit eigenem Bühnenprogramm auf. Sabrina Weckherlin gibt es in „Die drei Musketiere“, Peti van der Velde in der Europatourproduktion von „Grease“ zu sehen.
"Herbert, der Ozzy gibt alles - und Du?" - (Ruf aus dem Publikum bei Herbert Knebels Affentheater)

FANTASTIVAL Dinslaken - das waren neun Tage Trainer und Froschkönig, Krawattenmann und Stradivari, ein Burgtheater voller bunter Seifenblasen, kleine Sängerinnen, große Stimmen, verrückte Finnen und ein echtes Pferd. Das waren auch neun Tage meteorologische Höchstleistungen: jeden Abend stellte Petrus pünktlich zum Einlass die himmlischen Wasserschleusen ab, Yngve Gasoy Romdal , der nach der Erfahrung im letzten Jahr mit Schirm und Regenmantel auf die Bühne kam, konnte sich gleich wieder umziehen: die "Sommernacht" als Sommernacht. ,Prima und weiter so.

"Ozzy" gab alles. Wir finden, alle anderen auch! Die Künstler, die das Publikum mitrissen, die Zuschauer, die Bühnentechniker, das herausgeputzte Burgtheater, das große Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter (ob Aufsichtsratsvorsitzender oder Platzanweiser, bei der Freilicht AG sind alle nur aus Enthusiasmus mit dabei - auch das muss mal gesagt werden), das Wetter. Selbst die Turmuhr von St. Vincentius gab in ihrem Duett mit dem Triangel alles und haute Götz Alsmann fast vom Hocker.

Was sonst noch erzählenswert war, lesen Sie wie immer in unserem Pressespiegel.


Kommentare   
Herbert Knebels Affentheater

"Die Fans kennen die Sketche in- und auswendig und schreien sich dennoch immer wieder weg vor Lachen, wenn Knebel und vom wirklichen Leben im Pott berichten... Und natürlich kennt die Begeisterung keine Grenzen, wenn sich Ozzy sich das Hemd von der Brut reißt, dass die Knöpfe nur so spritzen."
(Rheinische Post)

"Am besten kommt Knebel aber immer noch, wenn Herbert einfach nur Herbert bleibt.... Einen besseren Auftakt hätte das Fantastival sich nicht wünschen können."
(NRZ)
Junge Sommernacht der Klassik

"Vom ersten Ton an zog die junge Geigerin das Fantastival-Publikum in ihren Bann. Baiba Skride schöpfte die Möglichkeiten ihrer Stradivari... voll aus." Mit sympathischem österreichischen Dialekt gab er [Dirigent Johannes Wildner] Erklärungen zur Verbindung der einzelnen Komponisten nach Spanien, flocht immer wieder die Orte Dinslaken und Hünxe mit ein - wohnt dort doch eine Tante von ihm."
(Rheinische Post)

"Giuliano Sommerhalder überzeugte mit seinem fantastischen Spiel ...Anke Sieloff hatte mit ..."Carmen" von Georges Bizet eine Paraderolle für ihre Stimmlage. Der dunkle Mezzosopran mit dem richtigen Timbre und ihr Temperament waren genau für dieses Stück geschaffen.
(NRZ)
Götz Alsmann & Band

Nicht nur das Publikum unterstützt Alsmann nach Kräften. Wenn er auf der Dinslakener Bühne steht, spielen sogar die Glocken von Sankt Vincentius mit. Das war im vergangenen Jahr so. Das war auch diesmal wieder der Fall, als der tiefe Glockenton punktgenau erklang, als Markus Paßlick zum Auftakt eines furiosen Triangel-Solos auf das Metalldreieck hieb. Das haute selbst "Götzi-Mausi"... fast vor Lachen fast vom Klavierhocker... Die Band ...spielte sich auf beeindruckendem Niveau durchs Programm, Alsmann fabulierte und schwadronierte gewohnt witzig, wortgewaltig dazwischen - ein schöner Abend.
(Rheinische Post)
Annett Louisan

Ihre Songs sind locker-leicht, ebenso ihre Stimme.... Die Töne schweben davon wie die Seifenblasen, die dank am Eingang ausgehändigter Werbegeschenke und des Spieltriebs der Gäste das Burgtheater erfüllen....Abgerundet wird der Auftritt von dem perfekten Spiel ihrer Band, die mit einer grandiosen Mischung aus Gitarren, Keyboard, Kontrabass und Schlagzeug überzeugte. Die Texte der alten wie neuen Songs sind wie die Titel, geradeheraus, unkompliziert, trotzdem aber mit sprachlicher Komplexität und humorvollen wie ironischen Seitenhieben ausgestattet, die auch schon mal das Publikum zu einem spontanen Szenenapplaus animieren... Stehende Ovationen... drei Zugaben.
(NRZ)
Leningrad Cowboys

Es war eine Party zwischen Wonne und Wahnsinn. Die spinnerten Finnen sind eine Cover-Band. Was sie covern, kennt jeder. Wie sie covern, ist gewöhnungsbedürftig. Schrill und schräg geht´s zur Sache... Wer hätte gedacht, das die Zuckerschnulze "Your my heart" richtig gut klingt, sobald man mit dem Punk-Traktor drüberfährt.
(Rheinische Post)
New York Voices, Echoes of Swing

Kim Nazarian, Lauren Kinhan, Darmon Meader und Peter Eldridge gelten zu Recht als eines der weltbesten und kreativsten Vokalensembles des Jazz... Sie kopieren nicht bloß, sie übersetzten es in die heutige Zeit. Aus dem good old stuff von Duke Ellington, Woody Herman, Benny Goodman, Antonio Carlos Jobim drechseln sie komplexe, teilweise auch recht komplizierte, wunderbar pulsierende Vokallinien.
(Rheinische Post)
Sommernacht des Musicals VII

"We will rock you" hieß es schließlich zu Beginn des zweiten Teils und da hatte Jesper Tyden gemeinsam mit dem Rest des Ensembles nicht zuviel versprochen. Besondere Höhepunkte versprachen zudem die Duette. Ob Yngve Gasoy-Romdal und Ethan Freeman tief in "Lilys Eyes" (Secret Garden) blickten oder Ethan Freeman und Jessica Kessler sich in "Totaler Finsternis" (Tanz der Vampire) wiederfanden - es waren gerade diese Songs, die für das richtige Musical-Flair sorgten.
(NRZ)
"Bunt, bunter, Fantastival!" (NRZ Dinslaken)

Solch ein buntes Festival, solche wunderbaren Künstler und solche tollen Fans. Das muss man begießen. Aber Petrus hat uns irgendwie falsch verstanden.
Mit "begießen" meinten wir ein elegantes Anstoßen mit prickelndem Sekt, ganz so, wie es Anna Maria Kaufmann und Michael Vaccaro bei der "Sommernacht der Klassik" gezeigt haben. Mit "begießen" haben wir nicht gemeint, dass es wie aus Kübeln auf das Burgtheater schüttet und den Zuschauer wie auch uns als Veranstalter Open Air als Beginn der Badesaison demonstriert wird.
Doch spätestens die "Sommernacht des Musicals" hat bewiesen, wie wetterfest unser Publikum ist, und der Einsatz der Stars entschädigte für alles.
Und wenn wir schon bei der Show sind, bei Ingve Gasoy-Romdals Interpretation von "Gethsemane" erwies sich Petrus zumindest als genialer Licht- und Tontechniker. Auch wenn zu den Nebeneffekten dieser "Reality-Inszenierung" gehörte, dass erstmal unterbrochen werden musste.
Wir werden an dem Konzept weiterarbeiten. Zusammen mit Petrus. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, übt er schon wieder heftig. Aber genug vom Wetter. Es gab viel wichtigeres auf der Bühne zu sehen. Und davon berichtete auch die Presse, die uns wie in den vergangenen Jahren auch dieses Mal wieder großartig unterstützt hat.


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Volker Pispers und Arnim Töpel

"Der größte Freund offener Worte...spielte zum Open-Air-Auftakt im ausverkauften Burgtheater...Arnim Töpel servierte im Vorprogramm Musikkabarett vom Feinsten. ... Pispers´ Pointen appellieren an nichts anderes als den gesunden Menschenverstand. Als Anregung zum Selber-Denken. ... Die deutlichen Worte sind es, was sein Publikum an ihm so schätzt. Worte, die den einen den Mund offen stehen und die die anderen herzhaft lachen lassen, bei jedem aber den Verstand ans Arbeiten bringen. Also dann... bis demnächst, Volker Pispers. "
(NRZ Dinslaken)
Sommernacht der Klassik

"Ein herausragendes Johann-Strauß-Orchester belohnte das (wegen des Wetters) unerschrockene Publikum. Für einen echten Höhepunkt sorgten die Musiker mit ihrem Dirigenten Herbert Siebert gemeinsam mit den Solisten Anna Maria Kaufmann (Sopran) und Michael Vaccaro (Tenor)... mit "Libiamo aus "La Traviata". Da faszinierte das Orchester mit seinem Können...Kaufmann und Vaccaro ergänzten sich perfekt... "
(Rheinische Post Dinslaken)

"Und war die Außentemperatur auch kühl, dauerte es nicht lange, bis Anna Maria Kaufmann ...die Herzen der Zuschauer erwärmte. ... Wann sonst als beim Fantastival besteht die Möglichkeit, Klassik-Hochkaräter zu hören, Musik vom Feinsten zu genießen. ... Ein weiteres Highlight bot der zwölfjährige Pianist Frank Düpree. Seine Interpretation der "Rhapsodie in Blue" ist einfach meisterhaft."
(NRZ Dinslaken)
Lotus & Schwert

"Am dritten trockenen Fantastival-Abend im Burgtheater zeigten Mönche aus dem Shaolin Kloster und Nonnen des chinesischen Yongtai Klosters auf ihrer Welttournee, wozu "die mystischen Kräfte des Shaolin Kung Fu" sie befähigen.... Wenn die Mönche in den orangefarbenen Kampfanzügen sich gegenseitig und auch selbst Holzstäbe, zweimal so dick wie ein Besenstiel, auf Armen, Rücken und dem kahlgeschorenen Kopf zerschlagen, mag man nicht glauben, dass sie davon nichts spüren. ... Zur stimmungsvollen Tempelmusik, für die Bühne neu arrangiert, begeisterten sie die Zuschauer mit atemberaubend hohen Sprüngen und Schnelligkeit, mit ihrem unglaublichen Gleichgewichtsgefühl und ihrer Beweglichkeit."
(NRZ Dinslaken)

"Die neun Schüler und Meister aus Shaolin sowie die drei Meisterinnen aus Yongtai zeigten in 90 Minuten ein sowohl dynamisches als auch ruhiges Programm - zwei Polaritäten, die der Zen-Buddhismus zu vereinen sucht. ...Eine dicke Metallstsange zerbrach wie Styropor, als eine Nonne sie sich selbst auf dem Kopf zerschlug. Mit ihrer unglaublichen Körperbeherrschung faszinierten die Kung-Fu-Kämpfer aus dem Reich der Mitte das Publikum, das mit langem und kräftigem Beifall seinen Respekt zollte. "
(Rheinische Post Dinslaken)
Götz Alsmann & Band, "Tabu!"

"Wieder einmal begeisterte der westfälische Wortakrobat mit Band und seinem "Tabu!"-Programm Jung und Alt im Burgtheater. "Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen, die versuchen, auszusehen wie die Schlümpfe", schoss Alsmann .. in gewohnt bissiger Manier in das mit Regenjacken gekleidete Publikum. Trotzdem gelang es Götz Alsmann, mit seiner Musik irgendwo zwischen Kreuzfahrabendunterhaltung und perfekter Jazzclubmanier und seinen, mit feiner Ironie gespickten Texten das Publikum in die groß angekündigten "entlegenden Gestirne des deutschen Jazzschlagers" zu entführen und damit in eine warme Stimmung zu versetzen. ... auf eine Neues im nächsten Jahr."
(NRZ Dinslaken)

"Der Funke, der im vergangenen Jahr sofort ins Publikum übergesprungen war, erlosch in den Regenpfützen. Alsmann und Band spulten das bekannte Programm nahezu eins zu eins zum Vorjahr herunter. Ein netter Abend mit alten Bekannten also. ... Ein Wiedersehen beim nächsten Fantastival? Ja, bitte! Aber mit einem neuen Programm und, wenn möglich, besserem Wetter."
(Rheinische Post)
Rumpelstil

"Spielende, lachende und singende Kinder, wohin man blickte. Die Berliner Band "Rumpelstil" begeisterte die Kids mit einer zweistündigen Show im Burgtheater."
(Rheinische Post Dinslaken)

"Witzig-coole Sprüche, eingängige Rhythmen und Mitmach-Einlagen sind das Erfolgsrezept der vierköpfigen Gruppe, das Ganze sogar mit Prädikat "pädagogisch wertvoll" ...Da wird Kopfrechnen zu einem spaßigen Sing- und Tanzspiel. Dabei durften auch Dinslakener Sänger und Tänzer auf der Bühne mitmachen: Die Mädels der Ballettschule La Balance halfen bei der musikalischen Rechenstunde tatkräftig mit. "Räubermäßig" gut fand der Bandchef sogar die Einlage des Chores "Die Schiefen Spieler". Sie hatten... zwei Rumpelstil-Hits einstudiert und ernteten viel Applaus.
(NRZ Dinslaken)
Such a Surge/ Die Wohlstandskinder

"Wer aus der Menge hervorkam, war nicht nur regen- sondern auch schweißnass. Auf matschig-rutschigem Burgtheaterboden kam sogar Festivalstimmung auf. So macht Punkrock Spaß."
(NRZ Dinslaken)
The Count Basie Orchestra

"Herrlich mitzuerleben, wie es die Jazzinitiative beim Fantastival schafft, das Burgtheater für ein paar Stunden ins Rampenlicht eines Weltklasse-Jazz-Konzerts zu versetzen. ... Sie [The Count Basie Orchestra] sind ein eingespieltes Team, das mit Freude und Spass dabei ist. Sensationell sind die Beweglichkeit und Kraft der Bläsersätze, einzigartig die Auftritte der Solisten. Das Publikum ist begeistert und bereits bei dem dritten Song hat der Swing, der Rhythmus alle rund 900 Anwesenden erreicht."
(NRZ Dinslaken)

"Dass der Gute-Laune-Cocktail das Publikum so genüsslich mit der Zunge schnalzen ließ, lag nicht allein an den sechs angegrauten Herren, die noch aus der Originalbesetzung stammen.... Gekonnt, mit Spielfreude und -witz wird der Staub von den Noten geblasen. Und bei jeder spürt man: hier ist alles gefühlt, punktgenau, von allen zugleich. Ein solches Maß an Präzision erfordert Sensibilität von jedem einzelnen Musiker. Und so beiläufig und unaufdringlich wie Bill Hughes seinen Jungs die Kommandos gibt, so faszinierend funktioniert diese Band. Zwei Stunden lang erlebte das Publikum Swing at it´s best - und das unter wolkenlosem Himmel bei sommerlichen Temperaturen. ... ´Alles im Geiste Count Basies, alles zu seiner Ehre´."
(Rheinische Post Dinslaken)
Sommernacht des Musicals VI

"Unglaublich", "Wahnsinn", "unvergleichlich": Die "Sommernacht des Musicals am Samstag Abend entlockte Zuschauern, Darstellern und Veranstaltern von der Freilicht AG die Superlative reihenweise.."
(NRZ Dinslaken)
"Weiter so, Fantastival!" (NRZ Dinslaken)

War das wieder eine bunte, turbulente Woche. Und über allem strahlte die Sonne, Festtagswetter zum fünften FANTASTIVAL im Burgtheater. Es begann stilvoll mit der "Sommernacht der Klassik", die im Rahmen der 100-Jahr-Feierlichkeiten unseres Hauptsponsors Stadtwerke Dinslaken von den "Jungen Tenören" besonders feierlich gestaltet wurde. Sogar Dirigent Herbert Siebert verzichtete auf den einen oder anderen Scherz gegenüber seinem Johann-Strauß-Orchester Wiesbaden, heizte dafür aber dem Publikum mit Gershwin und Glenn Miller ein.
An den nächsten Tagen kamen die Zuschauer im Burgtheater nicht mehr aus dem Lachen heraus: Wilfried Schmickler, Jürgen Becker und das Mysterium des rheinischen Kapitalismus - das "müsst isch" hier eigentlich erklären, aber es sei nur erwähnt, dass Herr Becker für alle Freibier mitbrachte. Einen Tag später dann Götz Alsmann und seine Band, die aus dem FANTASTIVAL nicht mehr wegzudenken sind. Die Dinslakener Publikumslieblinge konnten bei Markus Paßlicks 162 Arten eine Bratwurst darzustellen selbst nicht mehr ernst bleiben: ausgelassene Stimmung auf der Bühne und im fast ausverkauften Zuschauerrund.
Fast genauso wie beim FANTASTIVAL Kindertag. Ein neues Format, bei dem die Berliner Band "Rumpelstil" zeigte, wie anspruchsvoll und zugleich mitreißend gut gemachte Kinderunterhaltung sein kann. Und über allem schien die Sonne, die Regencapes blieben unbeachtet in ihren Hüllen, sie waren die einzigen Verlierer bei diesem FANTASTIVAL. Doch dann das Telefonat mit dem meteorologischen Wetterdienst am Mittwoch: schwere Niederschläge, Blitz und Hagel bedrohten "Cabaret". Die Entscheidung, die Veranstaltung in die Stadthalle zu verlegen, erwies sich spätestens beim Platzregen kurz vor Veranstaltungsbeginn als richtig.
Schon am nächsten Tag konnte sich die Sonne nicht mehr länger verstecken. Paquito d´Rivera und die New York Voices verzauberten das Burgtheater wie das Jazzpublikum und vertrieben mit ihren "Brazilian Dreams" selbst die realen Wolken vom Himmel. Während der Abend fortschritt, wurde es wärmer unter den Bäumen. Unerreichbare Perfektion und unbeschreibliche Leichtigkeit zeichneten die Musiker aus, die diesen Abend zu einer Sternstunde in der Geschichte des FANTASTIVALs und der Jazz Initiative Dinslaken erhoben.
Was kann man solch einem Abend noch entgegensetzten: 3 Akkorde und jede Menge Spass mit den Donots, Muff Potter und Kreftich. Die Fans der gepflegten Punkmusik warteten ab halb drei vor den Toren, stürmten bei Kreftich die Bühne und begeisterten mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Ausdauer beim Pogen selbst Ingo von den Donots. Eine supertolle Party und ein vielversprechender Einstieg in das neue Jugendformat, das in diesem Jahr gemeinsam mit dem Kulturamt und unterstützt von der Sparkasse Dinslaken gestartet wurde.
5 Jahre FANTASTIVAL bedeuten auch 5 Jahre "Sommernacht des Musicals". Was kann man von dieser Veranstaltung noch sagen: ausverkauft? natürlich. Internationale Stars? Mit Michael Lewis, John Partridge, Maike Boerdam, natürlich. Viel Atmosphäre? Gänsehaut bei "Elisabeth", Flower Power bei "Hair", natürlich. Wird es im nächten Jahr wieder ein FANTASTIVAL mit der "Sommernacht des Musicals" geben? Natürlich.


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Sommernacht der Klassik

"Sieben Zugaben für Dinslaken. Beifall, Johlen und Zugabe-Rufe wollten kein Ende nehmen...Die drei jungen Tenöre, Sopranistin Beate Düstersiek und das Johann-Strauß-Orchester aus Wiesbaden boten einen mehr als gelungenen Auftakt des Dinslakener Fantastivals."
(Rheinische Post Dinslaken)

"Sie kamen, sangen und siegten. Die ´Jungen Tenöre´wissen genau, wie sie ihr Publikum erobern können. Mit Leichtigkeit und Esprit kommen sie (die Musiker des Johann-Strauß-Orchesters Wiesbaden) daher. Lebendig, spritzig die Gershwin Medleys, voller Schmiss die Strauß-Polka. Hochklassige Musiker sind am Werk und bieten einen Klang, der nachhallt. Berhard Hirtreiter, Hans Hitzeroth und neudabei Hubert Schmid, die Jungen Tenöre. Mit ihren Stimmen, ihrem jungenhaften Charme und ihrem Konzept haben sie von der ersten Minute an den Schlüssel zu den Herzen der Menschen gefunden."
(NRZ Dinslaken)
Jürgen Becker und Wilfried Schmickler

"Es lag in der Luft. Das Publikum wartete drauf. Doch.. Wilfried Schmickler stürzte nicht auf die Bühne. Und er brüllte auch nicht ´Aufhören, Herr Pfarrer!´ Wenngleich ... sich Ronny Schneider, Pastor der evangelischen Stadtkirche, doch alle Zeit der Welt (nahm), das Publikum im Burgtheater auf einen kurzweiligen Fantastival-Abend einzustimmen. Leverkusener sind einsam. So wie Wilfried Schmickler. Hat keine Heimat, kann sie so auch nicht besingen. Schmickler schießt scharf, schnell und mit Vorliebe aus der Hüfte. Und er trifft immer. Die Beckersche Aufklärungskampagne ... beginnt bei Adam und endet bei Adenauer. Becker analysiert und seziert: witzig, wortgewaltig und geistreich rupft er den Vogel der Geschichte auf Kölsch. Tolle Idee, schöner Abend."
(Rheinische Post Dinslaken)
Götz Alsmann & Band, "Tabu!"

"Das ist so schön chaotisch wie eine Kinderparty... Es ist die wahnwitzige Mischung aus anarchischen Ga-Ga-Geschichten und originellen Musikinterpretationen mit vier phänomenalen Musikern in seiner Band, die Alsmann zu einem Unikum macht: Wohl kein anderer deutscher Künstler hat es geschafft, mit alten Filmklassikern und zum Teil völlig zu Recht längst vergessenen Schlagern so zu unterhalten... Musikalisch...und dabei zum brüllen komisch."
(NRZ Dinslaken)

"Und wie vor einem Jahr brachte ´Götzimausi´, wie ihn Christine Westermann gerne tituliert und wie er von einem Spruchband im Burgtheater dann auch begrüßt wurde, das Publikum wieder aus dem Häuschen. Wie hätte es sich auch wehren sollen gegen den Witz dieses Münsteraner Dampfplauderers, dessen Sätze als Rollkommando des gehobenen Nonsens über den Zuhörer hineinbrechen. Der Mann ist ein unverbesserlicher Nostalgiker, sehnt sich nach den guten alten Zeiten, über die er sich natürlich listig lustig macht, um damit die Moden heutiger Tage zu karikieren. Markus Paßlick, normalerweise für Bongos und Zubehör zuständig. Dass er alleine 162 Zeichen für Bratwurst kennt, sacheint ihn allerdings selbst genauso zu überraschen wie den Rest der Truppe auf der Bühne, die dann aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Überhaupt die Band: jeder für sich ist ein Könner,... die Jungs haben´s einfach drauf. Ein Abend mit ihnen - zumal einer im Burgtheater am Ende eines schönen Sommertages - macht einfach nur Spaß, ganz viel Spaß. Auf Wiedersehen beim nächsten Fantastival? Ja, bitte."
(Rheinische Post)
Rumpelstil

"Krokodil frisst Prinz. Affe schwenkt Fahne. Alles Banane? Von wegen. Gelächter, Gesang und kurze, spitze ´Energieschreie´ aus fröhlichen Kinderkehlen. Dass auch bei 30 Grad im Schatten kaum Ermüdungserscheinungen auftraten, dafür sorgte die Gruppe ´ Rumpelstil´. Pferde-Quiz und Rock´n´Roll, freche Fragen, kesse Lieder. Und das Beste: nicht nur die Kinder hatten ihren Spaß, auch die Erwachsenen."
(Rheinische Post Dinslaken)

"Dass die vierköpfige Band rund um die rothaarige Sängerin Blanche Elliz und den schlagfertigen Songschreiber Jörn Brumme Kinder in ihren Bann zu ziehen weiß, hat sie schon häufig bewiesen...geschickt bezog Brumme das vorwiegend fünf- bis zehnjährige Publikum immer wieder mit ein. Mehr als zwei Stunden lang fegten die Rumpelstils in fast durchweg rasantem Tempo durch das Programm, rockten, rappten und animierten zum Mitsingen."
(NRZ Dinslaken)
Cabaret

"Routiniert ging es zu in der Stadthalle, wegen Unwetters nicht auf der Freilichtbühne. Mal frivol, mal ernst präsentierten sich die ´eigenartige und extraordinäre´Sally und der ´Traumtänzer´Cliff eindrucksvoll auf der Bühne. Das Publikum dankte für diese humorvolle und nachdenkliche ... Vorstellung mit langanhaltendem Applaus."
(NRZ Dinslaken)

"Schnell ist nicht wie die Regisseure anderer Cabaret-Inszenierungen der Versuchung erlegen, den Film im Theater zu erzählen. Er bringt das Stück konsequent dahin zurück, wo es her kommt - auf die Bühne. Dabei hält er gekonnt die Balance zwischen der grell geschminkten Fassade einer nur auf Ablenkung ausgerichteten Welt und ihrem sich unüberhörbar ankündigendem Untergang."
(Rheinische Post Dinslaken)
Paquito d´Rivera feat. New York Voices

"Ein wahrer Augen- und Ohrenschmauß. Begeisterung pur herrschte bei den rund 1000 Besuchern."
(NRZ Dinslaken)

"Zauber einer Jazznacht: Die New York Voices und Paquito d´Rivera bescherten dem FANTASTIVAL-Publikum im Burgtheater ein Konzert der Superlative. ... alles wirkt unangestrengt und leicht, geschliffen und harmonisch... Entertainment auf höchstem Niveau, weil sich hier Größe und Können mit Emotionen paaren. Das Publikum lehnt sich atemlos zurück und weiß nicht, worüber es mehr staunen soll, über den Gesang der fantastischen Vier oder die Virtuosität, mit der d´Rivera gut gelaunt an Klarinette und Altsaxophon die Kläppchen drückt."
(Rheinische Post Dinslaken)
Donots

"Fantastival und Punk. Das passt. Schon bei den beiden Dinslakener Vorgruppen Randy Rascal und Kreftich... waren die Zuschauer kaum zu halten. Den Boden für den Hauptact bereiteten dann Muff Potter. Knallharte Trash-Gitarren, mehrstimmiger Gesang und intelligente deutsche Texte. Eine Mischung, die in dieser Konsequenz nur selten zu finden ist."
(NRZ Dinslaken)

"Vier Stunden Punkrock, laut und live und sehr, sehr gut ... Mit ihren eingängigen und druckvollen deutschsprachigen Punksongs jenseits von Phrasen und Peinlichkeit zeigte (Muff Potter), dass sich auch ernste Themen in gute Musik verpacken lassen. Unbestrittener Höhepunkt des Abends war aber der Auftritt der Donots..., die Band wurde während ihres knapp 80-minütigen Auftritts immer wieder gefeiert. Es war ein stimmungsvoller Abend der lockeren Art, den die Zielgruppe dankend annahm."
(Rheinische Post Dinslaken)
Sommernacht des Musicals V

"Die Veranstalter wissen, was Musicalfans wünschen. Gefühlvolle Duette, schmissige Songs, fetzige Tanzeinlagen, und das am besten alles zusammen."
(Rheinische Post Dinslaken)

"Ein magischer Mister Mistopheles, bei dessn Anblick die jungen und die älteren Mädels die Augen verdrehen, kündigt sich mit John Partridge an, der im Duett mit Katharina Debus und ´You´re the one that I want ´ dem Publikum ein greasiges Uu-Uu-Uuh entlockt. Da steckt eine Wahnsinns-Power hinter. Auch ruhigeres, träumerisches hat die erste Hälfte in petto. Wunderbar: David Moore im Duett mit Melanie Stara und ´Written in the Stars´ aus dem neuen Essener Musical Aida... Jerzy Jeszke in Hochform... führt...stimmlich mit der ´Musik der Nacht´ in die tiefsten Katakomben der Oper und treibt seinen Engel Christrin, wieder fantastisch Maike Boerdam, zu höchsten Tönen und dem Publikum die Gänsehaut auf den Rücken."
(NRZ Dinslaken)
"Das war´s: So schön, so bunt, so abwechslungsreich gab sich das Fantastival 2002, dass es schwer fällt, sich davon zu trennen." (NRZ Dinslaken)

Wie schnell eine Woche vorüber gehen kann. Gerade noch stießen Deborah Sasson, Lisa Griffith und Thomas Piffka auf der Bühne mit Sekt an, um die rundum gelungene Eröffnungsgala "Sommernacht der Klassik" zu feiern, da leuchtete schon das große Abschlußfeuerwerk der "Sommernacht des Musicals" über dem Burgtheater auf. Dazwischen gab es 8 tolle Veranstaltungen, 3 davon ausverkauft, 10.800 Zuschauer, hochkarätige Künstler, die das Publikum zum Toben brachten (wie Herbert Knebel), oder die sich so in die Herzen des Publikums spielten, dass dieses nur mit Standing-Ovations antworten konnte (Götz Alsmann & Band). Es gab nur einen richtigen Platzregen, der allerdings sowohl vom United Jazz und Rock Ensemble auf der überdachten Bühne wie auch von den trotz der Regencapes völlig durchnässten Zuschauer ignoriert wurde - schließlich war es auch die Zugabe der Abschiedstournee, da darf auch der Himmel weinen. Und es gab viele unvergessliche Momente und Eindrücke, einige davon finden Sie vielleicht in den folgende Presestimmen und in der Fotogalerie wieder.


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Sommernacht der Klassik

"Dass das Wiesbadener Johann-Strauß-Orchester nahezu perfekt spielt, muss nicht betont werden. Dennoch war es bei der Sommernacht der Klassik" faszinierend anzusehen, wie synchron die Geiger die Bögen auf und ab führten, wie jeder Einsatz gelang, wie exakt jede Pause gespielt wurde... Neben dem hervorragenden Orchester standen bekannte Solisten auf der Bühne. Thomas Piffka (Tenor) und die Sopranistinnen Deborah Sasson und Lisa Griffith, die sich nicht nur gesanglich, sondern auch optisch bei jeder Darbietung aufs Neue überboten."
(Rheinische Post Dinslaken)

"Deborah Sassons blendende Stimme verzaubert... Sie reizt ihr vokales Talent aus, führt es zu Höhen und Tiefen, schlägt den Zuhörer in Bann. Tenor Thomas Piffka steht ihr in seiner "Blumenarie in nichts nach... Herbert Siebert... Mit Charme und Witz führt er den Taktstock, mit Händen und Füßen und vollem Körpereinsatz, eine Art kapellmeisterlicher Aerobic. Griffiths warmer, frischer Sopran läßt die Herzen der Zuhörer schwingen...Lisa Griffith ist zweifelsohne der Liebling des Klassik-Abends.
(NRZ Dinslaken)
Herbert Knebels Affentheater

Die Zuschauer johlen, wenn der halsende Herbert beim Spazieren am Baldeneysee die Flucht vor den "Innen-Leinern" antreten muss und er sein Bild vom Rocker-Nachbar der Hellen Angels korrigiert, weil der sich als netter Junge von nebenan entpuppt. Logo: "Schließe nie von andere Leute sein Inneres auf denen sein Äußeres drauf."... Stark sind die vier zusammen, wenn Knebel seinen schlappen Fußball-Rentnern einheizt und die Kicker in der Halbzeitpause auch noch über die Tücken der deutschen Sprache schwadronieren, weil man ja nie weiß, "wann man ´datt´mit scharfen ´s´ schreibt"."
(NRZ Dinslaken)

"Mensch Hähbäht...nach diesem Abewnd gilt das, was Du Deiner Guste im Song, wo Du Deinen Seitensprung beichtest, mit auf den Weg gibst: "Doch danach gab´s nur noch Du!".
(Rheinische Post Dinslaken)
United Jazz + Rock Ensemble

"Klangvolle Spitzenklasse...Das beste aus 28 Jahren, wunderbare Verbindung von Jazz und Rock, fantasievolle Arrangements.... Unübertroffen. Pfiffe, Trampeln, Klatschen, begeisterte Höhenstürme. Jazzgenuss, wie man ihn heute selten hört.
(NRZ Dinslaken)

"So jung kommen sie nie mehr zusammen... Beim Abschiedskonzert drehten Volker Kriegel, Wolfgang Dauner, Dave King und die anderen sieben Musiker der erfolgreichsten europäischen Bigband noch einmal kräftig auf. 1100 Fantastival-Besucher waren restlos begeistert. Sie bedankten sich mit minutenlangem Beifall. Die lautstarken Rufe nach Zugaben wollten auch dann nicht enden, als sintflutartige Regenfälle die Freilichtarena längst unter Wasser gesetzt hatten."
(Rheinische Post Dinslaken)
Die Dreigroschenoper

"Schrill und schräg - ein Mackie zum Knuddeln... Christian Alexander Schnell inszeniert Brechts und Weills abendfüllende Moritat aus dem Rotlicht-Milieu im Stile einer 20er-Jahre-Revue. Werner Bauer...parodiert... die Parodie. Und die Huren -darunter ein sich fortwährend lasziv auf der Treppe räkelnder Erwin Kleinwechter in Pink und ein auch stimmlich großartiger Christian Bartels... könnten ...jeder noch so flippigen Tunten-Truppe mühelos Paroli bieten. Schön bunt das Ganze, schön schrill und schräg. Dem Publikum gefiel´s."
(Rheinische Post Dinslaken)

"Musical-Sängerin Simone Pohl als Mackies Braut, so verletzlich wie selbstbewusst - vor allem aber bei den Liedernstellte sie mit ihrer starken Stimme die Kollegen in den Schatten."
(NRZ Dinslaken)
Götz Alsmann & Band, "Filmreif"

"Filmreif sind die (Selbst-)Darstellungskünste des Meisters, der sich mühelos durchs Programm schwadroniert, auf wundersame und irrwitzige Weise Unzusammenhängendes wie die Nibelungensage und den Märklin-H0-Ringlokschuppen zusammenknüpft, mal eben das Publikum mit Fragen zu den Verwandtschaftsverhältnissen des Wormser Herrschergeschlechts um Gunter, Gernot und Giselher traktiert...sich ohne Punkt, Komma und Atemluft nahe um den Lungeninfarkt schwatzt, um anschließend wieder Liebesschnulziges ins Mikrofon zu hauchen. Filmreif sind die Eskapaden Alsmanns am Flügel, den er ein- und beidhändig, stehend, sitzend, auf den Hocker steigend, bearbeitet. Filmreif ist auch jeder der anderen Tonkünstler."
(Rheinische Post)

"Das war sehr, sehr schön."
(NRZ Dinslaken)
Rocknacht Friedensdorf: Stoppok

"´Oh, wie ist das schön´skandierten die Fans kurz vor dem Abpfiff. Mit Fußball hatte das Ganze zwar weniger zu tun. Trotzdem: Sieg auf ganzer Linie für "Stoppok"... fast drei Stunden begeisterte der Pott-Barde im Rahmen des Dinslakener Fantastivals seine Fans".
(NRZ Dinslaken)

"Stoppok schweifte aus, ...rackerte sich ab, schlug Haken, sprang auf einem Bein über die Bühne und improvisierte. Feinsten Rock´n´Roll bot ebenso Stoppoks Band: Klasse war Mario Schulz (Gitarre) genauso wie wie Reggie Worthy (Bass) und Thorsten Bender (Schlagzeug)"
(Rheinische Post Dinslaken)
Sommernacht des Musicals IV

"Das Ethan Freeman zu den Lieblingen der Dinslakener Zuschauer gehört ist nicht neu...Mancher entdeckte aber am Samstag einen neuen Favoriten für sich, der als Überraschungsgast im Programm war: Jeff Cascaro, charismatischer Sänger aus dem Ensemble von Klaus Doldinger, entpuppte sich mit starker Stimme und seinen Interpretationen der Ballade von Mackie Messer und einem Stück aus dem "König der Löwen" sowie dem Duett "Tonight, tonight" mit Maya Hakvoort als heimlicher Star des Abends."
(NRZ Dinslaken)